Europa-Vergleich Deutsche Studenten sind nicht die ältesten

Italiens Studenten wohnen am liebsten im "Hotel Mama", Briten wechseln munter zwischen Uni und Beruf, an Lettlands Hochschulen studieren fast zwei Drittel Frauen - und deutsche Studenten sehen gar nicht so alt aus. Das zeigt eine neue Untersuchung über die Studenten Europas.


Deutschlands Studenten zählen zu den ältesten Europas, wenn nicht der Welt. Kaum kommen sie von der Uni, sehnen sie sich schon nach der Rente - so lautet jedenfalls ein gängiges Vorurteil. Stimmt aber nicht ganz, wie man jetzt im "Eurostudent Report 2005" nachlesen kann. Die Studie, vom Bundesbildungsministerium in Auftrag gegeben, beleuchtet erstmals seit dem Jahr 2000 die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen von Studenten aus elf europäischen Ländern.

Dabei zeigt sich: Nicht Deutschlands, sondern Großbritanniens Studiosi sind die ältesten, nämlich mit durchschnittlich 28 Jahren. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Briten häufig nach einigen Jahren im Beruf an die Uni zurückkehren, um noch einen weiteren, meist vertiefenden Abschluss nachzuholen. Außerdem besteht an britischen Hochschulen die Möglichkeit eines berufsbegleitenden Teilzeitstudiums. Deutschlands Studenten liegen mit 24,4 Jahren zwar auch im Spitzenfeld - aber immer noch hinter Österreich mit 25,3 Jahren und Finnland mit 24,6 Jahren.

Geringer Frauenanteil in Deutschland

Bei der Verteilung der Geschlechter nehmen Deutschlands Studenten eine Sonderrolle ein. Während in den zehn übrigen Ländern der Anteil weiblicher Studenten teilweise deutlich über dem der männlichen liegt, verzeichnen deutsche Hochschulen nur 48 Prozent Frauen. Lettlands Studentinnenanteil liegt bei 63,1 Prozent und ist damit der höchste in allen untersuchten Ländern.

Die Studenten Südeuropas bestätigen ein mediterranes Klischee: Sie lieben es, im Hotel Mama zu logieren. 55 Prozent aller portugiesischen Studenten wohnen bei den Eltern, 69 Prozent sind es in Spanien und stolze 76 Prozent in Italien. In Deutschland hingegen wohnen drei Viertel aller Studenten auswärts.

Eurostudent soll künftig als Grundlage für die kontinuierliche Beobachtung von Europas Studenten dienen. Die sozialen Daten können dabei helfen, die Verwirklichung des europäischen Hochschulraumes im Rahmen des Bologna-Prozesses zu überwachen.



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