Managerschmiede Heidelberger FH-Betreiber übernimmt Privathochschule EBS

Die skandalgeschüttelte European Business School hat einen neuen Eigentümer: Ab sofort gehört die Privatuniversität der SRH Higher Education GmbH. Doch die juristische Aufarbeitung geht weiter.

EBS-Campus in Oestrich-Winkel
EBS

EBS-Campus in Oestrich-Winkel

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Die von Skandalen geschüttelte Privatuni European Business School (EBS) hat einen neuen Eigentümer: die SRH Higher Education GmbH, ein privater Klinik- und Fachhochschulbetreiber aus Baden-Württemberg. "Die SRH baut mit dieser strategischen Partnerschaft ihre führende Position im Hochschulmarkt aus und sichert langfristig die Weiterentwicklung der EBS", heißt es in einer Erklärung der Stiftung.

Zumindest Letzteres ist ein ambitioniertes Ziel. Die 1971 gegründete EBS hatte sich einen soliden Ruf als Managerschmiede erworben. 2010 erweiterte sie ihr Studienangebot um das Fach Jura, eröffnete mit erheblicher Finanzhilfe des Landes Hessen und der Stadt Wiesbaden einen zweiten Standort in der Landeshauptstadt und durfte sich seither Universität nennen. Doch dann wurden Untreuevorwürfe gegen den damaligen Präsidenten Christopher Jahns und andere EBS-Verantwortliche laut.

Jahns wurde entlassen und kam vor Gericht, nach monatelangem Prozessbeginn wurde das Verfahren wegen einer Erkrankung des Angeklagten ausgesetzt - bis heute. Die EBS musste zwischenzeitlich missbräuchlich eingesetzte Fördergelder des Landes Hessen zurückzahlen, Präsidenten wechselten sich an der Hochschulspitze in immer schnellerer Folge ab. Die Studentenzahlen brachen ein, mehrfach drohte die Insolvenz. Ende 2015 konnte die Privatuni nur gerettet werden, weil Spender das dringend benötigte Kapital zur Verfügung stellten, darunter die Stiftung von SAP-Gründer Dietmar Hopp.

Pläne für eine neue Fakultät Gesundheitsmanagement

Immer noch anhängig ist ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen mehrere Personen aus dem EBS-Umfeld bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Christopher Jahns selbst, der die Vorwürfe immer bestritten hatte und sich und die EBS als Opfer einer Verschwörung sieht, hatte vor Kurzem angekündigt, in Berlin eine neue private Hochschule an den Start zu bringen.

Viele Altlasten also, mit denen sich der neue EBS-Eigentümer herumschlagen muss. Dennoch zeigte sich SRH-Vorstandschef Christof Hettich zuversichtlich. Man habe die Bücher der Uni gründlich geprüft, bevor es mit den bisherigen Eigentümern, einer Stiftung und dem Alumni-Verein zum Notar ging: "Wir denken, dass man darauf aufbauen kann."

18 Millionen Euro betrage das Investitionsvolumen, mit dem sich die SRH bei der Privatuni stecken engagiert, bestätigte ein Sprecher. Zu den notwendigen Investitionen gehört beispielsweise die Digitalisierung der Abläufe und Studienangebote, denkbar sei aber auch eine neue, dritte Fakultät.

Ob mit oder ohne neues Fach - die EBS mit ihren rund 2000 Nachwuchsakademikern ist fast so etwas wie das fehlende Puzzlestück für das bisherige SRH-Hochschulprofil. Neun Fachhochschulen besitzt die Stiftung bereits, knapp 10.000 Studenten sind hier eingeschrieben. Noch nicht im Portfolio hatte sie bisher eine Universität und das dazugehörige Promotions- und Habilitationsrecht. "Die EBS Universität ergänzt unser Angebot im Hochschulmarkt perfekt", sagt Christof Hettich deshalb auch ganz offen.

Kritiker hoffen, dass mit dem Eigentümerwechsel jetzt mehr Transparenz an der privaten Uni einzieht - schließlich habe die EBS in der vergangenen Jahren massiv von öffentlichen Zahlungen profitiert. "Wir fragen uns schon, was aus den rund 40 Millionen Euro an Fördergeldern des Landes Hessen geworden ist - und was aus den drei Millionen, die die Stadt Wiesbaden der Hochschule zur Verfügung gestellt hat", so Hans-Joachim Barth vom Vorstand der GEW in Wiesbaden.

Vom "EBS-Titanic-Kurs" der vergangenen Jahre spricht die Gewerkschaft - und fürchtet, dass auch der aktuelle Verkauf noch Fallstricke bereithalten könnte. "Gibt es bei diesem Deal eventuell wieder vertrauliche Zusagen der hessischen Landesregierung?", fragt Hans-Joachim Barth.

Natürlich habe es im Vorfeld des Kaufs Kontakte mit der Stadt Wiesbaden und dem Land Hessen gegeben, sagt SRH-Sprecher Nils Birschmann. Einen Deal im Hinblick auf zusätzliche Steuergelder für die EBS gebe es aber nicht: "Wir stehen für private Hochschulen, die diesen Namen auch verdienen. Auf- und Ausbau der EBS werden deshalb auf jeden Fall privat finanziert."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der neue Eigentümer der EBS sei die Stiftung Rehabilitation Heidelberg. Tatsächlich ist die gemeinnützige SRH Higher Education GmbH der neue Eigentümer. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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curiosus_ 29.07.2016
1. Total daneben
Jetzt wird schon Hochschulbildung privatisiert. Es lebe das Angelsächsische Modell. 620 Euro kostet z.B. der Monat Elektrotechnik (Bachelor) bei SRH Heidelberg. Wir hatten mal soziale Marktwirtschaft. Good Bye, es lebe die neoliberale Marktwirtschaft. Man sollt sich nicht wundern wenn zukünftig immer mehr extrem wählen. Z.B. die, die sich 620 Euro im Monat Studiengebühren nicht leisten können. Und dann zweitklassig studieren müssen. Es lebe die Spaltung der Gesellschaft.
MattKirby 30.07.2016
2. @curiosus
Zitat von curiosus_Jetzt wird schon Hochschulbildung privatisiert. Es lebe das Angelsächsische Modell. 620 Euro kostet z.B. der Monat Elektrotechnik (Bachelor) bei SRH Heidelberg. Wir hatten mal soziale Marktwirtschaft. Good Bye, es lebe die neoliberale Marktwirtschaft. Man sollt sich nicht wundern wenn zukünftig immer mehr extrem wählen. Z.B. die, die sich 620 Euro im Monat Studiengebühren nicht leisten können. Und dann zweitklassig studieren müssen. Es lebe die Spaltung der Gesellschaft.
Na ja, so dramatisch kann man das jetzt aber nicht sehen. Wenn man die 620 Euro nicht bezahlen will, geht man halt an eine staatliche FH, die sind eh besser und es gibt sie mittlerweile an jeder Flußbiegung. Nach Bologna kann man jetzt sogar an jeder dieser Hilfsunis (University of applied science) den Master machen und an einigen gar promovieren. Was mir nicht ganz klar ist, warum der Staat solche pseudoelitären Privatunis wie die EBS zulässt und sogar fördert. Bei einer nichtstaatlichen Finanzierung wird dem bereits grassierenden Titelschmu noch Vorschub geleistet.
sasscha 30.07.2016
3. X
Als ehemaliger Mitarbeiter kann ich nur sagen SRH = schnell raus hier
curiosus_ 30.07.2016
4. Um das geht es nicht ...
Zitat von MattKirbyNa ja, so dramatisch kann man das jetzt aber nicht sehen. Wenn man die 620 Euro nicht bezahlen will, geht man halt an eine staatliche FH, die sind eh besser und es gibt sie mittlerweile an jeder Flußbiegung. Nach Bologna kann man jetzt sogar an jeder dieser Hilfsunis (University of applied science) den Master machen und an einigen gar promovieren. Was mir nicht ganz klar ist, warum der Staat solche pseudoelitären Privatunis wie die EBS zulässt und sogar fördert. Bei einer nichtstaatlichen Finanzierung wird dem bereits grassierenden Titelschmu noch Vorschub geleistet.
... es geht darum, dass es für finanzkräftige Eltern einen 2. Weg gibt. Mit besseren Lernbedingungen, mehr Betreuung, besserer Ausstattung etc.. Und dass dort die "Oberschicht" unter sich ist. Inkl. "Networking" (ehemals Seilschaften), Etablierung einer Parallelgesellschaft etc. So etwas nennt man in den Naturwissenschaften einen positiv Rückgekoppelten Regelkreis: Diese Absolventen bekommen im Mittel bessere Jobs mit mehr Einkommen. Was es ihren Kindern ermöglicht wieder diesen Ausbildungsweg zu beschreiten, nun mit noch mehr Vermögen im Hintergrund. Was es den Privatunis ermöglicht noch mehr Studiengebühren zu verlangen, noch bessere Lernbedingungen anzubieten. Usw. usw. So etwas hat ein hohes Risiko da zu landen wo ausentwickelte Gesellschaften historisch oft gelandet sind: Z.B. das Indische Kastenwesen. Oder bei uns im Mittelalter das Ständewesen. Beides mit nahezu keiner sozialen Durchlässigkeit. Das ist das Problem, etwas platt: Wehret den Anfängen. Das so etwas z.B. in BW durchging (wo bis vor kurzem noch die SPD mit an der Regierung war) ist ein weiterer Sargnagel für die "Sozial"demokratie. Wundert mich ganz und gar nicht.
wp40548 30.07.2016
5. Ihr Korrektur am Ende des Artikels....
.... kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Das Kürzel SRH steht für Stiftung Rehabilitation Heidelberg, von daher gibt es keinen Grund sich für einen Fehler zu entschuldigen.
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