Ex libris - Wissen schaffen Schenk doch mal wieder ein Buch

Zwei Hamburger Existenzgründer zapfen neue Finanzquellen für marode Hochschulen an. Mit ihrem neuen Projekt "Ex Libris" helfen sie ab Samstag den Uni-Bibliotheken, die der Sparzwang bundesweit ausbluten lässt.

"Macht unsere Bücher billiger!", ermahnte Kurt Tucholsky seinen Verleger 1932 in einem Brief, und das gleich dreimal nacheinander. Aber hat es genützt? Hat es nie - und vor allem den deutschen Hochschulbibliotheken macht das derzeit schwer zu schaffen. In ihren Regalen klaffen inzwischen gewaltige Lücken. Die Bibliothekare stecken in der Klemme: Auf der einen Seite sinken die Etats, auf der anderen Seite explodieren die Bücher- und Zeitschriftenpreise, und obendrein schwächelt der Euro.

Bundesweit fehlen jährlich rund 50 Millionen Euro. Die Folge: Allein im Jahr 2000 konnten die Hochschulbibliotheken rund eine halbe Million notwendige Bücher nicht anschaffen und mussten unzählige Abonnements kündigen. Die Etatlage sei "verzweifelt" und gefährde die Ausbildung des gesamten akademischen Nachwuchses, mahnte kürzlich die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände.

Not macht erfinderisch: Das neue Projekt "Ex Libris - Wissen schaffen" bringt den gebeutelten Bibliotheken einen kleinen Lichtblick. Damit will die Hamburger Agentur UniConcepts private Spender animieren, "Wissen zu schenken". Am Samstag läuft die Aktion bundesweit an. Vor allem Hunderttausende von Hochschulabsolventen sollen Geld spenden - mindestens 90 Euro. "Natürlich darf es gern auch etwas mehr sein", sagt Jorg Foitzik, einer der beiden UniConcepts-Gründer.

Der Testballon in Hamburg ist bereits erfolgreich gestartet. Seit April 1999 förderten über 1700 Ehemalige und Freunde der Universität die Bibliotheken mit insgesamt 1,3 Millionen Mark, darunter Prominente wie Rudolf Augstein, Loki Schmidt oder Christian Quadflieg. Besonders großzügig zeigte sich Schriftsteller Siegfried Lenz mit einer Einzelspende von 200.000 Mark.

Willkommen in der "Galerie der Mäzene"

Mit kleinen Bonbons werden die Mäzene umschmeichelt: Ab 90 Euro wird ein Hinweis auf den Gönner in das neue Buch geklebt, ab 490 Euro winkt ein Eintrag in das "Goldene Buch" der Aktion, ab 4900 Euro eine exklusive Feier mit Aufnahme in den Kreis der Ehrenkuratoren. Zum Kuratorium zählen Prominente wie Lord Ralf Dahrendorf, Marcel Reich-Ranicki oder Lothar Späth.

Ähnlichen Erfolg wie in Hamburg verspricht sich die Agentur UniConcepts auch von der bundesweiten Aktion. Jorg Foitzik und Thomas Neukirchen graben bereits seit 1997 nach neuen Finanzquellen für klamme Hochschulen. Denn obwohl die Universitäten jede zusätzliche Mark brauchen können, zeigen sie noch Berührungsängste gegenüber gezieltem Marketing und Sponsorengeldern - das emsige Gründer-Duo keineswegs.

"Aus der Mangelerfahrung des Studiums heraus", so Thomas Neukirchen, kreierten sie öffentlichkeitswirksame Projekte. Ihren ersten Coup landete sie mit einer Aktion an der Uni Hamburg unter dem Motto "Ein Platz im Audimax": Rund 1,6 Millionen Mark wurden gesammelt, um 1.700 längst wacklige und morsche Stühle zu ersetzen. Die Namenschilder der "Stuhl-Paten" zieren jetzt einige Sitze im Hamburger Audimax.

Schon die erste UniConcepts-Spendenaktion brachte ein großes Medienecho und gedieh prächtig. Foitzik und Neukirchen setzen vor allem auf Kontakte zu den Ehemaligen. "Wir haben festgestellt, dass die Hochschulen weit mehr Freunde haben, als sie kennen", meint Jorg Foitzik. Die Bindung zu den Absolventen zu stärken, sieht er als echte Zukunftsaufgabe. Nun hoffen die beiden Existenzgründer, dass ihre Ideen sich auch an anderen Hochschulen durchsetzen.

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