Exkursionen "Der Petersdom steht nicht in Hamburg"

Olympische Spiele, Australien, Südsee - Exkursionsleiter beweisen bei der Auswahl der Reiseziele für studentische Forschergruppen häufig einen exklusiven Geschmack. Das kostet, denn in vielen Fächern gilt: kein Flugticket, kein Schein, kein Examen.
Von Angelika Göllnitz und Marcus Schmidt

Wenn am 13. August in Athen die Olympischen Spiele eröffnet werden, ist auch eine Gruppe Chemnitzer Sportstudenten vor Ort. Allerdings steht für die Nachwuchsakademiker nicht die Jagd nach Medaillen, sondern die "teilnehmende Beobachtung sozioökonomischer Aspekte der Olympischen Spiele" auf dem Programm, erklärt die Organisatorin Manuela Trillitzsch.

Wie die forschenden Chemnitzer verlassen jährlich tausende Nachwuchsakademiker ihre Lehranstalt, um Theorie in Praxis umzusetzen. In vielen Studiengängen gehören Exkursionen zum Pflichtprogramm. Besonders häufig und weit reisen Geologen, Biologen und Geographen. Ihre Studienobjekte sind über die ganze Welt verstreut. Juristen dagegen sind schon froh, wenn für sie eine Studienreise zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe herausspringt.

Doch in Zeiten knapper Kassen und drohender Studiengebühren werden Exkursionen für die Studenten immer mehr zum finanziellen Kraftakt. Nicht jeder Student kann etwa die 1100 Euro aufbringen, die die einwöchige Exkursion nach Athen kostet.

Südsee schlägt Norddeutschland

Doch es geht noch teurer. An der Universität Karlsruhe bereitet Manfred Meurer eine Exkursion nach Hawaii vor. Der Geographieprofessor rechnet für seine Studenten mit Kosten von bis zu 2000 Euro für die Studienreise in die Südsee. Die Studenten lassen sich davon aber nicht abschrecken. "Innerhalb einer Woche haben sich 85 Studenten für die 28 Plätze gemeldet", berichtet Meurer. Für eine zeitgleich offerierte Exkursion nach Nordwestdeutschland habe sich dagegen kaum ein Student erwärmen können.

Um die Kosten für die Studenten bei Reisen in exotische Gebiete einigermaßen erträglich zu gestalten, können die Organisatoren beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Zuschüsse beantragen. Die überwiegend aus Steuergeldern finanzierte Einrichtung bezuschusst Studienreisen jährlich mit rund 900.000 Euro.

Die Hürden für die Bewilligung von Beihilfen liegen allerdings hoch. So darf die Zahl der Teilnehmer nicht mehr als 15 betragen, und es darf keine Pflichtveranstaltung sein. Außerdem werden nur Reisen gefördert, die zwischen einer und zwei Wochen dauern. Pro Tag und Person werden maximal 26 Euro für Reisen innerhalb Europas, für Ziele außerhalb 42 Euro gezahlt. Mehr als 50 Prozent der Reisekosten werden sowieso nicht übernommen.

Unternehmen sponsern Australien-Trip

Eine andere Möglichkeit, das Reisebudget freundlicher zu gestalten, ist die Förderung durch Sponsoren aus der Wirtschaft. Geologieprofessor Peter Kukla von der Technischen Hochschule Aachen konnte dank seiner Industriekontakte Geldgeber für eine Australienreise finden.

Trotz Sponsoren mussten die Studenten für die Australienreise immer noch 1150 Euro aufbringen. Für einen Studenten ist das eine Menge Geld, für eine dreiwöchige Reise nach Australien ist es wenig. "Am Anfang schreien die Studenten immer, aber dann bezahlen es entweder die Eltern, oder die Studenten haben einen Nebenjob", erzählt Kukla. Und hinterher seien fast alle begeistert. "Von vielen Studenten höre ich, so eine Exkursion sei mehr wert als ein ganzes Semester im Hörsaal."

Das bestätigt auch Fachschaftsmitglied Daniel Oellers: "Ich habe noch nie gehört, dass jemand aus finanziellen Gründen nicht mitfahren konnte. Das ist ein Highlight im Studium, und bei so einer einmaligen Gelegenheit sagen die meisten Eltern 'Okay, wir zahlen das.'"

Die Kunsthistorikerin Carola Hoffmeister hat andere Erfahrungen gemacht. Am Kunsthistorischen Institut in Hamburg benötigen Hauptfachstudenten 25 Exkursionstage, davon mindestens zehn im Ausland. "Gerade für die Auslandsexkursionen, die ja Pflicht waren, gab es eine begrenzte Anzahl von Plätzen", sagt Hoffmeister. "Nach Chicago oder Spanien wollten dann mehr mit als möglich. Ich hätte mir das aber gar nicht leisten können, mit nach Amerika zu fliegen."

Ohne Reise kein Examen

Wenn Studenten das nötige Geld für die Exkursionen nicht aufbringen können oder beim Auslosen der wenigen Plätze Pech hatten, werden Exkursionsscheine mitunter wie auf dem Basar gehandelt. An manchen Fachbereichen ist es üblich, dass Professoren zum Beispiel Seminarscheine in Exkursionsscheine umschreiben, damit die Studenten sich überhaupt zur Prüfung anmelden können.

Exkursionsplätze in der Kunstgeschichte gebe es genug, meint dagegen Hermann Hipp, Professor an der Universität Hamburg. Allerdings sei es ein Skandal, dass die Universität Exkursionen so gut wie gar nicht bezuschusse: "Im Februar war ich auf einer sechstägigen Exkursion in Paris. Da habe ich für 38 Teilnehmer einen Zuschuss von 700 Euro bekommen. Das heißt, ich konnte jedem Teilnehmer nicht einmal 20 Euro in die Hand drücken." Die Studenten mussten immer noch rund 500 Euro zahlen.

Trotzdem verteidigt er die Pflicht von Auslandsexkursionen, zumindest für seinen Fachbereich: "Das meiste, was von Universitäten aus so in der Weltgeschichte herumreist, halte ich für überflüssig. Aber ein Kunsthistoriker sieht seine Werke nur dort, wo sie stehen: Der Petersdom steht nun einmal nur in Rom und nicht in Hamburg."

Nicht so weit wie viele ihrer Kommilitonen reisen die Landwirtschaftsstudenten der Uni Halle. Dafür bedienen sie ein altes Klischee über Exkursionen: Alkohol trinken ist auf ihrer Weinbauexkursion ausdrücklich erlaubt. "Kosten für Weine und Sekte entstehen nicht, die Reisekosten trägt die Universität Halle, nur Übernachtung und Verpflegung begleichen die Studenten", sagt Klaus Epperlein, der die Exkursion leitet.

Er möchte, dass die Studenten, die hauptsächlich aus den neuen Bundesländern kommen, auch Landschaften kennen lernen, die weit mehr vom Wein geprägt sind. In der Pfalz und im Elsass besichtigen die angehenden Akademiker Weinkeller, Forschungsanstalten für Weinzüchtung und kulturhistorische Stätten. "Diese Besuche sind natürlich auch mit Verkostungen verbunden".

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.