Exzellenz-Initiative Ein Herz für die Lehre

Mit Milliarden päppeln Bildungspolitiker die Forschung, nun erinnern sie sich an das Stiefkind Lehre. Nach dem Eliteuni-Wettbewerb fordert Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner eine ähnliche Initiative für die Lehre. Die dürfte allerdings erheblich kleiner ausfallen.

Für die Wissenschaft greift die Bundesregierung tief in die Tasche. Organisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft sind ihre größten finanziellen Sorgen längst los. Schon die rot-grüne Bundesregierung hatte beschlossen, mehr Geld in die Großforschung zu pumpen, die große Koalition setzt diesen Kurs fort. Die Exzellenzinitiative lässt weitere 1,9 Milliarden Euro über die Forschung regnen. Und selbst beim Hochschulpakt, der die Hochschulen eigentlich für den erwarteten Studentenansturm wappnen soll, konnten sie sich über 700 Millionen für die Forschung freuen.

Wo aber bleibt die Lehre? Professoren beantworten die Frage gern nonchalant mit dem Hinweis, dass herausragende Forschung immer auch der Lehre nütze. Daran äußern Studenten, die an lorbeerbekränzten Forschungsunis studieren, oft herbe Zweifel - ein teures neues Mikroskop oder ein schickes Dreiachsenspektrometer macht ja nicht die Seminare kleiner oder Professoren gesprächsbereiter mit dem akademischen Fußvolk. Zudem haben die Bundesländer auf dem Rücken der Studenten immer neue Sparexperimente gestartet.

Jetzt macht Jürgen Zöllner sich für eine weitere Exzellenzintiative stark, von der diesmal die Lehre profitieren soll. Zöllner, langjähriger Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz, ist erst seit einigen Wochen Berliner Bildungssenator und hat am Freitag turnusmäßig auch das Präsidentenamt der Kultusministerkonferenz (KMK) übernommen. Der SPD-Politiker kündigte an, er werde eine Länder-Initiative für gute Lehre anstoßen.

Kein Super-Lehrmeister-Casting

Zöllner gehörte auf Länderseite zu den Architekten der Exzellenzinitiative für die Forschung, über die Bund und Länder endlos stritten. Nun denkt allerdings er nicht an einen Wettbewerb à la "Deutschland sucht den besten Professor oder gar den Super-Lehrmeister", auch nicht an Milliardenunterstützung von der Bundesregierung. Nach der Föderalismusreform müssten die Länder die Initiative auch ohne den Bund hinbekommen, sagte der neue KMK-Präsident.

Ihm geht es eher um ein öffentliches Signal, eine Art Imagekampagne. Denn für die akademische Karriere zahlt sich Engagement in der Lehre bisher einfach kaum aus: Für das Prestige eines Professors zähle vor allem die Forschungsleistung, so Zöllner. Beruflicher Aufstieg müsse aber auch mit guter Lehre möglich sein.

Als Zöllner seine Arbeitsschwerpunkte als Kultusminister-Präses vorstellten, umriss er seine Vorstellungen zur Lehre nur vage. Bereits in diesem Jahr solle die Initiative starten, sagte er. Ulla Burchardt, Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, begrüßte den Plan. "Ein Exzellenz-Wettbewerb Lehre muss so angelegt sein, dass er zur Initialzündung wird für eine Qualitätsverbesserung an allen Hochschulen der Republik, sagte die SPD-Politikerin. Anders als Zöllner sprach sie sich aber für Hilfen vom Bund aus.

Offenbar denken die Kultusminister vor allem an ein Bündnis mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, wie das "Handelsblatt" berichtete. Neudeutsch heißt das "Public-Private-Partnership". Dass die Wirtschaft Milliarden zuschießt, ist allerdings nicht zu erwarten. Um einen wirkungsvollen Wettbewerb für die Lehre auszuloben, sei nur ein Bruchteil der 1,9 Milliarden für die Exzellenzinitiative nötig, sagte Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes. "In diesen Dimensionen" werde es Geld "ganz sicher nicht von der Wirtschaft" geben, so Oetker im Deutschlandfunk. Langfristig sei eine Stiftung denkbar, die Lehrprojekte fördert.

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