Miriam Olbrisch

Exzellenzuniversitäten Triumph der Wissenschaft

Bei der Exzellenzstrategie entschied häufig nicht die Wissenschaft, sondern die Politik über Gewinner und Verlierer. Diesmal hat der Wettbewerb zum ersten Mal so funktioniert, wie er eigentlich gedacht war.
Freude bei Hans Müller-Steinhagen, Rektor der Uni Dresden, die den Titel "Exzellenzuniversität" behält

Freude bei Hans Müller-Steinhagen, Rektor der Uni Dresden, die den Titel "Exzellenzuniversität" behält

Foto: Robert Michael/dpa

Die Sektgläser sind geleert, das Konfetti ist noch nicht zusammengekehrt: Mit der Vergabe der Exzellenz-Titel an elf deutsche Spitzenuniversitäten feiert die Wissenschaft sich selbst. Die Siegerehrung in Form einer ziemlich unglamourösen Pressekonferenz markiert den Endpunkt eines Wettbewerbs, der große Teile der deutschen Hochschullandschaft mehr als zwei Jahre lang beschäftigt hat.

Mit dem Titel "Exzellenzuniversität" schmücken sich die forschungsstärksten Hochschulen des Landes.

Ja, was denn sonst? Die Frage mag abwegig klingen. Aber sie ist es nicht.

Denn auch, wenn die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Wissenschaftsrat (WR) und sogar Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) fortwährend predigen, dass allein wissenschaftliche Kriterien über den Erfolg entscheiden - so ganz stimmte das in der Vergangenheit meistens nicht.

Der letzte große Einschnitt liegt gerade einmal ein Dreivierteljahr zurück. Im Herbst 2018 hatte ebenfalls Anja Karliczek, ebenfalls auf einer Pressekonferenz im Bonner Wissenschaftszentrum, die Sieger der ersten Linie der Exzellenzstrategie verkündet: exzellente Forschungsprojekte, Cluster genannt, gefördert mit insgesamt 385 Millionen pro Jahr.

Rund 45 Cluster sollten ursprünglich prämiert werden, ausgewählt nach wissenschaftlicher Begutachtung zentimeterdicker Förderanträge. Doch Karliczeks Liste zählte überraschenderweise 57 Projekte. Mehr Geld gab es allerdings nicht - was dazu führte, dass viele siegreiche Cluster mit finanziellen Einbußen zurechtkommen müssen. Die Ministerin selbst soll sich für die Ausweitung des Programms stark gemacht haben, um vor allem den CDU-geführten Bundesländern weitere Vorzeigeprojekte zu bescheren. So berichteten es verschiedene Medien im Nachgang.

Eine Entscheidung, die man mit viel gutem Willen als "gut gemeint" betrachten konnte. Für diejenigen, die nun zusehen müssen, wie sie ihre Spitzenforschung auch mit weniger Geld verwirklichen, war es dagegen ein Proporz-Desaster.

Diesmal, bei der zweiten Förderlinie, hat nun endlich geklappt, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Internationale Wissenschaftler, hochkarätige Experten auf ihrem Gebiet, urteilten darüber, welche Universitäten die vielversprechendsten Konzepte eingereicht hatten. Die Politik nickte lediglich ab, was die Fachleute ausgeklügelt hatten.

Funktioniert hat das aufgrund eines cleveren Schachzugs der 39 Wissenschaftler, die dem Exzellenz-Expertengremium angehören, wie der Journalist Jan-Martin Wiarda auf seinem Blog  berichtet.

Diese 39 haben sich durch die Konzepte gekämpft und diese auf ihr Potenzial hin abgeklopft, sie haben die Hochschulen besucht und mit den Bewerbern diskutiert. In der Vergangenheit trafen sie damit eine Vorauswahl, eine Art Korridor: Auf jeden Fall drin, auf jeden Fall draußen und jede Menge dazwischen. Politiker aus Bund und Ländern entschieden in der Regel über die unklaren Fälle. Verhandlungsgeschick und Proporz waren hier oft wichtiger als wissenschaftliche Brillanz.

Diesmal, berichtet Wiarda, habe es keinen Korridor gegeben, sondern ein klares Votum der Experten - und somit kaum Spielraum für Machtpoker. Die Wissenschaftler haben, so scheint es, ihre Lehren aus dem Cluster-Chaos gezogen. Sie haben die Entscheidung über die wissenschaftliche Zukunft des Landes in ihre Hände genommen. Dieses selbstbewusste und kämpferische Handeln verdient Anerkennung - und lässt hoffen, dass möglichst viele Forscherinnen und Forscher sich zukünftig daran ein Beispiel nehmen.

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