Reaktionen auf Exzellenzinitiative "Eine immer starrere Elite"

Eine halbe Milliarde Euro soll in den kommenden zehn Jahren an deutsche Spitzenforscher fließen. Dabei mangelt es vielen Unis woanders: Es fehlen sichere Stellen und Geld für die Lehre.
Universität Heidelberg: Beispiel für eine Elite-Hochschule

Universität Heidelberg: Beispiel für eine Elite-Hochschule

Foto: Universität Heidelberg

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) ließ sich die Summe auf der Zunge zergehen: "Eine halbe Milliarde hinzulegen ist nicht ohne." So begann sie ihre Präsentation der Pläne für die neue Runde der Exzellenzinitiative und sprach von einem Grund zur Freude für die deutschen Universitäten.

Was sie dann als Plan verkündete, entsprach in etwa dem, was vorher erwartet worden war . In der am Freitag vereinbarten dritte Runde des Bund-Länder-Programms für Spitzenforschung werden binnen zehn Jahren 533 Millionen Euro jährlich ausgeben. Und zwar, um einerseits bis zu 50 Exzellenzcluster deutscher Hochschulen zu fördern - also Forschungsschwerpunkte, die interdisziplinär und zum Teil auch hochschulübergreifend bearbeitet werden -, und um andererseits acht bis elf Elitehochschulen zusätzlich mit Geld zu versorgen.

Doch Wankas Freude teilen längst nicht alle. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, sieht Spitzenforschung durch das Programm zwar "weiter gestärkt". Allerdings sieht er große Unis gegenüber kleinen im Vorteil, was "der Vielfalt der deutschen Universitäten nicht gerecht" wird. Ziel seiner Kritik: Um sich überhaupt als Eliteuniversität bewerben zu können, muss eine Institution bereits die Förderung von zwei Exzellenzclustern gewonnen haben.

Vertreter von Studierenden halten den Ansatz der Exzellenzinitiative ohnehin für einseitig. So fordert die Konferenz der Sächsischen Studierendenschaften (KSS), das Geld lieber in eine bessere Finanzausstattung aller Hochschulen zu stecken und neben der Forschung auch die Lehre zu stärken.

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Elite-Unis: Das sind die deutschen Exzellenzen

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Ganz ähnlich argumentiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW): "Die Politik hat sich entschieden, für Spitzenforschung weiterhin große Projektgelder in das System zu pumpen, obwohl wir eigentlich eine bessere Grundfinanzierung bräuchten", sagt der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller. Der Vorteil des deutschen Hochschulsystems "war ja immer, dass wir bestimmte Qualitätsstandards hatten, die überall galten, ob in Aachen oder in Passau. Nun haben wir eine künstliche Differenzierung. Es geht darum, ein Zweiklassensystem zu etablieren."

Geld für den Nachwuchs

Dieser Trend könnte sich mit der neuen Runde der Exzellenzinititative noch verstärken, fürchten die Kritiker. Denn der Bund will nun in die langfristige Förderung von Eliteuniversitäten einsteigen. Zwar sollen deren Leistungen in einem Sieben-Jahres-Turnus evaluiert werden, sie müssen sich aber nicht immer wieder neu um ihren Elitestatus bewerben. Max Meisenheimer vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen hält das für den "größten Fehler" des Konzepts: "In der Folge bildet sich eine immer starrere Elite heraus. Wie davon das gesamte Hochschulwesen profitieren soll, ist fraglich."

Ein Problem deutscher Hochschulen wird in dem Plan weitgehend ausgeblendet: wie nämlich die prekäre Beschäftigungssituation vieler Hochschulmitarbeiter zur gewünschten Exzellenz ihrer Arbeit passen soll. Deshalb hatte die GEW schon im Vorfeld gefordert, das schon länger geplante Bund-Länder-Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs aufzustocken.

Ministerin Wanka wies Einwände zurück, durch die Förderung bestimmter Spitzenuniversitäten blieben die anderen Hochschulen auf der Strecke. Der Bund übernehme die Kosten für das Bafög komplett, dadurch würden bei den Ländern Mittel zur Förderung von Hochschulen frei. Zudem habe die Exzellenzinitiative "mit bescheidenen Mitteln enorme Effekte erzielt".

mamk/dpa/afp
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