Auszeichnung für deutsche Elite-Unis Die exzellenten Elf

Die neuen Exzellenzuniversitäten stehen fest. Einige Hochschulen galten als gesetzt, aber bei den Entscheidungen über die Forscherelite gab es auch einige Überraschungen.

Mitarbeiter in Bonn jubeln - ihre Hochschule zählt jetzt zu den deutschen Eliteuniversitäten
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Mitarbeiter in Bonn jubeln - ihre Hochschule zählt jetzt zu den deutschen Eliteuniversitäten

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Michael Müller war schon in der Mittagspause gut gelaunt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin war in seiner Funktion als Wissenschaftssenator nach Bonn gekommen, um an der entscheidenden Sitzung zum Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern teilzunehmen.

Und Müller dürfte zu dem Zeitpunkt bereits gewusst haben, dass die Berliner Universitäten mit ihrem gemeinsamen Antrag erfolgreich abschneiden würden. Entspannt saß er in der Sonne vor dem Bonner Wissenschaftszentrum, blätterte in der Tageszeitung, plauderte mit Journalisten. Von Nervosität keine Spur.

Auch die Hamburger waren sich ihrer Sache sicher. Schon Tage vor der Exzellenzentscheidung lud die Universität zum Public Viewing ins Café im Verwaltungsgebäude der Hochschule, inklusive Leinwand, Kaffee und Schokotörtchen. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wolle ein paar Worte sagen, ebenso Dieter Lenzen, seit 2010 Präsident der Universität, hieß es im Anschreiben.

"Wie gut die Chancen tatsächlich stehen, ist nicht vorhersehbar", lautete zwar die bescheidene Formulierung. Klar ist aber auch: Wer eine Niederlage erwartet, wünscht keine Zuschauer.

Die Hamburger hatten allen Anlass für Optimismus: Vier eigene Exzellenzcluster hatte die Universität in der dritten Runde des Elitewettbewerbs eingeworben. Der Erfolg überraschte im vergangenen Herbst sogar die eigene Hochschulleitung.

Am Freitag wurden die Hamburger nicht enttäuscht. "Die Behauptung, diese Universität sei bestenfalls mittelmäßig, möchte in dieser Stadt wirklich niemand mehr hören", ruft Präsident Lenzen in den prallgefüllten Raum. Der NDR überträgt. Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum darf sich die Hamburger Hochschule künftig wieder Exzellenzuniversität nennen. Konfettikanonen schießen Glitzerschnipsel in die Luft, Wissenschaftler liegen sich in den Armen, Sektgläser klingen. Stadtoberhaupt Tschentscher darf dann tatsächlich seine Ansprache halten und zu einer "ganz großartigen Leistung" gratulieren. "Sie krönen all diejenigen, die in dieser Stadt ein Herz für die Wissenschaft haben."

Übersicht: Die deutschen Eliteuniversitäten

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Spitzenforschung: Das sind die elf deutschen Exzellenz-Unis

Der Stolz Lenzens ist gerechtfertigt und verständlich - und gleichzeitig auch ein wenig verwunderlich. Denn 2012, als die Eliteuniversitäten der vorherigen Runde gekürt wurden und seine Hochschule leer ausging, hatte er den Wettbewerb noch scharf kritisiert. "Wir brauchen ein Wettbewerbsmoratorium. In den nächsten zehn Jahren darf es solche Großwettbewerbe nicht geben, weil die Universitäten sich nicht selten entweder fast "zu Tode gesiegt" oder an den Rand der Erschöpfung "geantragt" haben", schrieb Lenzen etwa in einem Gastbeitrag auf SPIEGEL ONLINE.

Der Exzellenzwettbewerb
Was ist der Exzellenzwettbewerb der Universitäten?
2007 ging der Wettbewerb um Fördergeld für Spitzenforschung zum ersten Mal an den Start, 2012 gab es eine zweite Förderrunde. Ziel war es, mit der so genannten "Exzellenzinitiative" besonders gute Forschungs- und Zukunftskonzepte von Hochschulen so zu fördern, dass die Unis damit im Idealfall zur Weltspitze aufschließen können. In der dritten Wettbewerbsrunde 2019 wurde der Titel in "Exzellenzstrategie" geändert.
Wie funktioniert der Wettbewerb?
Im Exzellenzstrategie-Wettbewerb werden zwei Förderlinien unterstützt: einerseits Forschungsgruppen ("Exzellenzcluster"), von denen im September 2018 bundesweit 57 ausgewählt wurden, andererseits Exzellenzuniversitäten. Davon soll es, so die Verabredung, höchstens elf Stück geben. Exzellenzuni kann nur werden, wer zuvor mit mindestens zwei Cluster-Konzepten erfolgreich war. Ausschlaggebend seien wissenschaftliche Kriterien, keine politischen Erwägungen, betonen die Verantwortlichen.
Um wieviel Geld geht es?
Für die Exzellenzcluster fließen jedes Jahr insgesamt 385 Millionen Euro, für die Exzellenzunis jährlich 148 Millionen - insgesamt also 533 Millionen Euro in jedem Jahr. Nach sieben Jahren wird der Exzellenzstatus überprüft.
Wer finanziert das Ganze?
Das Geld wird gemeinsam vom Bund und den Ländern aufgebracht. 75 Prozent der Mittel stammen vom Bund, 25 Prozent vom jeweiligen Sitzland der geförderten Einrichtung.

Ähnliche Kritik wird mutmaßlich demnächst auch in Köln zu hören sein. Die dortige Uni hatte den Elitetitel 2012 errungen, konnte ihn jetzt aber nicht mehr verteidigen. Totenstill war es am Freitagnachmittag, als beim Public Viewing das Ergebnis der Entscheidungsrunde aus Bonn übertragen wurde. Rektor Axel Freimuth war sichtlich deprimiert als er all denen dankte, die zum Teil über Jahre mit enormem Engagement an den Anträgen gearbeitet hatten: "Umso bedauerlicher ist es, dass wir dafür nicht belohnt wurden."

Ein paar Kilometer rheinaufwärts blickten die Bonner Univertreter dagegen schon im Vorfeld ziemlich angstfrei auf die anstehende Siegerehrung. Bonn ging mit sechs erfolgreichen Clusteranträgen ins Rennen - und räumte den Elitetitel souverän ab. Entsprechend groß war der Jubel bei der Videoübertragung.

19 Bewerber hatte es zuletzt noch für den Elitestatuts gegeben, 17 Einzeluniversitäten und zwei Zusammenschlüsse aus mehreren Unis (Berlin und Hannover). Elf Hochschulen wurden schließlich ausgezeichnet: Aachen, Berlin, Bonn, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz , München (LMU und TU) und Tübingen.

Bund und Länder stellen für die Exzellenzstrategie jährlich rund 533 Millionen Euro bereit, 148 Millionen davon für die Exzellenzuniversitäten. 75 Prozent der Mittel stammen vom Bund, 25 Prozent vom jeweiligen Bundesland der Exzellenzuniversität.

"Alle beteiligten Universitäten, auch die, die jetzt nicht gewonnen haben, haben exzellente Forschungskonzepte vorgelegt", sagte Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei der Bekanntgabe. "Nicht alle können dabei sein, das ist bei einem Wettbewerb so", ergänzte Eva Quante-Brandt, Wissenschaftsenatorin in Bremen, für die Länderseite. Trotzdem seien die internationalen Gutachter, die die Unis im Vorfeld begutachtet hatten, beeindruckt gewesen "von der ausgezeichneten Qualität aller Bewerbungen". Es sei eben darum gegangen, unter den Besten die Allerbesten herauszufinden.

Was sich bei der mittlerweile dritten Wettbewerbsrunde erneut zeigte: wie stark der Südwesten in der Forschung ist. Vier der elf Exzellenzunis kommen aus Baden-Württemberg, zwei weitere Kandidaten - Stuttgart und Freiburg - scheiterten knapp. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer strahlte dementsprechend, als sie ihre Glückwünsche nach Heidelberg, Tübingen, Konstanz und Karlsruhe übermittelte.

Insbesondere am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mischte sich auch ein wenig Genugtuung in die Freude über den Titel: Schließlich hatte das KIT den Elitestatus in der ersten Wettbewerbsrunde zunächst erringen können, ihn 2012 dann aber wieder verloren. Dass die Karlsruher jetzt wieder ganz oben mit dabei sind, ist für die Wissenschaftsminister in Bund und Ländern der beste Beweis dafür, dass ihr Konzept des Wettbewerbs um millionenschwere Forschungsförderung aufgeht: Auch aus Niederlagen könnten Unis Kraft und Ermutigung ziehen, betonte Anja Karliczek.

insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
kumi-ori 19.07.2019
1.
Die Förderbeträge sind lächerlich gering. In den Biowissenschaften ist schon ein kleines Projekt für eine Drei-Mann/Frau-Arbeitsgruppe nicht unter 5 Millionen Sach-Etat zu machen. Exzellenz oder nicht, die Musik spielt bei den Drittmittelgebern.
Domainator 19.07.2019
2. Die Landflucht...
...von Ost nach West wird weiter gehen. Mich würde mal interessieren, welche Kriterien dafür sorgen, dass so wenig Unis der neuen Bundesländer vertreten sind. Mag sein, dass diese Unis schwächer sind. Wäre es dann nicht klüger, ein Auge darauf zu haben und diese Unis zu stärken, damit sie im internationalen Vergleich bestehen können?
mafreschi 19.07.2019
3. Jupp, die Exzellenz 148 Mio pro Jahr sind...
weniger als ein Prozent der Gelder, die insgesamt in die Hochschulen fliessen. Die werden ja hauptsächlich von den Ländern finanziert. Die Exzellenzstrategiemillionen sind Extra-Gelder, mit der forschungsstarke Unis (seien sie groß oder klein) Extra-Dinge wagen können. Das ist doch gut. However, Toiletten müssen die Länder sanieren. Sparrunden vergangener Perioden auch. Und Drittmittelprojekte können die Wisse schaftöer weiterhin überdie DFG und das BMBF einwerben.
Tomcat2 19.07.2019
4. @kumi-ori: Forschung und Lehre
Es ist ihnen vielleicht entgangen, dass die Universitäten sowohl Forschung als auch Lehre durchführen. Große Forschungsprojekte sind meistens an Max-Planck-Instituten o.ä. angesiedelt. In meinem Feld ist eine aus Drittmitteln eingeworbene drei Mann/Frau Arbeitsgruppe für Uni-Verhältnisse bereits eher groß, aber in den Biowissenschaften scheint ja das Geld nur so zu fließen. Das kann man natürlich kritisch betrachten. Es geht aber vor allem auch darum, neue Stellen zu schaffen, um die Lehre zu verbessern. Und da können die Max-Planck-Institute sicherlich nur müde lächeln, aber auch die brauchen irgendwie Leute, die in der Lage sind, die tolle Forschung dann auch durchzuführen.
dragondeal 19.07.2019
5. @#1
Es ist eine Förderung, kein "Wir erfüllen alle Wünsche" - Preis.
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