Der SPIEGEL

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11. Dezember 2014, 11:38 Uhr

Fake-Bilder auf Facebook

Urlaubslüge nach Thailand

Auf Facebook reiste sie durch Asien, in Wahrheit saß Zilla van den Born nur in ihrem Zimmer in Holland. Mit gefälschten Fotos täuschte die Kunststudentin sogar ihre eigene Familie. Im Interview erzählt sie von ihrer wochenlangen digitalen Lüge.

Fünf Wochen lang glaubten Freunde und Familienmitglieder, dass Zilla van den Born, 25, durch Laos, Kambodscha und Thailand reist. Dabei waren alle Urlaubsbilder, die sie auf Facebook postete, ein digitaler Schwindel - die Studentin hatte zum Beispiel Bilder von sich vor exotische Hintergründe montiert. Das "Fakebooking" war Teil ihrer Bachelorarbeit im Fach Grafikdesign an der Kunsthochschule Utrecht.

UniSPIEGEL: Wie reagierte Ihr Umfeld, als es von dem Betrug erfuhr?

Van den Born: Meine Mutter hat eine Woche lang nicht mit mir geredet. Auch meine Großmutter war wütend. Ihr Ausspruch "Mein Gott, Zilla" ist zum Titel meiner Bachelorarbeit geworden.

UniSPIEGEL: Warum haben Sie das denn überhaupt gemacht?

Van den Born: Ich wollte zeigen, dass die ideale Welt, die wir uns im Internet erschaffen, nicht existiert. Wir wissen, dass Fotos von Models mit Photoshop bearbeitet werden, aber wir sind uns nicht bewusst, dass alles, was wir täglich im Internet hochladen, ja auch irgendwie manipuliert ist.

UniSPIEGEL: Inwiefern?

Van den Born: Warum fotografiert niemand den Regen während des Urlaubs, das schmutzige Hotelzimmer oder die lange Warteschlange? Durch die Auswahl der Bilder wird eine geschönte Realität vorgegaukelt - ich habe das durch meine Arbeit auf die Spitze getrieben.

UniSPIEGEL: Sie haben sehr viel Aufwand betrieben, um Ihr Umfeld zu täuschen.

Van den Born: Ich habe zum Beispiel meine Wohnung mehrmals im asiatischen Stil umdekoriert, um nachts mit meiner Familie zu skypen - der Zeitumstellung wegen. Ich habe Souvenirs verschickt, asiatisches Essen gekocht und war für einen dunkleren Teint im Solarium. Ich habe zur Tarnung sogar ein zweites Bachelorarbeits-Thema vorbereitet, weil meine Dozenten zunächst nicht Bescheid wissen sollten.

UniSPIEGEL: Haben Sie Ihre Wohnung überhaupt verlassen?

Van den Born: Nur, wenn es unbedingt nötig war. Einmal war ich im Freibad, um ein Schnorchelbild zu machen, das ich dann in eine exotische Unterwasserwelt kopiert habe. Außerdem habe ich mal einen buddhistischen Tempel in der Nähe von Amsterdam besucht, um mich dort mit einem Mönch fotografieren zu lassen.

UniSPIEGEL: Lügen kann also anstrengend sein. Hat es denn auch Spaß gemacht?

Van den Born: Es war wirklich eine ziemlich große Belastung, mein ganzes Umfeld anzulügen. Ich musste mir an meinem Schreibtisch immer wieder neue Anekdoten ausdenken, was ich angeblich Spannendes unternommen hatte. Dabei saß ich total gestresst zu Hause an meiner Bachelorarbeit. Der Einzige, der Bescheid wusste, war mein Freund.

UniSPIEGEL: Hat das Projekt Sie verändert?

Van den Born: Absolut. Ich habe irgendwie die Lust an Facebook und am Posten verloren. Wenn ich jetzt auf eine Party gehe, mache ich nicht mehr Hunderte Fotos, um sie hochzuladen und jedem zu zeigen: Seht her, welchen Spaß ich habe. Ich denke nicht mehr: Was mache ich, damit die Fotos besonders gut wirken? Sondern ich genieße das Leben. Nach meinem Abschluss habe ich die vorgetäuschte Reise übrigens wirklich unternommen. Das war sehr spannend, und mir ist noch mal eines ganz klar geworden: Fotos können die Gerüche, die Atmosphäre, das eigene Erleben nie ersetzen - und das ewige Geknipse vermiest einem auch manchmal das Reisen.

UniSPIEGEL: Haben Sie Fotos von Ihrer richtigen Reise gepostet?

Van den Born: Nein, ich war die meiste Zeit offline - und habe kein einziges Foto bei Facebook hochgeladen. Es hat lange gedauert, bis mir Familie und Freunde geglaubt haben, dass ich dieses Mal wirklich in Asien war.

Das Interview führte Rebecca Erken.


Wer sich genauer informieren will, wie Van den Born manipulierte, kann das auf ihrer Internetseite tun: zillavandenborn.nl

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