Drittmittel Facebook sponsert TU München mit 6,5 Millionen Euro

Die TU München bekommt mehrere Millionen Euro von Facebook für ein neues Institut. Wird das Unternehmen auch Einfluss auf die Forschung an der Hochschule nehmen?
Hauptgebäude der TU München (Archiv)

Hauptgebäude der TU München (Archiv)

Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / dpa

Die Technische Universität München (TUM) forscht schon seit Langem zur künstlichen Intelligenz, dazu wie sie angewendet werden kann, aber auch, welche sozialen Auswirkungen sie hat. Nun bekommt diese Forschung einen enormen finanziellen Schub aus dem Silicon Valley.

Facebook unterstützt das neue Institute for Ethics in Artificial Intelligence mit 6,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre. Pressesprecher der TUM, Ulrich Marsch, sagte dem SPIEGEL, Facebook habe sich an die TU gewandt und Wissenschaftler gefragt, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnten. "Dann haben die Vertragsverhandlungen begonnen, im Februar soll es losgehen."

Erst im vergangenen Jahr hatte die TUM bekannt gegeben, dass die Stiftung von Lidl- und Kaufland-Gründer Dieter Schwarz ihr 20 Stiftungsprofessuren auf Lebenszeit spendiert. Bei jedem externen Geldgeber weist die TUM zurück, dass dieser die Forschung und Lehre beeinflussen könnte.

"Nur ohne Einwirkung"

Auch bei der Facebook-Spende sagte TU-Sprecher Marsch: "Wir machen solche Sachen hier nur ohne Einwirkung." Das Unternehmen aus Kalifornien werde somit keinerlei Einfluss auf Forschungsprojekte oder Wissenschaftler nehmen.

Immer wieder werden Hochschulen von Wirtschaftsunternehmen und Stiftungen finanziert. Nicht immer wird dabei allerdings die Autonomie der Forschung beachtet. So hatte sich die Boehringer Ingelheim Stiftung vor einigen Jahren umfangreiche Mitspracherechte, vor allem bei der Berufung von Professoren an der Uni Mainz, gesichert.

Die Berliner Humboldt-Universität und die TU Berlin ließen sich im Jahr 2006 von der Deutschen Bank zwei Professuren spendieren. Später kam heraus, dass der Bank bei Lehre, Forschung und Personal viel Mitspracherecht gegeben worden war. Als das fünf Jahre später aufflog, wurde die Kooperation beendet.

Gut fürs Image

Christian Kreiß, BWL-Professor aus Aalen, kritisiert schon lange, dass Unternehmen mehr und mehr Einfluss auf die Forschung nähmen. Im aktuellen Fall poliere Facebook mit der Spende an die TU München mindestens sein Image auf, warnte er.

Beobachter könnten laut Kreiß denken: "TU München ist seriös, dann muss ja auch Facebook irgendwie seriös sein, also alles mit dem Datenmissbrauch nicht so schlimm, sonst würden die sich ja gar nicht trauen, ein Ethikinstitut zu installieren, sonst käme das ja ans Tageslicht. Gut fürs Facebook-Geschäft."

Hochschulsprecher Marsch sagte, die TUM müsse Facebook keinerlei Forschungsergebnisse vorab vorlegen. "Doch was wir erforschen, werden wir natürlich veröffentlichen." Facebook erhofft sich dadurch womöglich interessante Erkenntnisse für das eigene Unternehmen, was ethische Fragen im Bereich künstliche Intelligenz betrifft.

Marsch räumte allerdings ein, es sei auch denkbar, dass die TU München zusammen mit Facebook - aber auch mit anderen Unternehmen wie Kuka, Siemens oder Bosch - gemeinsame Konferenzen oder Workshops veranstalte oder Working Papers veröffentliche. Wie genau dabei die Zusammenarbeit aussehe, sei noch offen.

Neue Lehrstühle oder Professorenstellen seien zunächst nicht geplant. Das Institut werde erst einmal mit den Professorinnen und Professoren arbeiten, die bereits an der TUM seien, sagte Marsch. Dann werde man schauen, wen man noch einstellen könne.