Prototyp des deutschen Fachhochschulpräsidenten Männlich, 57 Jahre, aus Westdeutschland

Nur jede fünfte Fachhochschule wird von einer Frau geleitet, Migranten sind so gut wie gar nicht vertreten. Vielfalt an der FH-Spitze ist in Deutschland Mangelware - außer beim beruflichen Werdegang.

Prototyp an der Spitze der Fachhochschulen: Vielfalt? Fehlanzeige! (Symbolbild)
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Prototyp an der Spitze der Fachhochschulen: Vielfalt? Fehlanzeige! (Symbolbild)


Die typische Leitung einer staatlichen Fachhochschule ist männlich, 57 Jahre alt, seit sieben Jahren im Amt und in Westdeutschland geboren. Das zeigt eine Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Ausgewertet wurden die Lebensläufe von 101 amtierenden Präsidentinnen und -Rektoren von Fachhochschulen beziehungsweise Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW).

Frauen sind in der Leitung noch immer unterrepräsentiert: Nur jeder fünften Fachhochschule steht eine Präsidentin vor. Ostdeutsche und Migranten sind noch stärker in der Minderheit: Nicht einmal jede zehnte Hochschulleitung wurde in Ostdeutschland geboren, nur zwei der Leiterinnen kommen aus dem Ausland.

Auch Tischler oder Gärtner in Führungspositionen

Mehr Vielfalt gibt es hingegen bei der Berufsbiografie. Ein hoher Praxisbezug sei bei der Ausbildung der FH-Führungskräfte typisch, sagt Studienleiterin Isabel Roessler. "Jede achte HAW-Leitung hat vor dem Studium eine Ausbildung absolviert. Anders als bei den Universitätsleitungen findet man unter den FH-Führungskräften auch gelernte Tischler oder Gärtner."

Anfang des Jahres hatte das CHE bereits den Prototyp des deutschen Unipräsidenten vorgestellt. Die Leitungen an den Universitäten waren in puncto Geschlechtergerechtigkeit minimal besser aufgestellt: Den untersuchten Unis standen zu 25 Prozent Frauen vor.

Die Ungleichheit beginnt jedoch schon bei den Professuren - sowohl an Fachhochschulen als auch an den Universitäten. Das hat kürzlich eine Umfrage des Bildungsanbieters WBS gezeigt. An den 44 größten Hochschulen in Deutschland ist demnach nur jeder vierte Lehrstuhl von einer Professorin besetzt.

sun



insgesamt 4 Beiträge
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gumbofroehn 05.11.2019
1. Das sagt jetzt nicht so viel aus ...
... schließlich sind heute in aller Regel diejenigen Kollegen Präsident oder Rektor, die vor 15 bis 30 Jahren erstberufen worden sind. Damals lag der Anteil der Frauen an den Erstberufenen an den Fachhochschulen sicher nicht nennenswert über 20 %. Insofern ist jede fünfte FH mit Präsidentin / Rektorin der Wert, der zu erwarten wäre. Im Übrigen sollte man sich dieses Amt nicht so toll vorstellen: Unser Rektor sieht immer ziemlich überarbeitet aus, so würde ich (ehrlich gesagt) nicht leben wollen.
großwolke 06.11.2019
2. Nutzen der Untersuchung?
Auf die "Diversität" bei Professuren und leitenden Hochschulpositionen zu schauen ist ein sehr oberflächlicher Ansatz. Was zeigt man mit so einer Untersuchung? Wer ein Fachhochschulstudium anfängt, dessen Fokus liegt in der Regel nicht auf der akademischen Forschung und in dessen beruflichen Perspektiven ist eine Position als Professor oder gar Hochschulleiter weit entfernt von dem, was in puncto Gehalt erreichbar wäre. Genaugenommen ist ein Werdegang, der mit einer Fachhochschulleitung endet, eine extreme Aneinanderreihung von Zufällen: man muss promovieren, was als FH-Absolvent eher die Ausnahme ist als die Regel, dann den Verlockungen der Industrie widerstehen und in die Forschung gehen, dann aber trotzdem irgendwie eine Vorliebe dafür entwickeln, eine relativ langweilige Organisation zu verwalten, anstatt als Professor die Freiheit zu nutzen, den lieben langen Tag an den Dingen zu arbeiten, die man interessant findet. Nicht wenige Professoren würden das vermutlich eher als Strafe empfinden denn als Karriereschritt. Vor diesem Hintergrund finde ich nicht, dass hier eine sinnvolle Erkenntnis gewonnen wurde.
NuclearSavety 06.11.2019
3. Gleichberechtigung????
Also nach https://www.datenportal.bmbf.de/portal/de/K254.html waren vor >20 Jahren, d.h. zu der Zeit wo die heutigen Unipräsidenten studierten der Anteil Männer an der Studentenschaft an FHs bei ~76%. Warum sollte dann der Anteil Männer an den heutigen Präsidentenpositionen wesentliuch anders aussehen?
gumbofroehn 06.11.2019
4.
Zitat von großwolkeAuf die "Diversität" bei Professuren und leitenden Hochschulpositionen zu schauen ist ein sehr oberflächlicher Ansatz. Was zeigt man mit so einer Untersuchung? Wer ein Fachhochschulstudium anfängt, dessen Fokus liegt in der Regel nicht auf der akademischen Forschung und in dessen beruflichen Perspektiven ist eine Position als Professor oder gar Hochschulleiter weit entfernt von dem, was in puncto Gehalt erreichbar wäre. Genaugenommen ist ein Werdegang, der mit einer Fachhochschulleitung endet, eine extreme Aneinanderreihung von Zufällen: man muss promovieren, was als FH-Absolvent eher die Ausnahme ist als die Regel, dann den Verlockungen der Industrie widerstehen und in die Forschung gehen, dann aber trotzdem irgendwie eine Vorliebe dafür entwickeln, eine relativ langweilige Organisation zu verwalten, anstatt als Professor die Freiheit zu nutzen, den lieben langen Tag an den Dingen zu arbeiten, die man interessant findet. Nicht wenige Professoren würden das vermutlich eher als Strafe empfinden denn als Karriereschritt. Vor diesem Hintergrund finde ich nicht, dass hier eine sinnvolle Erkenntnis gewonnen wurde.
Hierzu Folgendes: Die allermeisten Kolleginnen und Kollegen an FHs (bzw. HAWs wie sie in den meisten Bundesländern inzwischen genannt werden) haben ihr eigenes grundständiges Studium (i.d.R. noch Diplom) an einer Universität absolviert. Kolleginnen und Kollegen, die selber mal an einer FH ausgebildet worden sind, sind nach wie vor eher die Ausnahme (mir fallen aus meinem eigenen Arbeitsumfeld nur drei Beispiele ein). FHs / HAWs sind keine so langweiligen Organisationen, wie Sie vielleicht denken mögen. Die Transformationsprozesse, die durch die Bologna-Reform und die W-Besoldung angestoßen worden sind, haben die FHs / HAWs weit umfassender als die Universitäten verändert. Besonders herauszuheben ist die formale Gleichstellung der Bachelor- und Mastergrade mit den Universitäten, die gewachsene Forschungsorientierung und der steigende Anteil am Studierendenaufkommen. Wenn jemand einen Sinn für strategische Organisationsentwicklung hat, ist ein Präsidenten-/Rektorenamt an einer FH / HAW sicher nicht unspannend. Wie Sie allerdings richtig andeuten, sind Leitungsämter (und das geht schon bei der Leitung von Studiengängen los) für die meisten Kolleginnen und Kollegen (mich eingeschlossen) eher unattraktiv, weil wir primär fachlich brennen und dafür auch unseren Beruf gewählt haben.
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