Fakultät zum Verkauf bei eBay Für eine Hand voll Euro

Die Jurafakultät in Dresden ist von der Schließung bedroht. Witzbolde haben eine öffentlichkeitswirksame Aktion im Internet gestartet und meldeten sie bei eBay zum Verkauf an. Höchstgebot nach zwei Tagen: immerhin 10 Millionen Euro.

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In diesen Krisenzeiten wissen Großverdiener nicht mehr so recht, wo sie ihr Geld parken sollen. Aktienfonds? Seit Jahren reine Verlustbringer. Waren-Termingeschäfte in Südostasien? In Sars-Zeiten schlicht ruinös. Argentinische Staatsanleihen? Reden wir nicht drüber!

eBay-Seite: Jurafakultät im Angebot

eBay-Seite: Jurafakultät im Angebot

Schön, dass sich nun in Dresden ein attraktive Gelegenheit zur Geldanlage bietet - ganz konservativ, im Immobiliensektor. Ein weißer Nachwendebau im Uni-Viertel steht zum Verkauf. Es ist die Juristische Fakultät der TU Dresden. Unter der Angebotsnummer "2529797203" ist jetzt bei eBay zu haben - oder besser: war. Denn am Dienstagvormittag hat das Internet-Auktionshaus das Angebot flugs aus dem Netz entfernt.

Um gegen die drohende Schließung der Fakultät zu protestieren, hatten unbekannte Scherzbolde die Auktion gestartet. Laut Artikelbeschreibung könnten mit dem Gebäude ("prächtiges Bauwerk mit wundervoll begrüntem Innenhof") auch "1800 Studenten, 70 Professoren und Mitarbeiter sowie unsere gut ausgerüsteten Fachbibliothek" den Besitzer wechseln - wenn die Kasse stimmt.

Jura-Dekan Ulrich Fastenrath kann sich im Gespräch mit UniSPIEGEL ONLINE das Lachen kaum verkneifen, wird dann aber schnell ernst: "Die Aktion weckt Aufmerksamkeit, kann unsere Probleme aber nicht lösen."

Hups, gleich 76 Gebote

Fastenrath und seine Kollegen sind nicht zu beneiden. Seit Monaten arbeitet die Sächsische Staatsregierung daran, die Dresdner Fakultät dicht zu machen. Weil der Freistaat knapp bei Kasse ist, sollen Juristen künftig nur noch in Leipzig ausgebildet werden. Auch die Idee von einem Jurastudium an der neuen Privatuniversität DIU in Dresden hat sich inzwischen zerschlagen.

Das Original: "Prächtiges Bauwerk mit wundervoll begrüntem Innenhof"
Christoph Seidler

Das Original: "Prächtiges Bauwerk mit wundervoll begrüntem Innenhof"

Doch das Aus wollen die Dresdner Juristen nicht einfach hinnehmen und ließen sich einiges einfallen: Plakatkampagnen, Postkartenaktionen, Demonstrationen durch die Stadt. Auf Unterschriftenlisten haben sich schon mehr als 14.000 Unterstützer für den Erhalt der Fakultät ausgesprochen. Und demnächst ist sogar ein Benefiz-Kick der Fakultäts-Fußballelf gegen den Traditionsclub Dynamo Dresden angesetzt.

Bei eBay kündigen die vermeintlichen Verkäufer der Fakultät keck an, es solle "Schluss sein mit all den Quertreibereien". Man habe "allen Schließungswütigen schon genug Stöcke zwischen die Beine geworfen" und wollen sich nun "konstruktiv dafür einsetzen, dass die Fakultät an einen neuen, hoffentlich kompetenteren Eigentümer geht".

Der müsste dafür ganz schön tief in die Tasche greifen: Bei 10 Millionen Euro lag das Gebot bereits zwei Tage nach Auktionsstart. Dass der Preis nach 76 Geboten nicht noch weiter stieg, verhinderte nur eine interne Begrenzung bei eBay, die keinen höheren Betrag als eben 10 Millionen Euro zulässt.

Immer lehrreich: Ein Blick ins Gesetz

Inzwischen allerdings hat eBay reagiert und die Auktion getilgt - "ungültiger Artikel" erscheint jetzt bei der Suche. Skurrile Angebote sind bei eBay durchaus nicht selten: Mal wird eine Seele, die eigene Arbeitskraft oder gleich das gesamte Hab und Gut, mal die Bundesregierung oder die deutsche Sprache versteigert. "Solche Aktionen finden wir durchaus witzig, aber in erster Linie ist wichtig, dass die Nutzer auf dem Online-Marktplatz optimal handeln können", erklärt eBay-Sprecherin Daphne Rauch die Hauspolitik, "deshalb nehmen wir Artikel oder Dienstleistungen, die man nicht wirklich erwerben kann, aus dem Angebot."

Man könnte sich ohnehin wundern, warum so viele Menschen in so kurzer Zeit so viel Geld für ein Haus in Dresden ausgeben möchten. Ein kleiner Satz am Ende des Angebotstextes bei eBay gibt einen Hinweis: "So, und wer jetzt ein BGB hat, sollte sich noch § 118 angucken und trotzdem oder gerade bieten!"

Und in §118 des Bürgerlichen Gesetzbuchs heißt es: "Eine nicht ernstlich gemeinte Willenserklärung, die in der Erwartung abgegeben wird, der Mangel der Ernstlichkeit werde nicht verkannt werden, ist nichtig." Grob übersetzt will der Jurist damit sagen, dass jeder bieten kann, wie viel er gern möchte. Verkauft wird nämlich nicht. War eben alles nur Spaß - was sich von den Schließungsplänen der Sächsischen Staatsregierung freilich nicht behaupten lässt.



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