Erfolglose Klage FDP-Politiker Chatzimarkakis bleibt ohne Titel

Er will kein Plagiator sein: Gegen die Aberkennung seiner Doktorwürde zog der FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis vor das Verwaltungsgericht Köln - und verlor. Die Entziehung des Titels ist rechtmäßig. Chatzimarkakis aber bleibt trotzig und verspricht: Ich komme als Doktor wieder.

Europaabgeordneter Chatzimarkakis (FDP): "Rechtssicherheit für eine neue Promotion"
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Europaabgeordneter Chatzimarkakis (FDP): "Rechtssicherheit für eine neue Promotion"


Der FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis ist vor dem Kölner Verwaltungsgericht mit einer Klage gegen die Entziehung seines Doktortitels gescheitert. Die Philosophische Fakultät der Bonner Universität habe zutreffend angenommen, dass Chatzimarkakis eine Täuschung begangen habe, urteilte das Gericht.

In der Dissertation wurden weite Passagen wörtlich aus fremden Werken übernommen, ohne diese Passagen entsprechend den Regeln wissenschaftlicher Arbeit zu kennzeichnen, heißt es weiter in der Begründung. Damit habe er verschleiert, dass große Teile der Dissertation abgeschrieben seien.

Chatzimarkakis habe billigend in Kauf genommen, dass die Prüfer dem Irrtum unterliegen konnten, es handle sich um seine eigenen Gedanken. "Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck, dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden", erklärte der damalige Dekan der Philosophischen Fakultät, Günther Schulz.

Die Entscheidung der Universität sei nicht zu beanstanden, heißt es in einer Presseerklärung des Verwaltungsgericht Köln. Die Fakultät habe umfangreiche Erwägungen zu Gunsten und zu Lasten des Klägers angestellt, die "keine Ermessensfehler erkennen ließen". Insoweit komme es nicht darauf an, ob eine andere Universität in einem vergleichbaren Fall von einer Entziehung abgesehen hätte.

Damit bezog sich das Gericht auf Chatzimarkakis Verteidigung, in der er seinen Fall mit dem des niedersächsischen Kultusministers Bernd Althusmann (CDU) vergleicht, der ebenfalls unter Plagiatsverdacht gestanden hatte, seinen Titel aber behalten durfte. Ende 2011 habe die Universität Potsdam bei Althusmann "genau umgekehrt" entschieden. Die Uni Bonn dagegen habe ihm nach deren eigenem Ermessen den Titel aberkannt. Der Titelentzug sei "eine hochschulpolitische Entscheidung".

Oxford macht es doch auch

Fest steht: Das Urteil bestätigt die Bonner Universität in ihrem Entschluss, nicht gekennzeichneten Passagen als wissenschaftliches Vergehen zu werten und mit Titelentzug zu ahnden. Die Uni Bonn hatte Chatzimarkakis nach einem mehrwöchigen Prüfverfahren im Juli 2011 den Doktortitel entzogen. "Mehr als die Hälfte" des Textes der Chatzimarkakis-Dissertation stamme aus fremden Federn, lautete damals der Befund. Die anonymen Prüfer der Plattform "VroniPlag" fanden sogar auf mehr als 70 Prozent der Seiten Plagiate.

Chatzimarkakis hatte um die Prüfung seiner Doktorarbeit zum Thema "Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs" selbst gebeten, nachdem im Internet die Vorwürfe gegen ihn aufgetaucht waren.

Seine Arbeitsweise schaffe "Raum für Spekulationen", räumte der FDP-Politiker damals ein. Er habe bei seiner Dissertation verschiedene Zitierweisen verwendet, darunter auch "Zitate im Fließtext, nicht eingerückt und ohne Anführungszeichen, ausgewiesen durch Fußnoten". Chatzimarkakis berief sich auf eine Zitierweise, wie er sie an der Elite-Uni Oxford gelernt habe.

Nach dem Titelentzug erklärte er, er werde eine neue Doktorarbeit verfassen. Diese Ankündigung erneuerte Chatzimarkakis am Donnerstag. Für ihn schaffe die Entscheidung "Rechtssicherheit für eine neue Promotion". Gegen das Kölner Urteil ist Berufung möglich. Ob Chatzimarkakis die beantragen wird, teilte der Politiker nicht mit.

Aktenzeichen: 6 K 6097/11

jon/afp

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