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Party-Logbuch Lüneburg: Lecker Döner, perfekt für Oma

Foto: Maria Feck/ UniSPIEGEL

Party-Logbuch Lüneburg Nächster Absturz nur mit Oma

Feiern wie in "Rote Rosen"? Wenn es Nacht wird in Lüneburg, wird der Spielort der Vorabendserie zur Feiermeile für Studenten. Felix Bohr fand Oma-Idylle, feinstes Fast Food und "Tatort"-Romantik in schnuckeligen Kneipen.

19.05 Uhr
Ich bin am Bahnhof angekommen und spaziere durch die Straßen von Lüneburg, wo etwa 7350 Studenten an der Leuphana Universität eingeschrieben sind. Schönes Städtchen, denke ich: malerische mittelalterliche Gassen, prächtige Giebelhäuser, romantisches Flair - und so sauber. Meine Oma wäre begeistert. Sie kennt die Fassaden der Hansestadt aus dem Fernsehen: Lüneburg dient der Telenovela "Rote Rosen" als Kulisse. Rund 1,5 Millionen Zuschauer verfolgen täglich im Ersten die seichten Geschichten aus der norddeutschen Provinz, meine Oma gehört dazu. Für die Anhänger der Serie ist die niedersächsische Stadt inzwischen zu einer Art Wallfahrtsort geworden. Hier gibt es alles, was das Fan-Herz begehrt: "Rote Rosen"-Erlebnisführungen, "Rote Rosen"-Übernachtungsarrangements, "Rote Rosen"-3-Gänge-Menüs, "Rote Rosen"-Souvenirläden. Schöne heile Welt, denke ich, als ich am "Rote Rosen"-KulturRestaurant&Hotel vorbeilaufe. Kann man in so einer Stadt feiern?

20.00 Uhr
Ich bin bei zwei Freunden zum Essen eingeladen: Merle studiert in Lüneburg, Marius arbeitet als Investmentberater und pendelt nach Frankfurt am Main. Die beiden wollen mich durch die Nacht begleiten. Erst einmal gibt es Spaghetti mit Tomatensoße, dazu Bier. Während des Essens sagt Merle, dass sie am Lüneburger Nachtleben vor allem "die große Auswahl an Bars" schätze. Tatsächlich rühmt sich die Stadt, nach Madrid die zweitgrößte Kneipendichte Europas zu haben. Trotz der vielen Bars geht Merle aber lieber im knapp 50 Kilometer entfernten Hamburg aus. Liegt nahe, denke ich. Dann ziehen wir bald los.

22.00 Uhr
Der Märzabend ist klar und kühl. Merle, Marius und ich schlendern durch die Gassen. Nach wenigen Minuten erreichen wir die "Hausbar", eine Studentenkneipe, die auch in Kreuzberg beheimatet sein könnte: plüschige Sofas, alte Wohnzimmerlampen. Das würde Oma vielleicht gefallen, nur das Licht wäre ihr zu schummrig. "Bei unseren Gästen kommt der Nussautomat gut an", sagt Antje, die seit einem Jahr hinter dem Holztresen der Kneipe steht. In der "Hausbar" werden alle St.-Pauli-Spiele gezeigt und sonntags der "Tatort". Jeden Mittwoch ist "Schnapstag". Ätzend, denke ich. Nicht wegen Sankt Pauli, sondern weil heute Freitag ist. Wir treffen Marielena, Tomma und Philine, drei Freundinnen von Merle. Ich frage sie, was ihnen an Lüneburg gefällt. Vor allem die Nähe zu Hamburg, sagt Tomma.

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Foto: Illustration: Simon Spilsbury

Ausgabe 2/2014

Die Phantom-Studenten
Tausende sind eingeschrieben - und haben seit Jahren die Uni nicht betreten

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00.00 Uhr
Die Bewohner Lüneburgs scheinen gut aufeinander aufzupassen. Wenn es vor der Tür der "Hausbar" zu laut werde und die Nachtruhe gestört sei, riefen die Nachbarn sofort in der Kneipe an, sagt Antje. Wir wollen keinen Krach machen und beschließen, die Lokalität zu wechseln. Draußen vor der Tür sind Marielenas und Philines Fahrräder umgeparkt worden; sie stehen nun nicht mehr an der Hausfassade. Während ich darüber grüble, wer diese sinnlose Aktion warum durchgeführt haben könnte, bricht Panik aus. Tommas Hollandrad ist weg. Alle schwärmen aus, doch die lange Suche bleibt erfolglos. Diebstahl in der Stadt der "Roten Rosen"? Wir ziehen irritiert und wütend weiter. Tomma kommt auch noch mit.

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Foto: Alexandra Polina

00.30 Uhr
Wir erreichen den Stintmarkt im Hafenviertel. Benannt ist der "Stint" nach dem gleichnamigen Fisch, mit dem hier schon im Mittelalter gehandelt wurde. Seit im Dezember 2013 eines der historischen Giebelhäuser abbrannte, klafft am Platz ein großes schwarzes Loch. In der Stadt wird gemunkelt, Schutzgelderpressung oder Versicherungsbetrug seien die Ursache. Noch ein Verbrechen mitten in der "Rote Rosen"-Kulisse? Oma wäre entsetzt. Wir betreten die älteste Kneipe Lüneburgs, das "Pons". Es riecht nach Curry, an der Decke hängt ein Küchenstuhl aus dunklem Holz. Ansonsten sorgen ein kleines Bücherregal, massive Biertische und ein weißes Klavier für eine wohnliche Atmosphäre. An der Wand hängen viele scheußliche Aquarelle von Kirchen und - Fassaden. Wir trinken Bier. Einmal im Monat, erfahre ich später, gibt es im "Pons" Jazz-Sessions, Lesungen lokaler Autoren und den veganen Stammtisch.

Ich bekomme Lust auf einen Döner.

01.30 Uhr
Nächtliche Fressorgien in Imbissbuden gilt es eigentlich zu vermeiden, doch für den Döner bei "Öz Antep" sollte man wirklich eine Ausnahme machen. Gastwirt Ömer erzählt stolz, dass sich der Laden seit 27 Jahren in Familienbesitz befindet. Geschmack durch Tradition? Tatsächlich habe ich selbst in Berlin selten einen besseren Döner gegessen. Lüneburg gefällt mir, denke ich.

02.00 Uhr
Der Weg zur nächsten Location führt erneut an der "Hausbar" vorbei. Und siehe da: Tomma findet ihr Fahrrad wieder. Hat es sich ein Mitbürger nur ausgeliehen? Also doch kein Diebstahl. Oma wäre erleichtert.

02.15 Uhr
Wir wollen tanzen. Weil die im "Vamos!" (mit Ausrufezeichen) stattfindende Party "Friday Night Madness VII" nicht in Frage kommt, entscheiden wir uns für den "Salon Hansen". Der Club befindet sich im Kellergeschoss eines Kaufhauskomplexes aus den neunziger Jahren. Vor der Tür gammeln Yucca-Palmen auf Steinplatten vor sich hin. Passend zu den Neunzigern legt der DJ heute Drum'n'Bass auf. Die Tanzfläche ist halb gefüllt. Während ich mir an der Bar einen Drink bestelle, schaue ich nach oben. An der Decke des Clubs findet eine Art Lightshow statt. Nun gebe ich mir sogar Mühe zu tanzen, was auf Drum'n'Bass aber kaum möglich ist. Wir werden langsam müde, verlassen den Club und entscheiden uns für einen letzten Lüneburger Nachtstopp.

03.30 Uhr
Bereits angezählt erreichen wir unseren Endgegner: den "Pesel". In diesem Lüneburger Laden gehen die Lichter als Letztes aus. Knorrige Bardamen, pöbelnde Gäste, biergetränkter Boden. Kultgetränk: Korn-Sprite. Während "I Can't Get No Satisfaction" aus den Lautsprechern dröhnt, nehmen wir einen letzten Drink. Ein einsamer Wandergeselle in voller Montur tanzt mit drei Bier in einer Hand durch die Gegend. Wir verabschieden uns. Der erste Zug nach Hamburg fährt um halb fünf. Auf dem Weg zum Bahnhof beschließe ich, beim nächsten Lüneburg-Besuch meine Oma mitzunehmen.

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