Fernweh Ein seltsamer Tag in Bangkok

Um in Bangkok zu studieren, sollte man Soft Skills und starke Nerven im Gepäck haben. Jonas Jacquet bewies beides - in UniSPIEGEL ONLINE berichtet er über die Tücken der Einschreibung und Irrfahrten im Taxi.

Wer heutzutage nach seinem Studium einen guten Job finden will, braucht nicht nur einen guten Abschluss, sondern auch sogenannte Soft Skills. Also Schlüsselqualifikationen wie Durchsetzungsvermögen, Ausdauer, Menschenkenntnis etc. Die holt man sich am besten in einem Auslandssemester. Im Internet bin ich auf die Bangkok University gestoßen. Die Universität bietet drei Fächer im International College als Bachelor-Studiengänge an. Ich habe mich für die Kommunikationswissenschaften entschieden, warum sollte ich nicht mein Studium in Bangkok beginnen?

Die Einschreibung an einer Universität in Bangkok ist leider nicht so einfach wie erwartet. Meine erste Aufgabe: einen Taxifahrer zu finden, der weiß, wo die Uni liegt, und auch gewillt ist, mich dorthin zu fahren. Der erste Fahrer will mich nur zum Flughafen bringen, der zweite zum Silbergeschäft seines Cousins, der dritte überhaupt nicht... Der sechste Taxifahrer weiß dann ungefähr, wo die Uni liegt. Nach zwanzig Minuten Kampf durch die morgendliche Rush Hour sind wir endlich am vereinbarten Ziel angelangt.

Ich schlendere ein bisschen über das Gelände und schaue mir den Campus an: Die Gebäude sind alles andere als "alt-ehrwürdig". Die Uni wirkt nicht gerade wie eine klassische "Alma Mater" mit Geschichte bis ins vorletzte Jahrhundert. Aber ich bin schließlich in Bangkok und nicht in Oxford, und dafür gibt es ein 19-stöckiges (!) Hauptgebäude.

Die Studenten sind allesamt sehr freundlich und auskunftsbereit. Ein paar Jungs tragen die schwarzen Uniformhosen im HipHop-Stil etwas tieferhängend, sie wirken richtig stylisch und cool. Auch die Mädchen sind sehr hübsch in ihren Uniformen.

Ich entschließe mich, dass es mir hier gefällt, und betrete das Anmeldungsbüro. Die Angestellte sagt mir, dass man sich nur in der Zeit vom 2. bis zum 11. Mai anmelden kann. Nachdem ich erklärt habe, dass mein Rückflug am 2. Mai geht, kann ich mich plötzlich doch schon heute anmelden.

Also auf in den 13. Stock des Hauptgebäudes. Dort treffe ich Dr. Siriwan Ratanakarn. Die Leiterin des International College wirkt freundlich und streng, irgendwie britisch. Sie erklärt mir, dass ich eine englische Übersetzung meines Abiturs brauche. Oops, die habe ich doch glatt vergessen. Nun muss ich zur Chulalongkorn University, um mein Abi übersetzen zu lassen.

Mehrmals erkläre ich dem Taxifahrer, dass ich zur University will, glaube, dass er mein Ziel verstanden hat, und lande am... Riverside Hotel. Mit Hilfe von Zeichensprache und 150 Baht (etwa 7,50 Mark) später komme ich nun doch an der Chulalongkorn University an. Ich frage mich zum "Translation Center" durch, um zu erfahren, dass ich abermals in den 13. Stock muss, allerdings rechtzeitig zur Mittagspause gekommen bin und nun eine Stunde warten kann.

Nur das entschuldigende Lächeln der Thais lässt mich meine Ruhe bewahren. Durch ihre Art, sich zu entschuldigen, tut es mir fast schon Leid, überhaupt gefragt zu haben.

Mein Abi wird also in einer Woche übersetzt sein. Eine Woche später ist leider die gesamte Belegschaft auf Fortbildung. Sie kommt erst am 30. April, einen Tag vor meinem Abflug, wieder.

Der 30. ist der Tag der Entscheidung: Ich nehme ein Motorradtaxi, die schnellste, billigste und gefährlichste Möglichkeit, sich in Bangkok fortzubewegen, hole die Übersetzung ab und mach mich auf zur Bangkok University. Dort gebe ich meine gesamten Bewerbungsunterlagen (Ausweiskopie, Abitur, Übersetzung, drei Fotos, 300 Baht und Anmeldeformular) ab. Es ist alles in Ordnung.

Erschöpft und glücklich nehme ich mir ein Taxi zu meinem Guesthouse. Diesmal will mir der Taxifahrer eine Frau ("Lady number one, not number two. Very good, Mister") andrehen. Ich habe mittlerweile gelernt, mich gegen Bangkoks Taxifahrer durchzusetzen, und gelange so schnell nach Hause.

Eine Einschreibung in Bangkok erfordert Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und vor allem Geduld - jede Menge Soft Skills.

Von Jonas Jacquet

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