Hitze oder Wolkenbrüche? So ist das Wetter bei den größten deutschen Festivals

Die Open-Air-Saison war großartig, jetzt startet der Vorverkauf für den Sommer 2016. Doch wie wird das Wetter? Auf welchen Festivals es meist in Strömen gießt und wo geschwitzt wird, verrät unsere Statistik.

DPA

Von Moritz Stückler


Viele Festivalgänger können spannende Geschichten von apokalyptischen Wolkenbrüchen erzählen. Als die Klamotten gar nicht mehr trocken wurden, das Zelt davonschwamm und man lieber gleich barfuß weitertanzte.

Wer nächsten Sommer wieder unvergessliche Momente auf einem der großen deutschen Festivals erleben möchte, beginnt jetzt mit der Planung. Für das "Fusion"-Festival etwa werden die Tickets nach einer Bewerbungsphase verlost, andere verkaufen Frühbucher-Tickets für nächsten Sommer zu Spezialpreisen.

Und das Wetter? Ganz genau kann man das natürlich nicht vorhersagen - doch es gibt deutliche Tendenzen in den einzelnen Regionen Deutschlands. In einer Datenanalyse haben wir von zehn großen Festivals die durchschnittliche Tagestemperatur, die Niederschlagsmenge und die Sonnenstunden der vergangenen zehn Jahre verglichen. Wer also die Nase voll hat von Gummistiefeln und Pfützen im Zelt, kann sich in unseren Wetter-Grafiken das trockenste Event heraussuchen.

Das Gesamtergebnis wird in diesem Balkendiagramm dargestellt. Dabei ist für jedes Festival der Mittelwert der Jahre 2004 bis 2015 in Bezug auf alle drei genannten Faktoren einfach abzulesen:

Melt!: Das wärmste und sonnigste Festival

Die Wetterdaten sprechen eineeindeutige Sprache: Sowohl in Bezug auf die Durchschnittstemperatur als auch bei den Sonnenstunden liegt das Melt!-Festivalganz vorn: Die Besucher erwartet eine durchschnittliche Tagestemperatur von knapp über 20 Grad Celsius, mehr als acht Sonnenstunden pro Tag und fast kein Regen. Das Melt!-Festival findet jedes Jahr Mitte Juli in Ferropolis, einem ehemaligen Tagebau in Sachsen-Anhalt statt. Mit rund 20.000 Besuchern zählt es zu den kleineren Festivals auf unserer Liste, ist musikalisch irgendwo zwischen Rock und Elektro anzusiedeln - und ein Muss für Sonnenhungrige.

MainStageVibes ¿¿ #fbf #bestcrowdever #melt2015

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Rock im Park: Das trockenste Festival

Wer einfach nur trocken bleiben möchte, der sollte jedes Jahr ins fränkische Nürnberg reisen und sich mit 75.000 anderen Zuschauern mehr als 80 Bands auf drei Bühnen anschauen. Das Festivalgelände liegt ziemlich zentral in der Stadt und bleibt erstaunlich häufig vom Regen verschont. Und auch bei den Sonnenstunden liegt Rock im Park auf den vorderen Plätzen. Lediglich die Temperaturen bewegen sich leider im unteren Bereich, das liegt aber vor allem am frühen Juni-Termin im Festivalkalender.

#rockimpark #festival

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Chiemsee Reggae Summer: Das verregnetste Festival

Beim Chiemsee Reggae Summer (seit 2014 heißt das Festival nur noch Chiemsee Summer) fiel in den vergangenen zehn Jahren fast doppelt so viel Regen wie bei allen anderen Festival-Kandidaten. Wer sich Mitte August Richtung Chieming aufmachen möchte, bei dem sollte die Regenjacke ganz oben auf der Packliste stehen. Immerhin: Es regnet nicht durchgängig, aber wenn es gießt, dann richtig. So kommt es, dass trotz des hohen Niederschlags die Temperaturen und auch die Sonnenstunden im Mittelfeld liegen. Wenigstens der dicke Pullover kann also zu Hause bleiben - und die Sonnenbrille darf mit.

Sean Paul nach dem Wolkenbruch

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Rock am Ring: Das kälteste Festival

Das größte Rockfestival in Deutschland ist gleichzeitig auch das kälteste. Dabei wurde natürlich nur der "alte" Standort auf dem Nürburgring in der Eifel berücksichtigt und nicht der neue Veranstaltungsort in Mendig, wo das Festival seit diesem Jahr stattfindet. Da Rock am Ring das Partnerfestival von Rock im Park ist, darf man auch hier die Schuld für die niedrigen Temperaturen auf den frühen Juni-Termin um Pfingsten schieben. Aber kühl muss ja nicht schlecht sein, denn Pogotanzen und Headbangen sind bei Hitze ohnehin nicht sehr angenehm.

Hurricane: Das graueste Festival

Musikalisch würde das düstere Image ja am ehesten zum Wacken Open Air passen, aber die Wetterdaten der vergangenen zehn Jahre belegen eindeutig, dass beim Hurricane-Festival im niedersächsischen Scheeßel im Schnitt nur etwa 4,4 Stunden täglich die Sonne scheint. Im Gegensatz zum Melt! sind das ganze vier Stunden weniger Sonnenschein. Hoffentlich ist das Line-up so gut, dass die Besucher für das graue Wetter entschädigt werden.

die vorbereitungen laufen! #hurricane15 @pskdn

Ein von Hurricane Festival (@hurricanefestival) gepostetes Foto am

Wer sich für die Werte der einzelnen Jahre aller Festivals interessiert, findet hier zu jeder Veranstaltung ein Detail-Diagramm:

Festivalwetter in Deutschland
Hinweise zur Methodik
Es wurden nur Musik-Festivals berücksichtigt, die unter anderem kostenpflichtig sind, offiziell im Durchschnitt 20.000 Besucher haben und von 2004 bis 2015 am gleichen Ort (Rock am Ring bis 2014) und im gleichen Zeitraum stattfanden.
Datenquelle
Datenquelle sind die Werte der jeweils nächst gelegenen Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes.

Die Entfernung der Wetterstationen vom Festivalgelände variiert zwischen 4 und 22 Kilometern.
Darstellung
Die Tageswerte der jeweiligen Festival-Zeiträume wurden addiert und durch die Anzahl der jeweiligen Festivaltage geteilt.

Die so ermittelten Durchschnitts-Jahreswerte wurden anschließend addiert und durch zehn Jahre (2004 bis 2014) geteilt, um auf die Gesamt-Durchschnittswerte zu kommen.

Ein fehlender Balken in den Detail-Diagrammen ist kein Darstellungsfehler, sondern symbolisiert fehlende Messwerte im Quelldatensatz.
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insgesamt 8 Beiträge
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2469 16.09.2015
1. Erste Septemberhälfte
wäre mein Geheimtipp, mit die trockenste und sonnigste Zeit im Jahr, angenehme Temperaturen (gibt Ausnahmen, wir haben gerade eine erlebt). Wer Ende Mai oder v.a. Mitte August plant muss sich auf Regen gefasst machen. April ist auch nicht schlecht, aber da kann es halt noch kühler sein.
bunje 16.09.2015
2. Interessant
wie das WithFullForce einfach mal komplett ignoriert wird obwohl es mit über 30.000 Besuchern wohl mit zu den größten Festivals Deutschlands gehört.
trinityguildhall 16.09.2015
3. Interessant
wie das Zweibruecker Stadtfest (Westpfalz) einfach ignoriert wird, obwohl es mit ueber 8 Buehnen und 100000 Besuchern zu den groessten Open Air Festivals in Deutschland gehoert, noch dazu kostenlos. Spass beiseite, Chiemsee Reggae 2015 war sehr nass aber fuer The Offspring hat es sich gelohnt!
marian_gadegast 16.09.2015
4.
Insgesamt wird es in Zukunft wohl extremeres Wetter geben. Die Festivals und Open Air Veranstaltungen ( Veranstalter ) müssen dies berücksichtigen. Auch Hitzewellen mit über 30 Grad werden ansteigen. Die Preise für Getränke müssen niedriger bei solchen Wetterlagen werden. Der Sommer 2015, hat einen Ausblick in die Zukunft gezeigt. Nicht jeder Sommer wird natürlich so werden. Doch die Extremwetterlagen werden auch in den nächsten Jahrzehnten auf den Open Air Events immer häufiger zu spüren sein. Daran müssen sich die Festivalmacher und Besucher halt dann anpassen. Doch eines wird auch das Wetter nicht ändern können. Den Spaß und die Freude auf einem Open Air mit anderen zu teilen. Und im Herzen scheint immer die Sonne. Auch bei schlechtem Wetter. Hauptsache man hat Spaß auf einem Festival. Das ist ja der Sinn dabei.
grinse_katze 17.09.2015
5. Anmerkungen
1) Chiemsee Summer ist in Übersee, nicht in Chieming. 2) Selbst wenn der Sommer noch so trocken daherkommt, am Wochenende des CS regnet es garantiert :-). Manchmal einmal (immer), manchmal auch nur mehrfach :-) Wir machen hier immer schon vorher Scherze, weil man so schon Monate voher das Wetter vorhersagen kann. Wenn man allerdings bedenkt, das Juli und August zu den Niederschlagsreichsten Monaten in der Region zählen (Juli im Mittel 150mm, August nicht viel weniger), ist es nicht verwunderlich, das es auch an diesen 5 Tagen mal nass wird.
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