Finanzkrise US-Uni verscherbelt ihre Kunstschätze

Alles muss raus: In der Not will die renommierte Brandeis-Universität ihr Kunstmuseum schließen und Werke von Künstlern wie Warhol, Johns und Lichtenstein versilbern. 265 Millionen Euro soll die Sammlung wert sein - aber was gibt der Markt in der Krise noch her?


Jetzt geht es ans Eingemachte. Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zwingen die renommierte Brandeis-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts zu schmerzhaften Einschnitten: Um den Lehrbetrieb zu retten, werde sie ihr Museum für moderne Kunst schließen und die 8000 Exponate der Sammlung verkaufen, kündigte die Privatuni an.

"Mao" von Andy Warhol: Ende eines Uni-Museums, Verkauf des Tafelsilbers
Getty Images

"Mao" von Andy Warhol: Ende eines Uni-Museums, Verkauf des Tafelsilbers

Das 48 Jahre alte Rose Art Museum in Waltham beherbergt bislang eine der wichtigsten Sammlungen mit Nachkriegskunst im Nordosten der USA. Dazu gehören Werke von Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein und Andy Warhol.

Wie die Universität mitteilte, soll das Museum Ende des Sommers schließen. Die Sammlung solle dann von einem bekannten Auktionshaus versteigert und der Erlös in den eigentlichen Uni-Betrieb "reinvestiert" werden. Die "außerordentlichen wirtschaftlichen Zeiten" hätten die Entscheidung erzwungen, sagte Brandeis-Präsident Jehuda Reinharz.

Das wird ein Sommerschlussverkauf der besonderen Art. Wie viele andere US-Universitäten auch, finanziert die kleine Brandeis-Universität ihr operatives Geschäft aus den Erträgen ihres Stiftungsvermögens. Diese Vermögen sind als Folge der Finanzkrise landesweit dramatisch abgeschmolzen. Konkrete Zahlen nannte Brandeis bisher nicht.

Um welche Größenordnungen es gehen kann, zeigen Beispiele von Top-Universitäten der USA: Die Elite-Uni Harvard im benachbarten Cambridge bezifferte ihre "nie dagewesenen Verluste" zuletzt auf acht Milliarden Dollar, ein Fünftel des Stiftungsvermögens. Und der Uni Yale ging etwa ein Viertel ihres Vermögens flöten - fünf Milliarden Dollar lösten sich im globalen Monopoly auf.

Kleines Museum mit exquisitem Bilderschatz

Zwar lockte das Rose Art Museum nur um die 14.000 Kunstfreunde jährlich an, doch die Bilder des Museums würden weltweit verliehen und von Hunderttausenden Kunstliebhabern betrachtet, sagte Michael Rush, Direktor des 1961 gegründeten Museums, der Zeitung "New York Times". "Ich war schockiert und bin es noch. Ich fühle mich entsetzlich, das ist eine traurige Zeit für die Kunst", so Rush. Er und seine Mitarbeiter seien nicht zu der Konferenz geladen worden, auf der die Entscheidung gefallen sei. Rush schätzt den Wert der Sammlung auf umgerechnet 265 Millionen Euro.

Dass die Universität mit entsprechenden Erlösen rechnen kann, bezweifelt der Kunsthistoriker Robert Storr. Er sagte, es gebe bei der aktuellen Marktlage "keine schlechtere Zeit, um Kunst zu verkaufen". Der Plan des Museums sei nicht nur prinzipienlos, sondern auch ein Zeichen schlechten Wirtschaftens.

Laut "New York Times" hat die Generalstaatsanwältin von Massachusetts, Martha Coakley, unter Umständen noch die Möglichkeit, den Ausverkauf zu verhindern. Der letzte Wille der Spender an das Museum müsse überprüft werden, dann könnte die Behörde von Staatsanwältin den Verkauf der Kunstschätze eventuell abwenden. "Wir erwarten ein langwieriges Verfahren", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Name der 1948 gegründeten Universität geht auf Louis Brandeis, einen früheren Richter am Obersten Gericht, zurück. Die Privathochschule verzeichnet rund 5000 Studenten. Zu den Absolventen zählen der am Montag zurückgetretene isländische Ministerpräsident Geir Haarde, Shen Tong, einer der Studenten-Anführer der Tiananmen-Proteste in Peking von 1989, sowie die Erfinder der TV-Serie "Friends", David Crane und Marta Kauffman.

cht/AFP

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kro 16.12.2008
1.
Interessant, dass der Spiegel auch nach all den Finanzthemen der letzten Monate immer noch nicht weiß, was eine Investmentbank ist und was sie tut. Klassisches Investmentbanking hat NICHTS mit dem Einnehmen (riskanter) Positionen zu tun. Investmentbanking ist Corporate Finance und das macht Harvard mit Sicherheit nicht.
carlosowas, 16.12.2008
2. Spitzenuniversitäten werden demnächst von "Bild " gekürt
Das Ranking, das Harvard an die erste Stelle befördert hat, stammt von der "Times". Na ja, englische Zeitung, und Cambridge University (UK) folgt unter ferner liefen. Da wird dann wenigstens was Wahres dran sein, dass amerikanische Universitäten im Schnitt besser sind als englische. Aber sonst? Die deutsche Illustrierte "Stern" hat mal ein Ranking für deutsche Universitäten herausgebracht. Vielleicht wagt sich demnächst die "Bild"-Zeitung auch an so was. Auf jeden Fall hat Harvard vor allem law und economics zu bieten. Sind das überhaupt Wissenschaften? Das wurde nicht nur hier im den Spon-Foren öfter angezweifelt. Immerhin sind diese beiden Wissenschaften doch recht abhängig vom Land, in dem sie gelehrt werden. In Technik und Naturwissenschaften ist das MIT jedenfalls besser als sein Boston-Cambridge Konkurrent, Harvard, a few miles away. Und jetzt hat Harvard nicht einmal mehr Geld zu bieten, diese Geldwissenschaftler.
wissuz 16.12.2008
3. alles blenderei!!
ich stehe diesen teuren unis sehr sehr skeptisch gegenüber. kennt jemand die durchfallquoten der us unis? ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass wenn ein jahr manchmal um die 50000us$ kostet, dass die uni hart bei potenziellen "durchfallern"durchgreift und nicht auch mal ganz gerne ein auge zudrückt. es gab doch vor jahren ein skandal bei den uni sportler die noten "geschenkt" bekommen haben. also für mich sind die staatlichen unis die einzigen wo es nicht auf den namen und aufs geld ankommt. ich habe mal 1/2 in mexiko studiert und da war es genau so. die prüfungen waren so schwer aber irgendwie bin ich nie durchgefallen aber habe halt auch 15.000us$ bezahlt...
kro 16.12.2008
4.
In Harvard gibt es - wie an nahezu allen amerikanischen Hochschulen - nahezu keine Durchfaller. Wer einen Kurs beginnt, beendet diesen normalerweise auch (im Sinne von Bestehen), gibt es nachhaltig Probleme, kann man normalerweise ohne Zeitverlust das Studienfach wechseln. Und das ist auch gut so, mir tun die Hundertausende deutsche Studienabbrecher, die danach vielfach vor dem Nichts stehen, leid.
kro 16.12.2008
5.
Zitat von carlosowasDas Ranking, das Harvard an die erste Stelle befördert hat, stammt von der "Times". Na ja, englische Zeitung, und Cambridge University (UK) folgt unter ferner liefen. Da wird dann wenigstens was Wahres dran sein, dass amerikanische Universitäten im Schnitt besser sind als englische. Aber sonst? Die deutsche Illustrierte "Stern" hat mal ein Ranking für deutsche Universitäten herausgebracht. Vielleicht wagt sich demnächst die "Bild"-Zeitung auch an so was. Auf jeden Fall hat Harvard vor allem law und economics zu bieten. Sind das überhaupt Wissenschaften? Das wurde nicht nur hier im den Spon-Foren öfter angezweifelt. Immerhin sind diese beiden Wissenschaften doch recht abhängig vom Land, in dem sie gelehrt werden. In Technik und Naturwissenschaften ist das MIT jedenfalls besser als sein Boston-Cambridge Konkurrent, Harvard, a few miles away. Und jetzt hat Harvard nicht einmal mehr Geld zu bieten, diese Geldwissenschaftler.
Das MIT ist in economics übrigens nicht schlechter als Harvard. Beide werden eigentlich immer zu den Top5 Departments in econ gezählt, lange Zeit galt das MIT sogar als besser.
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