Finanznöte Privater Hochschule Bruchsal droht das Aus

Die private Hochschule "International University in Germany" in Bruchsal fürchtet um ihre Zukunft: Der Hauptinvestor Educationtrend zieht sich zurück. Jetzt sollen drei Hochschullehrer bei der lokalen Wirtschaft Geld eintreiben - gelingt das nicht, könnte im September Schluss sein.

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Seine Abschlussarbeit schreibt Christopher Böhnke, 22, modisches Bärtchen an der Unterlippe, verbindliche Stimme, über Krisenkommunikation. Grob gesagt geht es darum, wie eine Firma, die schlecht dasteht in Schlagzeilen und Fernsehberichten, die Berichterstattung in ihrem Sinne beeinflussen kann.

Jetzt hat Böhnke Gelegenheit für einen Praxistest.

International University Bruchsal: Schon häufiger in finanzieller Schieflage
DPA

International University Bruchsal: Schon häufiger in finanzieller Schieflage

Die "International University in Germany" (IU) im baden-württembergischen Bruchsal nahe Karlsruhe, an der Böhnke studiert und wo er als Vorsitzender einer Studentinitiative aktiv ist, könnte sehr bald dichtmachen.

Der Betreiber der privaten Hochschule, die Hamburger Firma Educationtrend, zieht sich zurück, sagte ein IU-Sprecher SPIEGEL ONLINE und bestätigte damit in Teilen entsprechende Berichte. Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor berichtet, die IU werde bereits am 1. September den Betrieb einstellen. Dem widersprach der Sprecher: Ob die Hochschule geschlossen werde, hänge davon ab, ob Verhandlungen über ein neues Geschäftsmodell erfolgreich verlaufen. Das entscheide sich bis Dienstag.

"Unverständnis" und Hoffen bei den Studenten

In einer Stellungnahme der IU vom Montag heißt es, die Geschäftsführung und die Gesellschafter von Educationtrend hätten in den letzten Monaten Gespräche "mit strategischen Investoren" geführt und "prüften verschiedene Fortführungskonzepte". Diese Gespräche dauerten an.

Ziel sei es, mit einem erweiterten Geschäftsmodell neue Kundengruppen zu erschließen. "Absehbar" werde "eine grundsätzliche Entscheidung über die Fortführung der International University in Germany gGmbH getroffen werden". Mit anderen Worten: Eine Schließung ist durchaus möglich.

Wenn die Verhandlungen scheitern sollten, das sagt auch der Sprecher, dann sähe es schlecht aus. Die IU Bruchsal wäre innerhalb weniger Monate schon die zweite private Hochschule, die schließen müsste, weil der Investor Educationtrend aussteigt - zuvor hatte es schon die Hanseuniversität in Rostock getroffen.

Die Schließungsberichte, sagt Studentenvertreter Böhnke, stießen bei den Studenten auf "Unverständnis". Und deshalb hält er mit einer positiven Botschaft dagegen: Er gehe fest davon aus, dass das neue Konzept, über das derzeit verhandelt werde, tragfähig sei und umgesetzt werde. "Hier herrscht großer Zusammenhalt und große Zuversicht."

Geldgeber aus der Region sollen helfen

Die Frage ist, wie gut er das beurteilen kann. Denn wie der Rettungsplan genau aussieht, weiß er nicht. Bekannt ist bisher nur, dass drei Professoren sich bemühen werden, von Unternehmen in der Gegend zusätzliches Geld einzuwerben. Mehr bestätigt auch die IU nicht. Böhnke wertet es als gutes Zeichen, dass "Wirtschaft, Politik und Professoren an das Konzept glauben".

Allerdings will die Politik, also das zuständige baden-württembergische Wissenschaftsministerium, von Unterstützung nicht sprechen. Eine Sprecherin sagte SPIEGEL ONLINE, es habe Gespräche gegeben, bisher aber "keinen Anlass zu entscheiden". Sie sagte aber auch: Es werde sichergestellt, dass alle immatrikulierten IU-Studenten, "einen geordneten Studienabschluss machen können". Offen blieb, an welcher Uni oder Hochschule. Momentan lernen rund 200 Studenten an der IU.

Beim bisherigen Investor Educationtrend war keine Stellungnahme zu bekommen. Das Unternehmen gehört zur Investmentgesellschaft Aton von Lutz Helmig, Gründer der Helios-Kliniken. Nach eigenen Angaben machte Educationtrend im vergangenen Jahr 15 Millionen Euro Umsatz. Die Hochschul-Sparte war bislang wenig erfolgreich: An der Rostocker Hanseuniveristät ließen sich gerade einmal drei Studenten immatrikulieren - das reichte nicht für einen profitablen Betrieb.

Geldsorgen kennt die Hochschule schon lange

Die IU Bruchsal geriet schon häufiger in finanzielle Schwierigkeiten. Gegründet vor zwölf Jahren als Elite-Schmiede mit den Schwerpunkten Wirtschaft und IT, schaffte es die private Hochschule oft nur mit ihren Finanznöten in die Schlagzeilen: Sponsorengelder flossen nicht wie erhofft, die Zahl der Studenten schrumpfte. Die Hamburger Firma Educationtrend bewahrte die private Hochschule mit einer millionenschweren Finanzspritze vor dem Aus.

Noch im Februar hatte die IU angekündigt, ihre happigen Studiengebühren von 10.000 Euro pro Jahr für Neustudenten zu senken um mehr Studenten zu locken. Damals begründete die Hochschule die Senkung mit der Finanzkrise: "Wir brauchen mehr Studenten", sagte ein Sprecher der Hochschule. Es bestehe aber die Gefahr, dass zu hohe Semesterbeiträge Interessenten abschrecken. Die IU wolle ein "Signal" setzen, und künftig 8300 Euro pro Jahr verlangen.

Ein Signal setzen, das will jetzt auch Student und Krisenkommunikator Böhnke. Er glaube fest daran, sagt er, dass seinen Professoren gelingen wird, woran Educationtrend seiner Meinung nach scheiterte - weitere Geldgeber für die IU gewinnen. Böhnkes Losung für die wankende Hochschule klingt nach Zweckoptimismus: "Aufbruch statt Bruchlandung".

Mit Material von dpa



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