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Flüchtlinge an Unis: Kein Bafög, kein Schutz vor Abschiebung

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Flüchtlinge an Unis Wohnen auf Sylt, studieren in Flensburg

Rasha Bamatraf darf nicht umziehen, obwohl sie in einer anderen Stadt einen Studienplatz hat: Solange das Asylverfahren läuft, haben geflüchtete Studenten häufig Schwierigkeiten - obwohl es viel Hilfe gibt.

Rasha Bamatraf spricht schnell. Sie hat nur wenige Minuten, um das Scheitern ihres Herkunftsstaates zu skizzieren. Sie steht in einem Seminar an der Universität Flensburg - und anders als ihre Kommilitonen kann sie nicht in ihre Heimat zurück.

Die 29-Jährige kam vor etwas mehr als einem Jahr als Flüchtling aus dem Jemen nach Deutschland. Heute lebt sie auf Sylt und studiert in Flensburg.

"Ich bin so glücklich, dass ich daran teilhaben kann", sagt Bamatraf nach den ersten Wochen im Masterstudiengang European Studies. Doch wie für die meisten Flüchtlinge in Deutschland machte ihr der Weg an die Uni Sorgen.

Die sind zwar nicht vergleichbar mit der Angst, die sie vor den Huthi-Rebellen hatte, ehe sie aus dem Jemen floh. Auch nicht vergleichbar mit der Angst, die sie als Unterstützerin des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi hatte. Aber es sind eben doch: Sorgen.

Praktische Probleme des Ausländerrechts machen es Bamatraf schwer. "Nicht in der Lage zu sein, nach Flensburg ziehen zu können, ist ein Problem. Auf Sylt von Bafög zu leben auch", erzählt sie. Gern würde sie ins rund 70 Kilometer entfernte Flensburg umziehen, um täglich vier Stunden Zugfahrt und monatlich Hunderte Euro für Fahrkarten sowie die teure Miete zu sparen.

Bürokratie einerseits, Hilfsprogramme andererseits

Doch an der Kreisverteilung hält der Staat bei ihr fest, andere Betroffene kämpfen noch um Ausnahmen. Vor diesen und ähnlichen Hürden stehen bundesweit viele Flüchtlinge. Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Hochschulen den Aufenthaltsstatus bei der Immatrikulation nicht erfragen.

Dabei sind sich alle Beteiligten eigentlich einig: Dass qualifizierte Flüchtlinge an die Unis kommen, ist gewollt. Das Bundesbildungsministerium stellt mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst über vier Jahre hinweg 100 Millionen Euro für sprachliche und fachliche Vorbereitungskurse  bereit. Und die allein 2016 bis zu 4000 Teilnehmer dieser "Integra"-Kurse streben ein Studium an oder haben es begonnen.

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Flüchtlinge an Unis: Kein Bafög, kein Schutz vor Abschiebung

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Wenn das Ausländerrecht dazwischen schießt, helfen die Kurse jedoch wenig: "Wir bemerken zum Teil eine staatlich verschuldete Unmündigkeit", beklagt Charlotte Fiala, Migrationsforscherin und bisherige Koordinatorin des Flüchtlingsprogramms an der Uni Flensburg.

Studium schützt nicht vor Abschiebung

Auch wenn die Geflüchteten die Sprachkurse gemeistert und ein Studium aufgenommen haben, gilt: Solange ihr Asylverfahren läuft, haben sie keinen Anspruch auf Bafög. Die Bundesregierung kennt das Problem. Bereits am 21. Dezember 2015 schrieb die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern an Bundessozialministerin Andrea Nahles: Es könne eine Finanzierungslücke entstehen, "die studierwillige Flüchtlinge von der Aufnahme eines Studiums abhalten könnte".

Auch die Unsicherheit, ob sie bleiben dürfen, kann die Uni den Flüchtlingen nicht nehmen. Nach Ende der Asylverfahren haben geflüchtete Studenten laut neuem Integrationsgesetz keinen Anspruch auf eine Duldung - anders als Auszubildende. "Die Leute, die hier bei uns erfolgreich ein Studium abschließen, sind ja auch Leistungsträger der Gesellschaft", sagte Migrationsforscherin Fiala. Die Uni möchte sie am liebsten halten.

"Es ist okay, verschieden zu sein"

Die Innenministerien nehmen darauf aber keine Rücksicht: Eine Umfrage des schleswig-holsteinischen Innenministeriums unter allen Bundesländern ergab, dass das Studium bundesweit nicht als Duldungsgrund zählt. "Im Unterschied zu einer Berufsausbildung mit einer festgelegten Ausbildungsdauer ist bei Aufnahme eines Studiums der dafür benötigte Zeitaufwand nicht abschätzbar", teilte das Bundesinnenministerium dazu mit.

Solange Studenten wie Bamatraf noch weit mehr als eineinhalb Jahre auf die Entscheidung ihres Asylantrags warten, solange gibt es auch Probleme. Fast jeder Teilnehmer sei ein Sonderfall, sagt Fiala mit Blick auf das "Integra"-Programm in Flensburg.

Rasha Bamatraf lässt sich von Problemen nicht abhalten. Nach einem Wirtschaftsstudium will sie mit Europawissenschaften später politisch etwas bewirken. "Was ist mit den anderen? Mit Frauen, die immer noch im Jemen sind, die immer noch unter der patriarchischen Gesellschaft leiden?", fragt sie. "Sie brauchen Beispiele, um zu sehen, dass es okay ist, verschieden zu sein."

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Alexander Preker/dpa/him
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