Flutschäden an Unis Bonjour Tristesse

Allein in Sachsen hat das Hochwasser Schäden von über 40 Millionen Euro an den Hochschulen verursacht. Wohnheime und Labors schlugen leck, wertvolle Bücher und Musikinstrumente gingen unter. Nun wollen andere deutsche Unis helfen und sammeln Spenden.


Waschtag: Das Inventar reinigen können die Studentinnen nur in der Weißeritz
TUD / Karsten Eckhold

Waschtag: Das Inventar reinigen können die Studentinnen nur in der Weißeritz

Das Hochwasser in Sachsen weicht, die Schäden an Gebäuden und Geräten treten offen zutage. Dresden hat am schlimmsten gelitten. Insgesamt sind an Sachsens Kultur-, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen Schäden in Höhe von über 100 Millionen Euro entstanden. 90 Prozent davon entfallen auf die Landeshauptstadt, wie das sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst in einer ersten Bilanz ermittelte.

Schäden von knapp 42 Millionen Euro meldete Minister Matthias Rössler aus den Hochschulen, zum Beispiel an der FH Magdeburg-Stendal, der Universität Magdeburg und derTU Freiberg. Viel schlimmer erwischte es jedoch die Dresdner Forstwissenschaftler. Während der zentrale Campus der Technischen Universität Dresden trocken blieb, ging die älteste forstwissenschaftliche Fakultät der Welt in den Fluten unter.

Bücher trocknen statt lernen: Seite für Seite wird Löschpapier eingelegt
TUD / Karsten Eckhold

Bücher trocknen statt lernen: Seite für Seite wird Löschpapier eingelegt

Im sonst so idyllischen Tal in Tharandt schlugen sieben Uni-Gebäude leck, als die Weißeritz sich von einem friedlichen Bach in einen reißenden Strom verwandelte. So landeten 6000 Bücher in den Wassermassen, wurden teils von Tauchern unter den Studenten geborgen und später von freiwilligen Helfern Seite für Seite mit Löschpapier getrocknet.

Die Dresdner Uni-Klinik verzeichnete Schäden von fast zwölf Millionen Euro, auch einige Wohnheime in Dresden und zwei Mensen sehen deutlich anders aus als vor der Neuen Deutschen Welle - über 2,4 Millionen Euro braucht das Studentenwerk für die Restaurierung.

Derweil sind die Künstler an der Musikhochschule mit ganz anderen Dingen beschäftigt als üblich. "Trockenlegen" lautet dort die Devise - und neue Instrumente kaufen. Denn das gesamte schwere Instrumentarium der Abteilung Jazz/Rock/Pop in den Fluten der Weißeritz versunken, auch viele Noten wurden kräftig gewässert. Rektor Wilfried Krätzschmar hofft, zu Studienbeginn Anfang Oktober wieder "spielbereit" zu sein: "So normal wie möglich", lautet seine Regieanweisung.

Das Semester soll also trotz allem pünktlich beginnen. Sowohl die Technische Universität als auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft sehen den Start ins Wintersemester am 1. Oktober nicht in Gefahr. Für die Aufräumarbeiten in der Stadt stellte sie alle Mitarbeiter von ihren Tätigkeiten frei und versicherte ihnen ausdrücklich, dass sie keine Gehaltskürzungen befürchten müssen, wenn sie Sandsäcke verladen, Keller auspumpen oder Wohnungseinrichtungen entrümpeln: "Jeder Mitarbeiter der TUD hat die Möglichkeit, dann und dort zu helfen, wo in Folge des Hochwassers Hilfe benötigt wird."

Vor der Welle sah es in Tharandt friedlich aus: Gebäude der Forstwissenschaften an der Weißeritz
UJ / Eckhold

Vor der Welle sah es in Tharandt friedlich aus: Gebäude der Forstwissenschaften an der Weißeritz

Die TU rechnet mit 20 Millionen Euro, um alle Schäden zu begleichen. Am Montag gab es an der Uni einen kleinen Festakt, weil Kanzler Alfred Post seinen 60. Geburtstag feierte - aber ohne Geschenke. Denn statt zu feiern, sollte jeder Euro auf das Spendenkonto der TU Dresden fließen.

Inzwischen haben auch andere Hochschulen, darunter die Universitäten in Bochum und Hamburg, zu Spenden aufgerufen. "In Hamburg wissen wir, welche katastrophalen Folgen und menschlichen Tragödien nach einer Flut zu bewältigen sind", erklärte zum Beispiel der Hamburger Uni-Präsident Jürgen Lüthje. Auch Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, trommelt ebenfalls, die TU Dresden beim Wiederaufbau zu unterstützen.

Jochen Leffers


SPENDENKONTO

  • Empfänger: TU Dresden Stiftung
    Kontonummer 4 630 373
    Bankleitzahl 850 800 00
    Dresdner Bank AG
    Kennwort "Hilfe für TU Dresden"



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