Forscher-Karneval "Her mit den pubertierenden Finnen"

Humor und Wissenschaft - das sind im Alltag zwei feindliche Parallelwelten. Aber im rheinischen Karneval ist alles möglich, und einmal jährlich wollen selbst Bildungsfunktionäre beherzt schunkeln. UniSPIEGEL ONLINE war dabei, als ihre Witzischkeit am Montagabend keine Grenzen mehr kannte.

Ein Gutachter der krachseriösen Deutschen Forschungsgemeinschaft als Pirat? Der Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) als durchgeknallter Professor? Und die Sachbearbeiterinnen aus dem Bundesbildungsministerium als Tanztruppe - wollen mer se wirklich reinlassen? Wenn sich der rheinische Frohsinn Bahn bricht, schlagen auch die Mitarbeiter von Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen über die Stränge. Und so ging es beim "Forschologicum", der Bonner Jecken-Sitzung, hoch her.

"Witzige Wissenschaftsfunktionäre, die sind vielleicht nur schwer vorstellbar", räumt Angela Lindner, außerhalb der fünften Jahreszeit Pressesprecherin beim ehrwürdigen Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, ein. "Aber wer sich das ganze Jahr mit dem Transrapid, Juniorprofessuren und der Dienstrechtsreform beschäftigt, findet genug Stoff für ein solides Kabarettprogramm."

"Umfrage für ob wir Deutsch können" -
ja, wie finnisch denn das?

Schon zum neunten Mal trafen sich die Karnevalsverrückten zum Forschologicum. Mit dabei: Schnurrbartweltmeister Jean Pütz von der WDR-"Hobbythek" als Cowboy und NRW-Bauminister Michael Vesper (Grüne), der als pubertierender Schüler mal eben das Pisa-Debakel erklärte. "Lehrer sind doch voll die Null-Checker", krakeelte Vesper mit rotzigem Unterton, "ey, da machen die 'ne Umfrage für ob wir Deutsch können. Voll krass, dabei müssen die doch wissen, dass wir das nicht können."

Und weil jeder Skandinavier mittlerweile besser Deutsch spreche als die hiesigen Jugendlichen, forderte DAAD-Generalsekretär Christian Bode: "Her mit den pubertierenden Finnen!" Allerdings, kritisierte der neunfache Dr. humoris causa (h.c.), sei die internationale Bildungsstudie schon deshalb "absolut unfair" gewesen, weil die deutschen Schüler die Testaufgaben selber lesen mussten.

Ansonsten, verkündete Bode, seien Wissenschaft und Karneval zwei ziemlich verwandte Veranstaltungen - von fachlichen Ausnahmen abgesehen: "Na ja, es gibt auch Naturwissenschaftler, das muss man sagen. Es gibt ja sogar Ingenieure", sinniert der DAAD-Mann. Und in Aachen, da habe er tatsächlich doch einmal einen Ingenieur getroffen, der obendrein auch noch Karnevalist war.

Im Übrigen müsse er sich seit Einführung der Professorenbenotung durch Studierende ganz neu orientieren: "Ich mache jetzt einen Schminkkurs, aus Imagegründen", berichtete Christian Bode. Den gleichen Hintergrund habe auch sein Bemühen um einen repräsentativen Schnurrbart. "Ich kann mich nur nicht entscheiden, ob das Jean-Pütz-Modell oder der von Peter Struck besser ist." Der SPD-Politiker Struck habe jedenfalls "so etwas unerklärlich Erotisches".

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