Neues Auswahlverfahren Frankreich will nationale Zulassungsbeschränkung für Medizinstudenten abschaffen

Angehende Mediziner in Frankreich sollen nicht mehr durch eine zentrale Prüfung ausgesiebt werden. Damit will die Regierung gegen den Ärztemangel vorgehen - jede Uni soll den Zugang selbst regeln.

Medizinstudenten (Symbolbild)
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Medizinstudenten (Symbolbild)


Frankreich will die nationale Zulassungsbeschränkung für Medizinstudenten ab dem Jahr 2020 abschaffen. Die Pariser Nationalversammlung billigte am Dienstagabend mit großer Mehrheit einen entsprechenden Gesetzentwurf, über den nun der Senat beraten muss.

Ziel der Reform sei es, die Zahl der ausgebildeten Ärzte um 20 Prozent zu erhöhen und so mehr Mediziner in die ländlichen Regionen zu bringen. Aber auch die Vielfalt unter den Studierenden soll durch neue Zulassungsvoraussetzungen erhöht werden, teilte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn mit. "Die Abschaffung des Numerus clausus ist eine Maßnahme des gesunden Menschenverstands", schrieb sie auf Twitter.

Bis dato müssen sich Medizinstudenten in Frankreich nach dem ersten Studienjahr einer Prüfung stellen, die darüber entscheidet, ob sie weiterstudieren dürfen. Diese zentrale Prüfung soll laut dem Gesetzentwurf fallen.

Ein Auswahlverfahren soll es aber weiterhin geben - nur solle dies nicht mehr national gesteuert werden, sondern nach den regionalen Bedürfnissen entschieden werden. "Der gesamte Prozess wird anspruchsvoll und selektiv bleiben, um ein hohes Maß an Kompetenz für zukünftige Angehörige des Gesundheitswesens zu gewährleisten", heißt es in dem Gesetzentwurf.

Betroffen sind unter anderem die Studiengänge Medizin, Pharmazie und Zahnheilkunde. Im vergangenen Jahr gab es in diesem Bereich gut 8200 Studienplätze, die Zahl soll je nach regionalem bedarf um bis zu 20 Prozent wachsen.

In Deutschland gehören Medizin, Tier- und Zahnmedizin sowie Pharmazie zu den Fächern mit einer zentralen Studienplatzvergabe. Wer Arzt werden möchte, braucht bisher sehr gute Schulnoten und muss oft trotzdem mit Wartesemestern rechnen.

Ab 2020 soll es auch in Deutschland neue Zulassungsbedingungen geben. Die Kultusministerkonferenz einigte sich im vergangen Jahr darauf, dass nicht mehr nur die Abi-Besten eine Chance auf einen Medizinstudienplatz haben sollen.

Eine neue zusätzliche Eignungsquote soll unabhängig von der Abiturnote gelten. Zehn Prozent der Plätze sollen damit ab 2020 an Bewerber gehen, die sich beispielsweise durch berufliche Vorerfahrung auszeichnen - etwa als Notfallsanitäter.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember 2017 entschieden, dass das bisherige Zulassungsverfahren teilweise verfassungswidrig ist und neu geregelt werden muss.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, angehende Mediziner in Frankreich sollten nicht mehr anhand der Abinote ausgewählt werden. Das ist nicht korrekt. Die französische Bildungsministerin teilte zwar mit, dass der Numerus clausus abgeschafft werde. Gemeint waren damit aber die nationalen Zulassungsbeschränkungen, nicht der Abiturschnitt. Der spielt in Frankreich bei der Studienplatzvergabe für Mediziner keine Rolle.

sun/dpa/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Sibylle1969 20.03.2019
1.
Ich habe mal irgendwo gehört, in Frankreich würde jeder Bewerber zum vorklinischen Teil des Medizinstudiums zugelassen, dort würde aber dann kräftig ausgesiebt vor der Zulassung zum klinischen Teil des Studiums. Dann war das anscheinend falsch, wenn es doch einen NC gibt in Frankreich.
uvlindern 20.03.2019
2. NC in Frankreich ?
In Frankreich gibt es keinen NC für Humanmedizin, Zahnmedizin oder Pharmazie. Vielmehr bereiten sich die Abiturienten ein Jahr auch einen sogenannten "Concours" vor. In diesem Wettbewerb werden innerhalb von 2 Prüfungstagen die erworbenen Kenntnisse in Biochemie, - physik, Anatomie usw. abgefragt. Die besten in dieser Auswahl dürfen dann weiter Medizin studieren (Anzahl je nach Quote), die schlechteren dürfen dann noch auf Pharmazie hoffen oder auch weiter Hebamme studieren. Wer noch übrig bleibt, und das sind ein paar tausende, kann diesen Wettbewerb noch ein Mal im Folgejahr wiederholen.
fontels 20.03.2019
3. schlecht recherchiert
was allgemein in F als Numerus Clausus beim Medizinstudium bezeichnet wird ist die Anzahl der Studenten die nach dem Concours am Ende des ersten Jahres weiterkommen. Bin 1977 mit mittelmäßigem Abi (2,4) nach F ausgewandert. In D hätte ich 5 Jahre warten müssen. Concours geschafft.. und immer noch Arzt in F. Ich finde diese Lösung die ehrlichste. Fast alle zulassen und nach einem Jahr wird gesiebt.
rainer99 20.03.2019
4.
Numerus clausus wie in Deutschland gab es in Medizin in Frankreich nicht. Bisher wurden theoretisch alle Bewerber für das erste Jahr Medizin zugelassen. Das erste Jahr Medizin ist identisch für angehende Mediziner, Zahmediziner, Hebammen, Kinetherapeuthen ... Für das erste Jahr Medizin sind z.B. z.Zt an der UNI Nizza ca 1500 Studenten eingeschrieben. Nur die Besten ( ca 15%) erhalten einen Platz für das zweite Jahr Medizin. Nach der Reform bleibt die Auswahl im Prinzip ähnlich (Plätze sind begrenzt) nur dass die Auswahl graduell auf drei Jahre verteilt -wird und ein Quereinstieg von anderen Disziplinen einfacher wird.
DieButter 20.03.2019
5.
In Frankreich gibt es keinen Numerus clausus, wie wir ihn in Deutschland verstehen. Da werden in Medizin erstmal alle Studenten zugelassen und dann gnadenlos ausgesiebt, so dass vielleicht 10 % dieser Studenten dann überhaupt in die Klinik weiterkommen, um dort dann zu Ärzten ausgebildet zu werden. Deshalb ist der Gehalt des Artikel leider Null, weil man nicht weiß, was jetzt da eigentlich neu beschlossen worden sein soll? Vermutlich geht es um eine Anhebung der Quote von 10%, also dass ab jetzt 20 % durchgelassen werden. Macht auch sonst keinen Sinn, denn wenn man bloß die Zahl der Bewerber erhöht, aber nicht die Zahl der zugelassenen Studienplätze für die Klinik, hat man immer noch genausowenig Ärzte, wie zuvor?
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