Plagiatsvorwürfe gegen SPD-Familienministerin Giffey will ihren Doktortitel mit Gutachten retten

Franziska Giffey wehrt sich juristisch gegen Plagiatsvorwürfe. Die Argumentation ihres Anwalts geht nach SPIEGEL-Informationen so: Die Ministerin habe in ihrer Dissertation eine amerikanische Zitierweise befolgt.

Franziska Giffey: Ihre Doktorarbeit wird von der FU Berlin überprüft.
Kay Nietfeld/ DPA

Franziska Giffey: Ihre Doktorarbeit wird von der FU Berlin überprüft.


Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, mögliche Kandidatin für den SPD-Vorsitz, kämpft um ihren Doktortitel. Vor einigen Wochen übergab Giffey ihrem Anwalt die Unterlagen aus der Zeit ihrer Promotion, darunter mehrere Ordner mit Aufzeichnungen sowie ein USB-Stick mit Hunderten E-Mails.

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Auf Basis dieser Dokumente erstellte der Anwalt ein Gutachten für die Kommission der Freien Universität Berlin, die derzeit den Vorwurf prüft, die Sozialdemokratin habe in ihrer Dissertation über "Europas Weg zum Bürger" schlampig zitiert.

Nach Angaben von mit der Materie vertrauten Personen wird in dem Gutachten darauf verwiesen, dass Giffeys damalige Doktormutter ihr eine bestimmte amerikanische Zitierweise vorgegeben habe, bei der die Verweise auf andere Werke deutlich weniger detailliert ausfallen als im deutschen Stil.

Entscheidungstermin noch offen

Damit, so die Argumentation, könne von einer Täuschung keine Rede sein, weil Giffey lediglich umgesetzt habe, was von ihr verlangt worden sei. Ob sich die Kommission dieser Argumentation anschließt, ist ebenso offen wie die Frage, wann das Gremium über eine mögliche Aberkennung von Giffeys Doktortitel entscheidet. In der SPD werden Giffey große Chancen auf den Parteivorsitz eingeräumt, falls es ihr gelingen sollte, die Täuschungsvorwürfe gegen sie zu entkräften.

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hic/vme

insgesamt 278 Beiträge
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Seite 1
awes 22.06.2019
1. Zitierweise?!
... deutsch, amerikanisch?! Es gibt gar kein Vertun, dass in Dtld. wie in den USA Quellen kenntlich gemacht werden müssen. Dies hat Fr. Giffey sehr wahrscheinlich auch in einer Eidesstattlichen Erklärung in der Doktorarbeit bestätigt. Wenn Sie nicht sauber zitiert hat, hat sie abgekupfert. Punkt
beathovenr66 22.06.2019
2. Klingt gut..
Die alternative Zitierversion hört sich plausibel an. Die fachliche Bewertung bleibt abzuwarten. Falls "Schummelei" tatsächlich nachgewiesen und von maßgeblicher offizieller Seite bestätigt wird, greift höchstwahrscheinlich der Automatismus des Politikausstiegs. Dies wäre, im Fall Giffey, höchst bedauerlich. Die Frau macht vieles richtig, spricht eine verständliche Sprache und kann, Beispiel Neukölln, Menschen zusammenführen. Von dieser Qualität haben wir nicht viele in unserem Land !
Leuchtturm 22.06.2019
3. Demontage
Spätestens wenn sich die Argumentation der Zitierweise als schlüssig herausstellt sollte man die Vorwürfe gegen Frau Giffeys im politischen. Raum fallen lassen, unabhängig davon wie die Kommission der Universität entscheidet. Wir wären sonst auf dem besten Weg, politische Hoffnungsträger wegen Lappalien zu demontieren.
allesinbutter24 22.06.2019
4. Bitte weitermachen!
Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es dieser Politikerin gelingt, ihren Weg fortzusetzen. Sie wirkte auf mich immer aufrichtig und authentisch. Bis jetzt hat sie doch schon einiges bewegt, erst in Berlin-Neukölln und jetzt als Bundesministerin.
bert1966 22.06.2019
5. Andere Sitten - nur wegen anderer Zeiten?
Sehr erstaunlich, dass dieses Thema journalistisch so deutlich unter dem Aufmerksamkeitsradar gehalten wird. Ich erinnere eine Reihe anderer Minister, deren Kopf zu diesem Zeitpunkt der "Ermittlungen" bereits beinahe täglich gefordert wurde. Frau Giffey wird sich also, selbst wenn sie ihren Titel verliert, vermutlich damit trösten dürfen, wenigstens nicht auf ihr Ministeramt verzichten zu müssen. Zweierlei Maß.
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