Giffeys Doktortitel Plagiatsjäger kritisiert nachsichtige Entscheidung der FU Berlin

Familienministerin Franziska Giffey kommt in ihrer Plagiatsaffäre mit einer Rüge davon. Plagiatsjäger Gerhard Dannemann sagt dem SPIEGEL: Dem milden Urteil fehle die rechtliche Grundlage.
Plagiatsjäger Gerhard Dannemann (Archiv): Rechtliche Grundlage fehlt

Plagiatsjäger Gerhard Dannemann (Archiv): Rechtliche Grundlage fehlt

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ DPA

Ein Plagiatsjäger von VroniPlag Wiki hat Unverständnis über die Entscheidung der Freien Universität geäußert, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) nicht den Doktortitel zu entziehen, sondern sie lediglich zu rügen. Er habe die Berliner Hochschule im Umgang mit Plagiaten bisher strenger erlebt, sagt VroniPlag-Mitstreiter Gerhard Dannemann.

Der Wissenschaftler wies auf den hohen politischen Druck hin. Giffey hatte angekündigt, ihr Amt als Familienministerin aufzugeben, hätte sie ihren akademischen Grad verloren. Für die strauchelnde SPD ist sie eine wichtige Personalie. Die 41-Jährige wird im rechten wie im linken Flügel geschätzt und ist eine Hoffnungsträgerin in der Partei.

Für die erteilte Rüge fehlt es nach Dannemanns Einschätzung an einer rechtlichen Grundlage. "Die Rechtsprechung lässt eine solche Rüge zu, wenn das in der Promotionsordnung vermerkt ist", kritisiert der Jurist. Dies sei an der Freien Universität (FU) aber nicht der Fall.

Giffey schrieb "direkt und indirekt über sich selbst"

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ihre Dissertation trägt den Titel "Europas Weg zum Bürger - Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft".

Der emeritierte FU-Professor und Sozialwissenschaftler Peter Grottian hat Giffeys Arbeit nicht nur wegen etwaiger Fälschungen kritisiert, sondern wegen mangelnder wissenschaftlicher Distanz: In der Auseinandersetzung mit ihrem Promotionsthema, der Beteiligung der Zivilgesellschaft an der EU-Politik am Beispiel von Berlin-Neukölln, habe Giffey als damalige Europabeauftragte von Neukölln "direkt und indirekt über sich selbst" geschrieben, hatte Grottian im April öffentlich moniert. (Einen Kommentar dazu lesen Sie hier.)

"Standards nicht durchgängig beachtet"

Die FU kam bei der Prüfung der Arbeit zu dem Schluss, dass es in der Dissertation zwar Mängel gebe, dass das Gesamtbild der festgestellten Mängel die Entziehung des Doktorgrades aber nicht rechtfertige. Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit halte das Präsidium der Universität eine Rüge für geboten. Damit missbillige man, dass Giffey "die Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht durchgängig beachtet" habe. Die FU werde die Rüge in der veröffentlichten Fassung der Dissertation kenntlich machen.

red