Frauen an Unis Karriere im Kriechgang

Frauen an den deutschen Hochschulen kommen eher langsam als gewaltig: Unter den Studierenden liegt ihr Anteil zwar bei fast der Hälfte, doch im akademischen Olymp wird die Luft dünn - nur jede zehnte Professur ist mit einer Frau besetzt.

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Wiesbaden/Köln - Der Anteil der Frauen an den Studierenden in Deutschland ist in den letzten zwanzig Jahren stetig gestiegen. Im Wintersemester 2000/2001 hat sich ihre Quote bei den Erstsemestern auf fast 49 Prozent erhöht, bei allen Studierenden auf 46 Prozent. 1980 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lediglich 37 Prozent.

Dennoch müssen Frauen an den Universitäten und Fachhochschulen weiter mit strammem Gegenwind rechnen. Frau Professor bleibt selten: Je höher die Stufe auf der Uni-Leiter, desto dünner wird die Luft für Frauen. Bei den Doktoranden beträgt ihr Anteil immerhin rund 30 Prozent und nimmt auf den mittleren Laufbahnebenen schon spürbar ab. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft mitteilte, ist nur jede zehnte Professorenstelle ist mit einer Frau besetzt. Das sind zwar fast doppelt so viele Wissenschaftlerinnen wie vor zwanzig Jahren. Doch in der höchsten Besoldungsstufe C4, der universitären Beletage, dümpelt der Frauen-Anteil weiter bei nur sechs Prozent.

Die halbherzigen Frauenförderungsprogramme und -stipendien der letzten Jahre zeigen offenbar kaum Wirkung. "Obwohl sich 1999 gut doppelt so viele Akademikerinnen habilitierten wie 1992, hat die Zahl der Fachhochschul- und Universitäts-Professorinnen seitdem nur um etwas mehr als die Hälfte zugelegt", berichtete das Institut der deutschen Wirtschaft. Besonders problematisch: Im entscheidenden Alter zwischen 30 und 40 brauchen Wissenschaftler ihre volle Kraft und ihren ganzen Ehrgeiz, um an der Hochschule voranzukommen. Mit Familienplanung oder gar einer "Babypause" geht das kaum zusammen - und so bleiben die Herren bei der Bewerbung auf eine Professur häufig unter sich.

Besonders krass ist das Missverhältnis in den ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen. So lehrt an mancher Technischen Universität oder Fachhochschule keine einzige Professorin. Und selbst die Lehrstühle für Gynäkologie sind traditionell fest in Männerhand - Frauenheilkunde, so scheint es, ist in Deutschland Männersache. Eine Fernsehserie mit dem Titel "Dr. Stefanie Frank - die Ärztin, der die Frauen vertrauen" wird vermutlich noch einige Zeit auf sich warten lassen.



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