Freiburger Besetzung Und tschüß, Rektor, bis demnächst

Nach 13 Tagen haben Freiburger Studenten das besetzte Rektorat geräumt. Man verabschiedete sich freundlich: Die Uni spendierte einen Lastwagen für den Abtransport, die Protestler revanchierten sich mit einer Putzaktion.

Sie verhielten sich friedlich, aber die Universitätsangestellten haben sie trotzdem genervt: Einige dutzend Freiburger Studenten haben fast zwei Wochen lang das Rektorat der Hochschule besetzt gehalten, um gegen Studiengebühren und gegen ihren Rektor zu protestieren. Die Uni-Leitung verzichtete auf eine Räumung des Gebäudes. Nun zogen die Besetzer freiwillig wieder ab.

Am Sonntagnachmittag wurde es wieder ruhig. "Freiburger Frühling" heißt die kleine Rebellion der Studenten, ein munterer Protest mit allerlei Aktionen inklusive HipHop-Hymne. Vor zwei Wochen zogen rund 1000 Studenten nach einer Demonstration in der Freiburger Innenstadt zum Rektorat und besetzten die Eingangshalle. Nicht alle wollten danach wieder gehen: Etwa 30 Studenten harrten aus und lieferten sich mit den Rektoratsmitarbeitern heiße Diskussionen, vor allem über das Reizthema Studiengebühren.

Sie haben das Gebäude mitsamt ihren Schlafsäcken, Teekochern, Musikanlagen verlassen. Dabei half die Uni-Leitung: "Wir haben extra einen Lastwagen für den Abtransport der Sachen bestellt, die die Studenten nach und nach in die Eingangshalle gebracht hatten", sagte Rudolf-Werner Dreier, Pressesprecher der Universität.

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Studiengebühren: Die Proteste der Studenten

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Die Situation, so Dreier, sei für alle Beteiligten belastend gewesen. Denn in den oberen Stockwerken des Rektorats befinden sich Büro- und Laborräume sowie eine wertvolle archäologische Sammlung. Dort mussten die Mitarbeiter Tag und Nacht Wache schieben und brachten ihrerseits Schlafsäcke mit.

"Insgesamt waren 21 Mitarbeiter täglich mit der Aufsicht befasst", sagte Dreier. Auch die Polizei sei täglich vor Ort gewesen. Sie hielt sich aber im Hintergrund, denn die Universität verzichtete auf eine Strafanzeige und wollte die Besetzung einvernehmlich beenden. "Wir wollen keine Hamburger Verhältnisse", sagte Prorektor Karl-Reinhard Volz in Anspielung auf die heftigen Auseinandersetzungen zwischen protestierenden Studenten und rabiaten Polizisten in der Hansestadt.

"Wir haben auf die Vernunft der Studierenden und auf den Dialog gesetzt. Diese Strategie ist aufgegangen", sagte Dreier. Die Studenten wehrten sich nicht nur gegen die in Baden-Württemberg ebenso in vielen anderen Bundesländern geplante Einführung von Studiengebühren, sondern nahmen speziell auch Uni-Rektor Wolfgang Jäger aufs Korn: Von ihm fühlten sie sich "nicht vertreten", verlangten Jägers Rücktritt oder zumindest eine deutliche Distanzierung der Universität von Gebühren.

Die bekamen sie nicht und blieben - mit kollektivem Kochen und Kinovorstellungen, Fußball, Livemusik und Arbeitskreisen. Die Universität präsentierte sich relativ gastfreundlich, und das wussten die Besetzer zu schätzen: Am Ende versammelten sie sich noch zum Großreinemachen, bevor sie die Eingangshalle des Rektorats freimachten.

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