Für mehr Lebenserfahrung US-Uni bezahlt Erstsemestern ein Jahr Auszeit

Ein Jahr lang die Welt erkunden und nicht ans Geld denken müssen: Diesen Traum machen einige US-Universitäten für ausgewählte Erstsemester wahr. Die Idee dahinter: Pause machen tut gut.

Bulli im Nirgendwo gefällig? Wer es erst einmal an die elitäre Tufts geschafft hat, kriegt 2015 die Chance auf ein Bummelstipendium
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Bulli im Nirgendwo gefällig? Wer es erst einmal an die elitäre Tufts geschafft hat, kriegt 2015 die Chance auf ein Bummelstipendium


Um die Welt reisen, in einem Hilfsprojekt arbeiten, sich und das Leben besser kennenlernen: Für viele gehört ein Jahr Pause nach der Schule zum Lebensplan - bevor es mit einem Studium weitergeht, mit Lernen, Deadlines und Karriereplanung.

Damit es nicht am Geld fehlt, wollen einige US-Unis ihren künftigen Studenten unter die Arme greifen. So will die Tufts University im US-Bundesstaat Massachusetts im Herbst 2015 ein Programm für ihre Erstsemester starten, die kurz vor dem Studium stehen und knapp bei Kasse sind.

Es soll eine Art FSJ im In- oder Ausland ermöglichen. Bezahlt werden Reisekosten, Unterbringung und andere Ausgaben der Studenten. Von dem Programm "Tufts 1+4" sollen vor allem diejenigen profitieren, die sich ein sogenanntes Gap Year sonst nicht hätten leisten können.

"Die Idee hinter unserem Programm ist es, den neuen Studenten eine Erfahrung zu ermöglichen, die auch die danach folgenden vier Jahre ihrer Ausbildung prägen wird", sagt Alan D. Solomont von der Tufts University. Im ersten Jahr sollen 50 Studenten ein Stipendium erhalten, später will die Uni das Programm noch ausbauen.

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Auch andere US-Hochschulen bieten ihrem jungen Nachwuchs eine einjährige bezahlte und organisierte Auszeit, um die Welt zu erkunden, andere Kulturen kennenzulernen und internationale Erfahrungen zu sammeln; darunter Princeton und die University of North Carolina. Aber die Regel sei ein solches Angebot nicht, schreibt die American Gap Association (AGA), eine gemeinnützige Organisation, die für Gap Years wirbt.

Die AGA ist der Überzeugung, dass eine Auszeit zwischen Schule und Uni die späteren akademischen Ergebnisse verbessert. "Der grundsätzliche Gedanke ist, dass junge Leute, die eine Pause machen, um die Arbeitswelt kennenzulernen und sich über ihre Ziele für die Uni im Klaren werden, bessere Leistungen erbringen, wenn sie sich danach an einer Hochschule einschreiben", heißt es auf der Website der Organisation.

lgr/jbe/Reuters



insgesamt 10 Beiträge
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Pelao 17.09.2014
1. Vielleicht ende so langsam die Dekade der Durchlauferhitzer ...
... in der guten alten Zeit befand sich zwischen Abi und Studium der Wehrdienst oder Zivildienst. Wir Studenten, die dann an die Uni kamen, waren glücklich, endlich wieder etwas lernen zu dürfen. Dieses Privileg wurde den "jungen" Generationen genommen ... ohne Not ... das Resultat ... Menschen die nur wegen der Note lernen, die Lust darauf aber völlig verloren haben ... arme Welt, die nach diesen Prinzipien versucht, ihre Eliten aufzubauen ...
Sleeper_in_Metropolis 17.09.2014
2.
---Zitat--- Ein Jahr lang die Welt erkunden und nicht ans Geld denken müssen: Diesen Traum machen einige US-Universitäten für ausgewählte Erstsemester wahr. Die Idee dahinter: Pause machen tut gut. ---Zitatende--- Und das ausgerechnet in Amiland, wo man ja normalerweise jede unproduktive Minute schon als Sünde sieht ?
Andalusier 17.09.2014
3. ein Hoffnungsschimmer ?
hat da jemand erkannt, dass für die persönliche Entwicklung neben dem reinen büffeln auch noch Zeit da sein sein sollte ?
Layer_8 17.09.2014
4.
Das hab ich damals auch für mich selbst erkannt. Abi, dann gleich Bundeswsehr und dann gleich Uni. Nach dem Vordiplom nahm deswegen auch eine Auszeit und bin mit Rucksack durch Asien gereist. Pakistan bis Indonesien. Bezahlt durch den Daimler, dem ich vorher in nächtlichen Nachtschichten zu Produktionsdiensten stand. Habe in diesen 3 Abwesenheitssemestern wirklich viel "fürs Leben" gelernt, und auch manche Dinge "verpasst". Die gesamte deutsche Wiedervereinigung ab Mauerfall bekam ich durch asiatische Zeitungen vermittelt.
blackpride 17.09.2014
5. Das wird, wie ich glaube,
die in den USA vorhandene Weltoffenheit nur marginal erhöhen. Aber dennoch eine gute Aktion! Habe bisher (neben Deutschland) in drei Ländern auf zwei Kontinenten gelebt und so erweitert man in der Tat seinen Horizont. Will eigentlich gar nicht wieder nach D zurück. Ist doch langweilig. Viel Spaß, liebe Studenten.
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