Frequenzstreit beim Uni-Radio Mephisto gegen Oldiesender

Das Leipziger Uni-Radio teilt sich bisher eine Frequenz mit einem kommerziellen Privatsender und einem Lokalprogramm. Nun soll "Mephisto" verdrängt und vielleicht sogar ins Internet verbannt werden - wegen kritischer Berichte, argwöhnen die Radiomacher und wehren sich nach Kräften.

"Ich bin der Geist, der stets verneint, denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht", lässt Goethe seinen Mephisto in "Faust I" sagen. Das sehen die Leipziger "Mephisto"-Macher sicher anders, vor allem wenn es um ihr Programm geht. "Mephisto 97,6" ist seit Mai 1995 jeden Werktag mit einem vierstündigen Lokalprogramm im Ballungsraum Leipzig/Halle auf Sendung und eines der ältesten Radioprojekte an deutschen Hochschulen. Der Sender gehört zur Journalistenausbildung des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig.

Bisher teilt "Mephisto" sich die Frequenz mit "Oldie.fm", einem kommerziellen Privatsender, sowie dem nicht kommerziellen Lokalprogramnm "Radio blau" des Radiovereins Leipzig. Das klappte bisher gut, doch nun will die Sächsische Landesmedienanstalt die Frequenz komplett dem Oldiesender überlassen.

Strafaktion gegen einen kleinen, tapferen Sender?

Frequenzen sind rar und begehrt. Den Plänen nach sollen "Mephisto" und "Radio blau" auf neu ausgeschriebene, örtliche UKW-Wellen ausweichen - doch deren Reichweite ist deutlich geringer. Die Studenten und Professoren wunderten und ärgerten sich; schließlich wurde die "Mephisto"-Frequenz erst im letzten Jahr bis 2009 verlängert.

Schnell keimte der Verdacht, die geplante Verbannung könnte als Strafe für regierungskrische Berichterstattung zu verstehen sein, vor allem im Streit um den Wiederaufbau der Paulinerkirche auf dem Leipziger Campus. Die Landesregierung hatte für den Wiederaufbau plädiert, die Universität die Pläne scharf verurteilt, der Sender kritisch berichtet. Und immerhin ist Kurt-Ulrich Mayer, Präsident des Medienrates, CDU-Kreisvorsitzender in Leipzig und im Kirchenstreit nicht neutral.

Mayer wies die Vorwürfe zwar vehement zurück, doch die Radiomacher wollen sich keineswegs auf eine schwache Frequenz verbannen lassen. Nun soll es Ende Febuar und Anfang März neue Gespräche mit der Landesmedienanstalt geben. Unterdessen bezeichnete Heiko Hilker, Medienexperte der PDS im Landtag, den Sender als "Wahrzeichen Leipzigs", dem perspektivisch eine Vollfrequenz gegeben werden müsse.

Jochen Leffers

Interviews mit dem "Mephisto"-Programmdirektor und dem Geschäftsführer der Landesmedienstalt zum Leipziger Konflikt

Lesen Sie im zweiten Teil:

"Mephisto" bald nur noch als Web-Radio?

Interview mit Professor Rüdiger Steinmetz, Programmdirektor von "Mephisto 97,6"

Warum sollen Sie denn weg von Ihrer starken Frequenz?

Rüdiger Steinmetz: Diese Frequenz teilen wir uns mit einem kommerziellen Radio, das daran interessiert ist, sein Format "rein" zu halten. Da sind wir auf Dauer unter Vermarktungs- und Werbungsgesichtspunkten für kommerzielle Rundfunkveranstalter ein Störfaktor.

Und wieso müssen Sie da zurückstecken?

Steinmetz: Wir sind das einzige Radio, das sich eine solche Position im Laufe von acht Jahren erarbeitet hat. Deshalb werden wir da nicht so einfach zurückstecken. Wir teilen uns diese Frequenz auch. Jeder von uns hat eine eigene Frequenz. Zu den Aufgaben der sächsischen Landesmedienanstalt gehört es, vor allem kommerzielle Veranstalter zu fördern, aber auch Ausbildungs- und Nachwuchsradios. Möglicherweise hat sich die Position etwas verändert. Seit drei Jahren wird jetzt dieser Frequenzwechsel betrieben.

Es gibt ja noch eine andere Vermutung, warum Sie wegsollen. Leipzigs SPD hat die Vorgänge als eine Strafaktion hingestellt, weil "Mephisto" kritisch über den geplanten Wiederaufbau der Paulinerkirche auf dem Universitätsgelände berichtet hatte. Der Initiator dieser Wiederaufbaupläne ist ja gleichzeitig auch der Präsident der Landesanstalt für neue Medien. Sehen Sie da auch einen Zusammenhang?

Steinmetz: Diese Funktionszusammenballung in der Person von Professor Mayer ist sicherlich nicht allzu glücklich. Dennoch halte ich diesen Zusammenhang für etwas weit hergeholt. Ich will nicht daran glauben, dass ein Zusammenhang zwischen der Berichterstattung von "Mephisto" - die sehr, sehr gut, aber auch sehr ausgewogen war, und keineswegs parteiisch - und dieser Frequenzveränderung. Wir sehen das als zwei verschiedene Paar Schuhe an.

Welche Chancen haben Sie denn, auf Ihrer Frequenz zu bleiben?

Steinmetz: Noch ist nichts entschieden. Diese Frequenzen sind ausgeschrieben, und die Sächsische Landesmedienanstalt erwartet, dass wir uns darauf bewerben. Dieses werden wir in aller Ruhe erwägen und die Konditionen - vor allem die technischen - überprüfen. Erst dann können wir beurteilen, wer uns hören kann. Wenn unsere kulturelle Aufgabe und die Informationsaufgabe zur Leipzig und Umgebung geschmälert wird, keiner uns mehr hören kann, werden wir uns auf diese Frequenzen nicht mehr einlassen.

Das könnte natürlich bedeuten, dass Sie nur noch als Web-Radio senden.

Steinmetz: Das ist überhaupt keine Alternative für uns. Wir haben eine wichtige Funktion, die Leute müssen das Radio einstellen können. Wir haben im lokalen, regionalen Bereich eine ähnliche Funktion wie der Deutschlandfunk. Wir werden von vielen Multiplikatoren gehört. Das ist eine wichtige Aufgabe, die werden wir nicht aufs Web verlagern können.

Interview mit Martin Deitenbeck von der Landesmedienanstalt

Im letzten Teil:

"Die Vorwürfe sind unsinnig!"

Interview mit Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien

Warum soll ein Uniradio einem privaten Rundfunkveranstalter weichen?

Martin Deitenbeck: Also, von weichen ist eigentlich nicht die Rede. Wir wollen einen Frequenzwechsel vornehmen. Die Ideen dazu stammen aus dem Jahre 2000. Anfang 2001 hat es die ersten Gespräche gegeben. Der Hintergrund ist der, dass es seit Beginn dieses Frequenzsplitting gibt zwischen "Oldie.fm" und "Mephisto", aber auch "Radio Blau", einen Leipziger Lokalveranstalter, auf der anderen Seite. "Oldie.fm" hat aus kommerziellen Gründen ein Interesse daran, die Frequenz 24 Stunden nutzen zu können, um Werbung schalten zu können, aber auch, um die Durchhörbarkeit des Programms zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund haben Gespräche stattgefunden. Die Vertreter von "Mephisto", aber auch von "Radio Blau" haben gesagt, dass sie an einem Wechsel kein Interesse hätten, sich aber diesem ordnungspolitischen Wechsel nicht verschließen würden, sofern sichergestellt ist, dass die Frequenzen, die wir finden, eine ausreichende Abdeckung des Stadtgebietes gewährleisten. Und mittlerweile ist das mit den drei Frequenzen sichergestellt, so dass wir selbst hoffen, diesen Frequenzwechsel durchführen zu können.

Das sieht der Programmdirektor von "Mephisto" allerdings völlig anders. Der sagt, "Mephisto" erreiche deutlich weniger Hörer, und die Durchhörbarkeit des Uniradios sei nicht mehr gewährleistet, wenn zu verschiedenen Zeiten verschiedene Programmpunkte in verschiedenen Stadtteilen zu hören wären.

Deitenbeck: Die derzeitige Situation ist ja so, dass drei verschiedene Programme zu hören sind auf der 97,6 , und das wird sich in der zukünftigen Konstellation nicht ändern. Im Übrigen ist das Argument, dass es zu einem wesentlichen Einbruch bei den Hörerzahlen kommen wird, schlichtweg falsch. Es ist zwar richtig, dass die 97,6 mit vier KW sendet und die drei Einzelleistungen der Frequenzen, die jetzt ausgewählt worden sind, zusammen knapp ein KW haben. Aber wenn man sich die Versorgungsleistung der Plots anguckt, sind es ganz marginale Unterschiede. Mit den drei Frequenzen, die jetzt koordiniert sind, erreichen Sie mehr als 650.000 Einwohner, also deutlich mehr, als die Stadt Leipzig Einwohner hat.

Trotzdem stellen Sie ja in Ihren Überlegungen die kommerziellen Interessen eines Privatfunkanbieters über die öffentlichen Interessen eines Universitätsradios. Kann man das so einfach machen als Landesanstalt, die ja nicht nur für den privaten Rundfunk zuständig ist?

Deitenbeck: Das ist zunächst mal nicht ganz richtig. Die Landesmedienanstalten sind zunächst zur Förderung des privaten Rundfunks eingerichtet worden, und das ist nach dem Gesetz unsere Aufgabe. Die Ausbildung von Hörfunkjournalisten ist nicht unsere Aufgabe, sondern wäre eventuell die Aufgabe - oder: ist sicherlich die Aufgabe der Universität. Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, wie die Studenten bei "Mephisto" in die Lage versetzt werden, das, was sie üben, auch in die Praxis umsetzen zu können. Und das ist gegeben.

Die Leipziger SPD hat der Landesanstalt mehr oder weniger deutlich unlautere Machenschaften vorgeworfen. "Mephisto" hatte ja ziemlich kritisch über den geplanten Wiederaufbau der Paulinerkirche auf dem Unigelände berichtet, und der drohende Frequenzentzug soll jetzt so eine Art Strafaktion sein, weil der Initiator der Wiederaufbaupläne, Professor Mayer, auch gleichzeitig der Präsident der Landesanstalt für neue Medien ist. Können Sie solche Vorwürfe aus dem Weg räumen?

Deitenbeck: Was heißt aus dem Weg räumen? Ich halte sie schlichtweg für unsinnig. Die Landesmedienanstalt hat keine Zuständigkeit für Sakralbauten, deswegen steht das überhaupt nicht zur Debatte. Da hat eine Politikerin versucht, zwei Themen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben, miteinander zu verknüpfen. Und das ist ihr leider in der Öffentlichkeit gelungen. Aber für uns spielt das keine Rolle.

Was wollen Sie jetzt eigentlich machen, wenn "Mephisto" sich nicht um die schwächeren Frequenzen bewerben wird? Wollen Sie denen dann irgendwann den Saft abdrehen?

Deitenbeck: Nein! Warum? Die Lizenz von "Mephisto" auf der Frequenz 97,6 ist vor gar nicht allzu langer Zeit von der Landesmedienanstalt verlängert worden, und dabei bleibt es. Dagegen gibt es gar keinen gesetzlichen Weg, den wir beschreiten könnten, und wir wollen das auch nicht. "Mephisto" hat das Recht, auf der 97,6 bis zum 31.12.2009 weiterzusenden. Wenn sie das machen wollen, dann können sie das.

"Campus & Karriere" / Deutschlandfunk

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