Geld, Sex, Korruption Juraprofessor legt Geständnis ab

Im Prozess gegen einen Hannoveraner Juraprofessor gibt es Bewegung. Der 53-Jährige soll Doktoranden gegen Geld betreut und Studentinnen gegen Sex gute Noten gegeben haben. Heute gestand er - wegen Schulden nach dem Hausbau habe er die Einnahmen gebraucht.

"Ich habe einen Fehler gemacht", sagte heute der 53-Jährige Juraprofessor Thomas A., der sich vor dem Landgericht Hildesheim wegen Bestechlichkeit verantworten muss. Er habe 69 Kandidaten, die eigentlich nicht geeignet gewesen seien, zur Promotion verholfen. Dafür habe er von einer Promotionsagentur insgesamt 184.000 Euro bekommen.

Im Gegenzug für das Geständnis stellte ihm das Gericht in Aussicht, dass er eine Strafe von maximal drei Jahren erhält. Dem Geständnis war ein eineinhalbstündiges Gespräch über den schnellen Abschluss des Verfahrens vorausgegangen.

Den Vorwurf, mit Doktortiteln gehandelt zu haben, wies der Professor vor Gericht jedoch zurück: Die Betreuung der Promotionskandidaten habe er stets nach bestem Wissen und Gewissen geleistet. Für Promotionskandidaten, die eine zu schlechte Examensnote hatten, habe er Ausnahmegenehmigungen besorgt. Um "Gefälligkeitsgutachten" habe es sich jedoch nicht gehandelt - weder von ihm noch von am Verfahren beteiligten Kollegen. Die Promotionsvorhaben habe er intensiv betreut, so der Professor weiter. Von den 69 Doktoranden hätten nur zwölf den Titel auch tatsächlich erhalten.

Mitangeklagt ist auch der 52-jährige Chef einer Promotionsvermittlung in Bergisch Gladbach. Er soll in 69 Fällen Juristen aus ganz Deutschland an den Professor vermittelt haben, so der Vorwurf. Sie hätten die zur Promotion erforderliche Examensnote "voll befriedigend" nicht erreicht, gegen Geld habe er "die Vermittlung einer geeigneten Themenstellung und eines Betreuers" versprochen.

"Unselige Zusammenarbeit mit Beratungsgesellschaft"

Der angeklagte Promotionsvermittler hat ebenfalls ein Geständnis angekündigt, das für den nächsten Verhandlungstag am 26. März erwartet wird. Ihm wurde eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren sowie eine Geldstrafe von rund 250.000 Euro in 30 Raten in Aussicht gestellt. Nach Angaben seines Verteidigers ist jedoch noch offen, ob er die Summe aufbringen kann und ob er sich auf die Vereinbarung einlässt.

Vor Gericht sagte der Jura-Professor heute, es sei zu einer "unseligen Zusammenarbeit" mit der Beratungsgesellschaft gekommen. In seiner Assistentenzeit habe er auf eine Annonce hin Kontakt zu der Promotionsagentur aufgenommen. Zahlungen habe er erst erhalten, nachdem er in Hannover zum Professor berufen worden sei. "Ich bedaure sehr, dass ich mit Beginn der Zusammenarbeit nicht darauf hingewiesen habe, dass ich als Beamter kein Geld annehmen darf." Wegen massiver finanzieller Probleme aufgrund eines Hausbaus habe er später nicht mehr auf die zusätzlichen Einnahmen verzichten können. Als Professor habe der Angeklagte 4700 Euro netto verdient - zu wenig, um die Schulden abzubezahlen.

Rund 2000 Euro habe er für die Betreuung eines Doktoranden bekommen. Bei erfolgreicher Promotion habe er von der Agentur weitere 2000 Euro erhalten. Bedenken wegen der Zahlungen habe er zwar bekommen, räumte der 53-Jährige ein. Diese habe er aber beiseite geschoben.

Der Prozess hatte bereits Ende Januar begonnen. Nach einem Verhandlungstag wurde er unterbrochen, weil sich die Verteidigung über die Besetzung des Gerichts beschwerte. Sie zweifelte an der Zuständigkeit der Wirtschaftskammer, zudem seien Schöffen falsch besetzt worden. Auch am zweiten Tag gab es Streit um die richtige Zusammensetzung des Gerichts. Die Verteidigung hatte gefordert, den Staatsanwalt auszutauschen, weil er wesentliche Teile der Anklageschrift schon vor dem Prozess veröffentlicht habe. Den Antrag lehnte das Gericht jedoch ab.

Professor äußert sich nicht zur Beziehung mit Studentin

Eine mitangeklagte Studentin, die eine sexuelle Beziehung zu dem 53-Jährigen hatte, konnte bereits Ende Februar aussagen. Sie gab zu, rund fünf Jahre lang eine sexuelle Beziehung zum Juraprofessor gehabt zu haben. Die 30-Jährige habe aufgrund ihrer persönlichen Beziehung zu Thomas A. Vorteile erlangt, so der Richter. Die junge Frau wurde zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Zu seiner Beziehung zur Studentin wollte sich der Professor auf Nachfrage des Richters nicht äußern.

Der Kammervorsitzende Peter Peschka kündigte an, dass die weiteren Bestechlichkeitsvorwürfe gegen den Professor eingestellt würden. Die Anklage warf ihm vor, Studentinnen gegen sexuelle Hingabe bevorzugt oder ihnen einen Uni-Job vermittelt zu haben. Ursprünglich war noch eine weitere Studentin angeklagt, die ebenfalls eine sexuelle Beziehung zu dem Professor gehabt haben soll. Gegen eine Zahlung von 1800 Euro wurde das Verfahren gegen sie eingestellt.

Der Professor wurde bereits vor zwei Jahren suspendiert. An der Universität Hannover darf er seitdem nicht mehr lehren. Er hat dort Hausverbot und wird auf seinem Lehrstuhl vertreten. Seit September vergangenen Jahres sitzt er in Untersuchungshaft.

mer/dpa/AP

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