Geld, Sex, Korruption Prozess gegen Jura-Professor vorerst geplatzt

In Hildesheim muss sich ein 53-jähriger Jurist wegen Bestechlichkeit verantworten. Weil die Verteidigung gegen die Besetzung des Gerichts protestierte, muss der Prozess neu aufgerollt werden. An der Anklage - Titel gegen Geld, gute Noten gegen Sex - ändert das nichts.

Hildesheim - Alles auf Anfang: Nach nur einem Verhandlungstag beginnt der Prozess gegen den Jura-Professor Thomas A. aus Hannover von vorn. Ihm wird Bestechlichkeit in 79 Fällen vorgeworfen. Wie das Landgericht Hildesheim am Montag mitteilte, wurde einem Antrag der Verteidigung gegen die Besetzung des Gerichts stattgegeben. Die sogenannte Besetzungsrüge hatte sich nicht gegen die beiden Schöffen persönlich gerichtet, sondern lediglich gegen das Besetzungsprozedere.

Der Prozess wurde daraufhin ausgesetzt und muss neu gestartet werden. Termine für das neue Verfahren stehen noch nicht fest. Gerichtssprecher Jan-Michael Seidel sagte, die Verteidigung habe "gründlich gesucht und etwas gefunden". Damit habe der Angeklagte allerdings nur eine Verzögerung des Prozesses erreicht, in der Sache bringe der Neubeginn nichts Neues, sagte Seidel.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Professor vor, von 1996 bis 2005 für rund 184.000 Euro 69 Kunden einer Promotionsvermittlung zum Doktortitel verholfen zu haben. Zudem soll er die Klausuren und Hausarbeiten von zwei Studentinnen im Gegenzug für deren sexuelles Entgegenkommen wohlwollend benotet und eine der Studentinnen als studentische Hilfskraft an seinem Lehrstuhl beschäftigt haben.

Laut Anklageschrift hatten sich Juristen, darunter Rechtsanwälte und ein Richter, an die Promotionsvermittlung eines Mitangeklagten aus Bergisch Gladbach gewandt, weil sie die zur Promotion erforderliche Examensnote von "voll befriedigend" nicht erreicht hatten.

Der Professor wurde vor zwei Jahren suspendiert und durfte nicht mehr an der Universität Hannover lehren. Er hat Hausverbot an der Uni und wird auf seinem Lehrstuhl vertreten. Seit September sitzt er in Untersuchungshaft. Im Prozess konnte bisher nur die Anklage verlesen werden. Mit der Neuansetzung muss auch die 30-jährige Ex-Geliebte des Professors als Mitangeklagte weiter warten. Die Jurastudentin hatte gehofft, dass ihr Verfahrensteil zügig abgeschlossen werden kann. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte sie bereits gestanden, ihren Professor durch "sexuelle Hingabe" bei der Notengebung beeinflusst zu haben.

jol/ddp/AP

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