Geldnot britischer Unis Regierungsberater empfiehlt unbegrenzte Studiengebühren

Den britischen Unis fehlt Geld, doch woher sollen sie es nehmen? Die mitregierenden Liberaldemokraten hatten sich bislang gegen Studiengebühren und für eine neue Steuer stark gemacht. Jetzt plant die Regierung offenbar das Gegenteil: Die für die Campusmaut übliche Obergrenze soll fallen.

Gebühren ohne Limit? Ein Studium in Cambridge, England, könnte dann viel teurer werden
picture-alliance / dpa

Gebühren ohne Limit? Ein Studium in Cambridge, England, könnte dann viel teurer werden


Großbritannien ist für Studenten ohnehin ein teures Pflaster und es könnte noch teurer werden. Nachdem schon beschlossen ist, dass künftig Gaststudenten aus Nicht-EU-Ländern mehr Studiengebühren zahlen müssen, soll es nun bald auch die einheimischen Studenten treffen. Zumindest dann, wenn sich eine von der Regierung berufene Expertengruppe unter Leitung des früheren Chefs des BP-Ölkonzerns, John Browne, durchsetzt.

Studenten und Dozenten in Großbritannien empören sich derzeit über eine mögliche Erhöhung der Studiengebühren. Eine von der Regierung beauftragte Reformkommission schlägt in ihrem am Dienstag veröffentlichten Abschlussbericht vor, die Obergrenze von jährlich 3290 Pfund (3800 Euro) für Studiengebühren komplett abzuschaffen. Die Hochschulen sollen künftig selbst bestimmen können, wie hoch die Gebühren für ihre Studenten ausfallen. Die vom Ex-BP-Mann Browne geleitete Kommission vertritt die Ansicht, dass das britische Hochschulsystem auf diese Weise wettbewerbsfähiger werde.

Die Idee einer Absolventensteuer für eine bessere Ausstattung der Hochschulen ist unterdessen vom Tisch. Die Liberaldemokraten unter ihrem stellvertretenden Regierungschef Nick Clegg hatten sich im Wahlkampf für eine solche zusätzliche Einkommenssteuer für Akademiker eingesetzt. Zwar steht die Abgabe noch im Koalitionsvertrag der britischen Koalitionsregierung aus Tories und Liberaldemokraten, doch der konservative Premier David Cameron hatte jüngst klargemacht, dass die umstrittene Abgabe nicht kommen wird.

Nun müssen britische Studenten offenbar mit Gebühren rechnen, für die nicht mehr wie bislang üblich eine Obergrenze gelten soll. Die Studentenvereinigung National Union of Students kritisierte, Studenten aus armen Familien würden so aus Universitäten gedrängt, wenn diese "haushohe Gebühren" kassierten.

Die Dozentengewerkschaft University and College Union nannte die Vorschläge den "letzten Sargnagel für eine bezahlbare höhere Bildung" in Großbritannien. Die umstrittenen Vorschläge dürften auch zu weiterem Streit in der Regierungskoalition aus konservativen Tories und Liberaldemokraten führen: Die Liberaldemokraten hatten sich in der Vergangenheit gegen Studiengebühren eingesetzt.

cht/cvo/AFP

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xsreality 12.10.2010
1. .
Können diese Elite-Universitäten, die regelmäßig alle Rankings abräumen, denn mit ihren tollen Forschungsleistungen keine Geldgeber gewinnen? Oder sind diese Rankings alle verfälscht und es wird nicht auf Leistung, sondern nur auf Namen geschaut und möglichst der anglophone Sprachraum begünstigt?
Hovac 12.10.2010
2. Im
Wettbewerb bestehen? War das Zel von Universitäten nicht die Bildung der Bevölkerung zu verbessern, bzw. heute zumindest den Nachschub an qualifizierten Arbeitnehmern für die Industrie zu sichern. Wettbewerb und Studiengebühren ist schon albern, aber solange die Ausbildung eines Studenten daran gemessen wird wieviele Veröffentlichungen die Uni hat (was hat der Grundlagenstudent davon?) werden solche kruden Ansichten bestimmt auch bei uns mehr und mehr Fuß fassen. Die Exelenzunibemühungen gehen ja vorran.
alfredjosef 12.10.2010
3. Wie schön ist es doch in Deutschland
Wie schön ist es dagegen doch in Deutschland. Wenn die Briten ihre Studiengebühren exorbitant erhöhen, wird es viele kluge Köpfe nach D ziehen. Gut für uns! - vorausgesetzt, wir haben bis dahin Masterstudiengänge in Englisch. Wie kann eine Regierung nur so (fast hätte ich geschrieben "blöd sein") kurzfristig denken!
solitube 13.10.2010
4. ..
Zitat von alfredjosefWie schön ist es dagegen doch in Deutschland. Wenn die Briten ihre Studiengebühren exorbitant erhöhen, wird es viele kluge Köpfe nach D ziehen. Gut für uns! - vorausgesetzt, wir haben bis dahin Masterstudiengänge in Englisch. Wie kann eine Regierung nur so (fast hätte ich geschrieben "blöd sein") kurzfristig denken!
Rankings werden nicht umsonst ein wenig mit Vorsicht genossen. Wenn man sich die im Detail anguckt weiß man schnell was Sache ist, und das tun die Studienbewerber i.d.R. auch! In der öffentlichen Diskussion sollte allerdings kritischer mit Unis umgegangen werden, die von ihrem Ruf leben, denn der deckt sich nicht immer mit dem tatsächlichen Standard (wobei ich das jetzt nicht in erster Linie auf GB beziehe, sondern als allgemeines Problem sehe). Ich habe in GB studiert und dann in Dtland, und mit der Qualität des Studiums selbst, der Unikultur als auch von verwaltungstechnischen und organisatorischen Aspekten her war ich in England um einiges zufriedener und besser bedient. Vielleicht macht es also Sinn, ein wenig Geld in die Unis zu stecken. Was nicht heißt, dass ich der Meinung bin, dass es keine Obergrenze geben sollte, meine Kommilitonen gingen mit 30000 pfund Schulden aus ihrem 3jährigen Studium.. Für ärmere Briten gibt es finanzielle Unterstützung, die Möglichkeit zum Studieren hat also erstmal jeder. (anders als hier, wenn ich an so manchen inkl. mir selbst denke, der sich mühsam mit Nebenjobs durch's Studium gekämpft hat, weil es kein Bafög gab und zuhause eben doch nicht genug da war) Und schaut man mal Richtung USA, wo Studienkosten wirklich ins unermessliche steigen, sieht man, dass dies keinen bemerkenswerten Studentenverlust nach sich zieht. Daher bezweifle ich, dass ein Anstieg der Gebühren bewirkt, dass die Briten sich zunehmend im Ausland bewerben - meiner Erfahrung nachsind diese recht eigen und bleiben sowieso lieber auf ihrer Insel. In den USA muss v.a. kritisiert werden, wieviel hohe Tiere wie Uni-Präsidenten verdienen (NYU - $850000), aber seit der akademischen Finanzflaute gehen seit zwei Jahren wenigstens ein paar mit gutem Beispiel voran indem sie ihrer Uni ihr gesamtes Jahresgehalt spenden.. Nur - in GB wird nicht so gut verdient, ich wüsste nicht wo sparen.. Das System ist sehr effektiv, in Dtland zB könnte man allein Millionen sparen indem man die Verwaltung mal vernünftig strukturiert.. ;)
Riff 13.10.2010
5. Tell me, Mr. Kraut, which way is it to New Zealand?
Zitat von alfredjosefWie schön ist es dagegen doch in Deutschland. Wenn die Briten ihre Studiengebühren exorbitant erhöhen, wird es viele kluge Köpfe nach D ziehen. Gut für uns! - vorausgesetzt, wir haben bis dahin Masterstudiengänge in Englisch. Wie kann eine Regierung nur so (fast hätte ich geschrieben "blöd sein") kurzfristig denken!
Wo bleiben dann unsere weniger klugen Köpfe? Zum Beispiel, die die solche Sätze schreiben? Da der Brite an sich sich standhaft weigert, irgendwelche Fremdsprachen zu lernen, werden die "Klugen" bestenfalls einfach in andere englischsprachige Länder ausweichen. Zu uns? Kaum. Und wozu auch? Es gibt in diesem Land genügend kluge Köpfe, die weit unter ihren Möglichkeiten arbeiten.
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