Generalschlüssel auf Abwegen Kuhfladen im Professorenbüro verteilt

Vor einigen Tagen verschwand an der Universität Bielefeld ein Generalschlüssel für rund 10.000 Schlösser. Damit treiben die neuen Besitzer jetzt offenbar groben Unfug in den Uni-Räumen. Im Verdacht stehen Gebührengegner.


Die Bürotür von Ingo Lohuis könnte momentan wohl auch der unbekannte Schlüsseldieb aufschließen. Der Pressesprecher hat seine Räumlichkeiten im Rektoratstrakt, und dort wurde am 13. Juli der Generalschlüssel gestohlen. Während der Senatssitzung zur Einführung der Studiengebühren waren einige Protestler durch ein geöffnetes Fenster in den Rektoratstrakt gelangt. Dabei wurden sie von einer patrouillierenden Sicherheitsfirma erwischt. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem der Schlüssel abhanden kam.

Grober Unfug: Kuhfladen im Professorenzimmer
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Grober Unfug: Kuhfladen im Professorenzimmer

Dieser ist seitdem verschwunden, und die Universität hat Maßnahmen ergriffen. "Wir sind alarmiert, wir sind aufmerksam", sagt Ingo Lohuis. "Wir ziehen Konsequenzen: Wir haben das Wachpersonal verstärkt. Wir werden jetzt Schlösser austauschen, aber wir verfallen nicht in Panik."

500 Türschlösser sollen in dieser Woche erneuert werden. Der Generalschlüssel passt allerdings auf rund 10.000 Schlösser - doch diese komplett auszutauschen, würde die Universität zwischen 800.000 und einer Million Euro kosten.

Das ärgert Biochemiestudentin Jana Zimmermann sehr: "Ich verstehe es eigentlich nicht von Seiten der Studierenden aus. Das mit den Protesten fand ich gut, aber jetzt zu randalieren und Schaden anzurichten, finde ich nicht gut. Ich finde das jetzt zum Beispiel auch doof für naturwissenschaftliche Arbeitsgruppen, weil da teilweise teure und viele Geräte rumstehen. Die Frage ist jetzt: Kann jeder überall rein und da auch Schaden anrichten?"

Tatsächlich haben sich Unbekannte mit dem Schlüssel Sonntagnacht Zugang in das Büro eines Professors verschafft. Im gesamten Zimmer wurden Kuhfladen verteilt. Die Polizei ermittelt in diesem Fall. Aber nicht nur der verschwundene Schlüssel gibt an der Universität Anlass zur Sorge. Seitdem klar ist, dass die allgemeinen Studiengebühren auch in Bielefeld fällig werden, wurde in den Uni-Toiletten dreimal Feuer gelegt. Tatverdächtige gibt es allerdings noch keine.

Der Asta distanziert sich von sämtlichen Aktionen und geht nicht davon aus, dass sie von Studierenden durchgeführt wurden. Zahlreiche Studierende glauben aber, dass die Straftaten Reaktionen auf die Studiengebühren sind. So auch der Literaturstudent Christian Wiehwe: "Die Reaktionen sind völlig überzogen. Es ist kein Verhältnis mehr zwischen den Reaktionen und den Maßnahmen, die die Uni ergreift. Ich glaube nicht, dass das allgemein die Studenten sind, die so protestieren, sondern einzelne radikale Leute. Ich finde das überhaupt nicht angemessen."

Die Universität Bielefeld hat sofort auf den Schlüsselraub und die brennenden Toiletten reagiert. "Es ist Strafanzeige natürlich erstattet worden, wegen all dieser Dinge, die hier passiert sind. Und die Polizei ermittelt. Hier geht es um die Sicherheit von Personen, und wir reden über beträchtliches Geld, was die Uni zahlen muss, um das alles wieder in Stand zu setzen", so Pressesprecher Ingo Lohuis. "Da hört der Spaß auf."

Von Miriam Grabenheinrich, Campus & Karriere, Deutschlandfunk



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