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17. August 2005, 15:19 Uhr

Generation U 30

Wie die Jugend von heute tickt

Sozialabbau, Jobmisere, Christiansen-Deutschland am Abgrund? Papperlapapp, sagen junge Deutsche - und schauen voller Zuversicht in die Zukunft. Eine neue Untersuchung zeichnet das Bild einer konservativen, harmoniebedürftigen und optimistischen Generation.

Jeder Generation wird irgendwann der passende Stempel aufgedrückt. Während die 68er das Land regieren und die Generation Golf sich unaufhaltsam der Midlife-Crisis nähert, orientiert sich die heutige Jugend eher an Werten von gestern - und ist glücklich dabei. In einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts für die Magazine "Stern" und "Neon" erklärten sich nun 2000 junge Deutsche zu Themen wie Politik und Gesellschaft - vor allem aber zu ihrem eigenen Leben.

Zuversicht und Harmonie: 45 Prozent der 18- bis 30-Jährigen blicken optimistisch in die Zukunft
DDP

Zuversicht und Harmonie: 45 Prozent der 18- bis 30-Jährigen blicken optimistisch in die Zukunft

"Generation Zuversicht" nennt der "Stern" die Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen. Denn zwei Drittel bezeichnen zwar die allgemeine Stimmung in Deutschland als niedergeschlagen. Doch in ihre eigene Zukunft blicken 54 Prozent mit viel Hoffnung. Wie ein roter Faden zieht sich das Streben nach Harmonie und Sicherheit durch die Antworten der jungen Deutschen.

Der Siegener Jugendforscher Jürgen Zinnecker führt das auf die vielen Unsicherheitsfaktoren in der Gesellschaft zurück: "Junge Menschen versuchen dort anzudocken, wo es Verlässlichkeit gibt", so Zinnecker im "Stern"-Interview. Dazu gehört auch der Glaube. Das belegt nicht nur der derzeitige Andrang auf dem Weltjugendtag in Köln: 45 Prozent der Befragten glauben an einen Gott, 16 Prozent an "eine andere höhere Macht". Und jeder Dritte betet regelmäßig.

Bei den politischen Einstellungen ist von Rebellentum wenig zu spüren, mehr von einer konservativen Haltung. Das zeigt das Umfrageergebnis zur Bundestagswahl: Immerhin 34 Prozent wollen Angela Merkel als Bundeskanzlerin sehen, 30 Prozent würden Gerhard Schröder die direkte Stimme geben - und ebenfalls gut ein Drittel möchte keinen von beiden an der Regierungsspitze.

Keine Spur von Rebellentum

Politiker mit weißer Weste gibt es nach Ansicht junger Deutscher kaum. 71 Prozent sind davon überzeugt, dass "alle" oder "die meisten" Politiker lügen. Und vier Fünftel empfinden es nicht als Beleidigung, wenn jemand sie als unpolitisch bezeichnet.

Das große Aufbegehren gegen die Elterngeneration ist passé. Mit ihrer Mutter verstehen sich 82 Prozent der jungen Deutschen gut oder sehr gut, mit dem Vater 68 Prozent. Auch die eigene Familie steht hoch im Kurs: 70 Prozent wünschen sich Kinder, 53 Prozent wollen zusammen mit ihrem derzeitigen Partner alt werden. Drei Viertel halten sich strikt an die Gesetze - Schwarzfahren steht an der Spitze der verbotenen Ding.

Bei allen konservativen Werten zeigen sich Jugendliche jedoch kosmopolitisch, wenn es um den Arbeitsmarkt geht. Jeder Zweite könnte sich vorstellen, auch im Ausland zu arbeiten, sollte es in Deutschland nicht mit dem Traumjob klappt. Dabei liegen Spanien und die USA ganz weit vorne; beliebt sind auch Italien, die Schweiz, Kanada und Australien. Im Städtevergleich schnitt die Bayern-Metropole München trotz hoher Mietpreise am besten ab, gefolgt von Berlin und Hamburg.

Wer so stark nach Sicherheit strebt wie die junge Generation, denkt auch früh an die Rente: 71 Prozent sorgen sich schon jetzt um die eigene Altersvorsorge.

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