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Wut auf Hipster: Berlin, du kannst so hässlich sein

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Aggro Berlin Attacke auf Studenten mit Haft bestraft

Der Ton ist rauh in der Hauptstadt: "Scheiß Studenten" und "Yuppies", so pöbelte ein 22-Jähriger in Berlin zwei junge Männer an. Und er attackierte sie mit Tränengas. Ein Gericht hat den bereits Vorbestraften nun zu 20 Monaten Haft verurteilt.

Ach Berlin, du hast es nicht leicht. Irgendwie willst du Weltstadt sein und modern und hip, doch irgendwie nerven dich die Touristen und Zugezogenen und Hipster. Und dann wirst du mitunter ganz schön ausfallend, es wird gepöbelt und geschimpft, es werden Farbbeutel geworfen und Scheiben eingeschlagen: Berlin, du kannst so hässlich sein.

Nun stand in der vergangenen Woche ein Mann vor Gericht, 22 Jahre alt, der sich selbst als Redskin sieht, als linker Skinhead, wie "Tagesspiegel" und "taz"  berichten. Er hatte demnach zwei Studenten als "Yuppies" und "scheiß Studenten" beschimpft und sie mit Tränengas angegriffen. Den Berichten zufolge räumte der Mann ein, sich im vergangenen Dezember nach einem Streit mit seiner Freundin betrunken und Kokain konsumiert zu haben. Dann habe er in der Straßenbahn seiner Wut freien Lauf gelassen. Er entschuldigte sich vor Gericht. Eins der Opfer, ein 30-jähriger Journalistikstudent, sagte der "taz", er glaube nicht an einen Ausrutscher: "Das wirkte mehr wie eine Haltung."

Das wies der Angeklagte den Berichten zufolge zwar zurück, sein "Ausraster" habe mit Fremdenfeindlichkeit nichts zu tun. Doch fiel das Urteil trotzdem hart aus: 20 Monate Haft. Denn der Mann war vorbestraft, laut "Tagesspiegel" finden sich in seinem Strafregister neun Einträge, darunter Betrug, Bedrohung und Diebstahl.

Dass die Pöbelei gegen Hipster, Studenten und Zugezogene und das Klagen über Gentrifizierung manchmal nur ein Ventil für Frust ist, zeigt ein Detail des Falles: Der mittlerweile verurteilte Mann pöbelte zwar gegen Zugezogene, stammt aber selbst nicht aus Berlin, sondern aus Brandenburg.

Mittlerweile formiert sich allerdings auch Widerstand gegen die Hipster-Gegner. Kürzlich berichtete die "Berliner Zeitung" über die "Hipster Antifa Neukölln", einen Teil der linken Szene, die Übergriffe auf Touristen und Zugezogene dokumentiert, sowohl Beleidigungen wie körperliche Angriffe. Mit dem gezielt provokanten Slogan "Für die Aufwertung der Kieze - für mehr Bars, Soja-Latte, Wi-Fi und Bio-Märkte" kritisieren sie die herbe Gentrifizierungs-Kritik.

otr
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