Geschlechtergerechte Uni Potsdam Die Präsidentin/der Präsident muss gehen

Erst die Uni Leipzig, jetzt folgt die Uni Potsdam: Die Geschäftsordnung des Senats kommt künftig ohne männliche Formen aus. "Die/der Protokollführer/in" weicht der "Protokollführerin". Ansonsten, sagt der stellvertretende Vorsitzende, hätte es Ärger von Feministinnen gegeben.
Uni Potsdam: Die Geschäftsordnung des Senats wird weiblich

Uni Potsdam: Die Geschäftsordnung des Senats wird weiblich

Foto: Bernd Settnik/ picture alliance / dpa

Mit der Uni Potsdam verweiblicht eine weitere Uni ein Regelwerk: In der Geschäftsordnung des Senats soll künftig nur noch die weibliche Form stehen, teilte eine Sprecherin der Uni am Donnerstag mit. "Die/der Vorsitzende", "die/der Protokollführer/in", "die Präsidentin/den Präsidenten" soll es demnach künftig in dem Papier nicht mehr geben. Stattdessen heißt es: die Vorsitzende, die Protokollführerin, die Präsidentin. Davon angesprochen fühlen sollen sich dann Männer und Frauen.

Der Beschluss fiel bereits in der Juni-Sitzung - aus rein pragmatischen Gründen, wie der stellvertretende Vorsitzende Fred Albrecht sagte. Die bislang durch die Genderisierung "verhunzelten" Texte sollten wieder besser lesbar sein. Hätte das Gremium sich aber nur für männliche Bezeichnungen entschieden, hätte es Ärger von Feministinnen gegeben, sagte Albrecht. Die Uni erklärt in ihrer offiziellen Stellungnahme  die Entscheidung für die weibliche Form etwas diplomatischer und schrieb auf ihrer Webseite: "Dies sollte vor dem Hintergrund der Geschlechterverhältnisse an deutschen Hochschulen allerdings kaum verwundern."

Sie betonte auch: Der Beschluss beziehe sich nur auf die Geschäftsordnung des Senats. Im Uni-Alltag ändert sich also nichts: "Herr Präsident, Frau Professorin, Herr Senator - an der Universität Potsdam wird wie eh und je eine dem Geschlecht entsprechende Anrede gepflegt." Verabschiedet werden soll der Beschluss bei der nächsten Sitzung im Juli.

Spott, Lob, Kritik für Uni Leipzig

Zuvor hatte die Universität Leipzig mit einem ähnlichen Beschluss für Schlagzeilen gesorgt, über den zuerst das Hochschulmagazin "duz" berichtet hatte. Die Uni hatte entschieden, in ihrer Grundordnung künftig nur noch rein weibliche Bezeichnungen zu verwenden - und erntete dafür viel Spott, etwas Lob, Kopfschütteln und wüste Beschimpfungen. Studenten, Absolventen und Professoren hatten sich danach beschwert, dass die Regelung Männer diskriminiere und von mangelndem Sprachgefühl zeuge.

Die Uni Leipzig hält trotzdem an der verweiblichten Grundordnung fest: Mit so viel Aufregung habe man zwar nicht gerechnet, sagte Rektorin Beate Schücking Anfang Juni SPIEGEL ONLINE. "Aber ich glaube nicht, dass sich unser Senat deswegen anders entscheiden würde." Es gehöre zur Tradition der Hochschule, Grenzen zu überschreiten und provokant auf Probleme hinzuweisen. Und bis Frauen in der Wissenschaft gleichgestellt seien, sei es noch ein weiter Weg.

fln/dpa
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