Großbritannien Kinder von Oxford-Professorin bekommen kein Visum

Großbritannien setzt die Visa-Bestimmungen für ausländische Arbeitnehmer offenbar mit aller Härte durch. Nun ist die Familie einer Oxford-Professorin aus den USA betroffen.

Universität Oxford: Immer wieder Probleme bei Visa-Erteilungen für Mitarbeiter
Carl Court/ Getty Images

Universität Oxford: Immer wieder Probleme bei Visa-Erteilungen für Mitarbeiter


In Großbritannien wird es für ausländische Universitätsangestellte offenbar zunehmend schwerer, an Aufenthaltsgenehmigungen zu kommen. Wie der "Guardian" berichtet, ist es in den vergangenen Wochen wiederholt zu Vorfällen gekommen, in denen Akademikern oder deren Familienmitgliedern keine Visa erteilt oder trotz jahrelangem Aufenthalt nicht verlängert wurden.

Im jüngsten Fall wurden den Kindern der US-amerikanischen Geografie-Professorin Amber Murray die Visa durch das britische Innenministerium verweigert, berichtet die Zeitung. Murray war im vergangenen Jahr zur Professorin für Geografie an der Universität Oxford berufen worden.

Sie habe einen Einwanderungsanwalt konsultiert und bei der Visa-Bewerbung ihrer Töchter - ebenfalls US-Staatsbürgerinnen - sei alles problemlos verlaufen, so Murray. Sie habe bereits die Koffer für die Kinder gepackt und Schuluniformen gekauft. Als sie den negativen Bescheid erhalten habe, sei sie fassungslos gewesen.

Begründet worden sei die Abfuhr damit, dass Murrays Mann, ein gebürtiger Kameruner, nicht ebenfalls dauerhaft in Großbritannien lebe. Ausnahmen seien nur möglich, wenn ein Elternteil die alleinige Verantwortung für die Kinder habe oder verstorben sei. Murray will dagegen eine entsprechende Erlaubnis des Vaters vorgelegt haben.

Zwei Wochen Ausreisefrist nach acht Jahren Aufenthalt

Laut "Guardian" ist es das zweite Mal innerhalb weniger Wochen, dass es bei Mitarbeitern der Uni Oxford Visaprobleme gibt. Demnach war der US-amerikanischen Musik-Forscherin Elizabeth Ford das Visum nach acht Jahren Aufenthalt an einer schottischen Universität beim Wechsel nach Oxford plötzlich nicht mehr verlängert worden.

Sie habe gedacht, dass die Verlängerung einfach durchgeht, wird Ford zitiert. "Doch nach acht Jahren im Land hatte ich vierzehn Tage, um es zu verlassen", sagte Ford. In der Begründung hieß es demnach, bereits ihr letztes Visum sei irrtümlicherweise ausgestellt worden.

Verbände kritisieren schon seit Längerem, dass sich die Visa-Vergabepraxis insbesondere gegenüber Forschern aus Afrika massiv verschlechtert habe. So liegen dem gemeinnützigen Wellcome Trust laut der Zeitung rund 100 Fälle vor, in denen Forschern "aus fadenscheinigen Gründen" die Einreise verweigert wurde, etwa für den Besuch von Konferenzen.

Zusammenhang mit Brexit bleibt unklar

Dem Bericht zufolge würden einige Universitäten aus Angst vor der offenbar strengeren Visavergabe bereits gar keine ausländischen Bewerbungen auf Jobs mehr annehmen. Bereits während des Verfahrens sei Bewerbern in Einzelfällen geraten worden, die Bewerbung abzubrechen, weil es unwahrscheinlich sei, dass sie als Ausländer ein Visum bekommen würden.

Ob die Fälle mit dem bevorstehenden Brexit am 31. Oktober zusammenhängen, ist dagegen nicht bekannt. Im April, damals noch unter Premierministerin Theresa May, hatte die britische Regierung verkündet, dass die Gebühren für Studierende aus dem EU-Ausland nach dem Brexit erhöht werden sollen.

Bildungsminister Damian Hinds hatte damals einen Antrag ausgearbeitet, nach dem Studierende aus der EU ab dem Semester 2021/2022 genauso viel zahlen sollen wie Studierende aus Nicht-EU-Staaten.

fek



insgesamt 41 Beiträge
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sagichned 02.10.2019
1. Sorry
aber da Trifft es genau das richtige Land. Wer schon ein Visum für die USA beantragen musste, weiß wovon ich spreche.
raton_laveur 02.10.2019
2. Abstieg der Eliteuniversitäten als Folge von Nationalismus
Die unverständliche Verweigerung der Visa sehe ich als Ausdruck eines zunehmenden Nationalismus. Der Brexit ist auch ein Ausdruck davon. Wenn hochdotierten Akademikern (oder ihren Angehörigen) der Aufenthalt verweigert wird, dann werden diese bald einen Bogen um die Insel machen.Wenn dann die Universitäten nicht mehr die besten Kräfte anheuern können, werden sie bald ihren Status und ihr Ansehen verlieren. Nationaismus ist eben im Grunde Selbstzerstörung, wie sich auch hier zeigt.
tommy354 02.10.2019
3. Bald will keiner mehr kommen!
Wenn es immer mehr erschwert wird, werden die Briten bald unter sich verblöden!
holomorph 02.10.2019
4. von wegen Sorry
...was kann diese Familie dafür, dass die Amis ebenfalls eine furchtbare Visumpolitik haben.
mantrid 02.10.2019
5. Hochmut kommt vor dem Fall
Wissenschaft lebt vom Austausch. Nicht mal große Staaten bauen daher in diesem Bereich Schranken auf, wenn sie ihre Wissenschaft voranbringen wollen. Nicht einmal Trump und sein "America First" ist in diesem Bereich auf einen potektionistischen Kurs eingeschwenkt. Mal sehen, was dem "Tiny Empire" unter der Regentschaft von BoJo noch so alles einfällt.
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