Gute Noten für Sex Professor zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

Er wollte eine Affäre und bekam eine Bewährungsstrafe: Weil ein Augsburger Professor einer Studentin bessere Noten gegen Sex anbot, verurteilten Richter ihn zu einer Bewährungsstrafe. Er behält aber den Beamtenstatus. Auch auf die Studentin wartet ein Verfahren wegen Bestechung.


Er offerierte einer Studentin die Notenkorrektur für sexuelle Gefälligkeiten - dafür verurteilte das Augsburger Amtsgericht den 58-jährigen Professor zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 8000 Euro Geldstrafe. Er habe sich der Bestechlichkeit schuldig gemacht, so das Gericht. Den Vorwurf der Anklage, der Professor habe sich auch der Nötigung in besonders schwerem Fall schuldig gemacht, sahen die Richter jedoch nicht erfüllt.

Der Professor (links, mit seinem Verteidiger): Milde Strafe für unmoralisches Angebot
DPA

Der Professor (links, mit seinem Verteidiger): Milde Strafe für unmoralisches Angebot

Die Verteidigung hatte für einen Freispruch des Professor der Wirtschaftswissenschaften plädiert, die Staatsanwaltschaft Augsburg eine weit höhere Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten gefordert. Der Professor habe seine Machtposition gegenüber einer 34-jährige Sprachstudentin "schamlos ausgenutzt".

Wären die Richter hier der Anklage gefolgt, hätte der Professor der Universität Augsburg seinen Beamtenstatus verloren. Die Staatsanwaltschaft prüft noch, ob sie das Urteil akzeptiert. Falls nicht, müsste der Fall in der Berufung neu aufgerollt werden.

"Ja, ich wollte Sex", bekannte der verheiratete Professor zum Prozessbeginn. "Sie war keine unattraktive Frau, ich fand sie nett und schön und wollte eine Affäre mit ihr." Der Hochschullehrer sagte, er habe einen "schweren Fehler" gemacht. Im Prozess räumte er zwar ein, er habe der Studentin eine sexuelle Beziehung vorgeschlagen, bestritt aber, ihr dafür eine bessere Note in ihrer Magisterprüfung versprochen zu haben. Er bedaure seine Tat.

Sehr selbstbewusst schilderte die Studentin vor Gericht, wie ihr der Professor eindeutige Angebote machte: Nach ihrer Darstellung wollte sie in einem ersten Gespräch nach der schriftlichen Klausur die Themen der mündlichen Prüfung mit ihm absprechen. Er erklärte ihr, ohne die schriftliche Arbeit gesehen zu haben, sie werde die Prüfung wahrscheinlich nicht bestehen. Die aus der Ukraine stammende 34-Jährige geriet in Panik. Denn dann müsste sie Deutschland verlassen, bekäme hier keinen Job. "Da schlug er mir einen Tausch vor", beschrieb sie die Situation. Was meinen Sie, fragte sie nach, und er zeigte ihr sechs Finger. Geld? Nein, Sex - entrüstet habe sie abgelehnt.

"Dann übernehme ich die Rolle von Gott"

Danach erfuhr sie, dass sie bei der Klausur durchgefallen war. Zu einem zweiten Gespräch mit dem Professor kam die Studentin verwanzt mit Kamera und Mikrofon. Sie wollte die Sex-Forderungen später beweisen können, begründete sie ihr Handeln, das ihr ein noch nicht beendetes Verfahren wegen versuchter Nötigung einbrachte. Wieder bot ihr der Hochschullehrer Sex an. Diesmal verlangte er sogar eine längere Beziehung, worauf sie ihm entrüstet entgegnete: "Dann kaufen Sie sich doch eine Nutte." Doch der Professor ließ nicht locker. Als er ihr ironisch erklärt, bei Zuneigung würde die nächste Prüfung mit Gottes Hilfe gelingen, erwiderte sie: "Ich glaube nicht an Gott." Darauf er: "Dann kann ich die Rolle von Gott übernehmen."

Zu einem dritten Gespräch schickte die Studentin einen Detektiv mit den mitgeschnittenen Aufnahmen. Ultimativ verlangte der für die mündliche Prüfung die Note 3,3 und brachte auch gleich die zu stellenden Prüfungsfragen mit. Zuvor hatte der Dozent schon die Klausur von 4,7 - nicht bestanden - auf 4,3 - bestanden - hochgestuft. Dies sei aus rein sachlichen Gründen erfolgt, versicherte der Angeklagte.

Als ihm mit der Veröffentlichung des heimlich aufgenommenen Materials gedroht wurde, zog der Professor die Notbremse: Er informierte den Dekan, der Dekan die Uni-Leitung. Dann erhielt die Staatsanwaltschaft die Selbstanzeige. Sie dürfte dem Professor seinen Titel und den Beamtenstatus gerettet haben. Jedenfalls sprach das Gericht ihn von der "versuchten Nötigung in einem besonders schweren Fall" frei.

Auf den Richterspruch reagierte der Angeklagte sichtlich erleichtert. Die Staatsanwältin hatte ihm zuvor vorgehalten, er habe mit seinem Verhalten das "Vertrauen in die Lauterkeit des öffentlichen Dienstes enorm erschüttert", seine Machtposition als Professor schamlos ausgenutzt und gegen die Dienstpflichten verstoßen.

Verfahren auch gegen die Studentin

Die Studentin hat ihre mündliche Prüfung bei einem anderen Professor mit der Note 1,3 abgelegt und ihre Magisterprüfung bestanden. Auch sie wird sich noch vor Gericht verantworten müssen. Dazu sagte der Augsburger Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai SPIEGEL ONLINE, es gebe "weitere strafbare Sachverhalte". Heimliche Ton- und Videomitschnitte sind verboten, weil sie die Vertraulichkeit des Wortes verletzen. Außerdem lege ihr die Staatsanwaltschaft wegen der angebotenen 5000 Euro und der anschließenden Drohung mit dem Videomaterial "Bestechung und versuchte Nötigung" zur Last.

Weil die Studentin einem Strafbefehl über 1000 Euro widersprach, wird ihr Fall nun gesondert vor Gericht verhandelt. Der Detektiv wird trotz vermuteter Mittäterschaft nicht belangt, weil er bereits in einem anderen, deutlich schwerwiegenderen Verfahren verurteilt wurde und daher nach Strafprozessordnung dieses minder schwere Vergehen nicht verfolgt werden muss.

Die Universität Augsburg will erst die "gebotenen rechtlichen Schritte unternehmen", wenn das Urteil rechtskräftig ist und die Urteilsbegründung schriftlich vorliegt. Bis es soweit ist, darf der Professor weiter an der Fakultät arbeiten. Ihm sind aber Gespräche mit Studierenden unter vier Augen und das Abnehmen von Prüfungen untersagt.

Der Fall erinnert an den eines bestechlichen Juraprofessors in Hannover: Der hatte von windigen "Promotionsberatern" nicht nur über 150.000 Euro für die Annahme von Promotionskandidaten kassiert, sondern auch eine sexuelle Beziehung mit einer Studentin unterhalten und diese dafür systematisch bei Noten und Leistungsnachweisen bevorzugt. Der bestechliche Professor musste drei Jahre in Haft, die Studentin 1800 Euro Strafe wegen Bestechung zahlen.

cht/jol, dpa

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