Guttenbergs Promotion Ausnahmeregelung machte den Doktor erst möglich

Nur hervorragende Juristen sollen an der Uni Bayreuth promovieren: Wer sein Studium nicht mit "voll befriedigend" abschließt, braucht eine Ausnahmegenehmigung. Die habe Karl-Theodor zu Guttenberg von einem CSU-nahen Professor bekommen, berichtet der "Tagesspiegel".
Guttenberg: Gefördert von Parteifreunden?

Guttenberg: Gefördert von Parteifreunden?

Foto: dapd

Die Promotionsordnung der rechtswissenschaftlichen Fakultät lädt nicht gerade ein zum Lesen. Aber sie ist klar in ihren Aussagen: "Für die Promotion im Fach Rechtswissenschaft ist (...) erforderlich, dass der Bewerber das Referendarexamen oder das Assessorexamen (...) mindestens mit 'voll befriedigend' (...) bestanden hat."

Es ist wie immer in der Juristerei: Mehr als in jedem anderen Fach bestimmen die Noten das weitere Schicksal. Sie weisen den jungen Juristen einen Platz in einem Kastensystem zu, aus dem es kaum mehr ein Entrinnen gibt. "Vollbefriedigend" oder besser bedeutet Karriere, alles darunter Kampf.

Normalerweise.

mittlerweile entdoktorte Karl-Theodor zu Guttenberg

Doch es gibt Ausnahmeregelungen für Absolventen, die nicht ganz so gut abschneiden. Und in den Genuss einer solchen Ausnahme kam offenbar der .

Er habe die "voll befriedigend"-Voraussetzung für die Promotion nicht erfüllt, berichtet der "Tagesspiegel". Demnach hat der CSU-Mann sein Examen nur mit "befriedigend" bestanden. Guttenberg wirbt zwar in seinem Online-Lebenslauf mit seinem "Prädikatsexamen", es handelt sich aber dem Bericht nach nur um ein "kleines Prädikat".

Guttenberg brauchte für seine Promotion also eine Ausnahmegenehmigung vom Dekan. Solche Regelungen sind an sich nichts Ungewöhnliches und auch nicht anrüchig. Auch die Promotionsordnung an der Uni Bayreuth erlaubt sie.

Doch zumindest in Sachen politische Hygiene sieht es auch an dieser Front nach "Tagesspiegel"-Informationen nicht sonderlich gut aus für Guttenberg. Denn die maßgeblichen Professoren, die ihn ausnahmsweise zuließen, stehen der CSU nahe, heißt es in dem Bericht.

Wie nah stehen die beteiligten Professoren der CSU?

Der Dekan hieß bei Guttenbergs Promotionszulassung Karl-Georg Loritz. Dem Bericht nach war Loritz in den siebziger Jahren Vorsitzender der Jungen Union in der CSU-Vorstandschaft der bayerischen Kreisstadt Schwandorf; erst Ende Januar war er Hauptredner beim Neujahrsempfang der Schwandorfer CSU.

Neben Loritz mussten noch zwei weitere Professoren die ausnahmsweise zulässige Promotion Guttenbergs befürworten, so sieht es die Promotionsordnung vor. Dies waren nach "Tagesspiegel"-Informationen der Erstgutachter der Dissertation Peter Häberle sowie der Zweitgutachter Rudolf Streinz.

Zweitgutachter Streinz ist der Partei von Guttenberg ebenfalls sehr verbunden. Für die CSU saß er im Stadtrat in Landshut. Jetzt ist er Vertrauensdozent für die Stipendiaten der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.

Im Detail schreibt die Promotionsordnung für eine Ausnahmegenehmigung wie im Fall Guttenberg vor: Der potentielle Doktorand muss sein Examen mindestens mit "befriedigend" hinter sich gebracht haben, er muss mindestens zwei Seminarscheine mit der Note "gut" vorlegen können und er muss einen prüfungsberechtigten Betreuer für seine Arbeit finden. Das alles erfüllt Guttenberg zwar, doch die CSU-Nähe einiger beteiligter Wissenschaftler ist zumindest auffallend.

Der "Tagesspiegel" schreibt auch, er habe aus Fakultätskreisen erfahren: "Die Zulassung eines 'befriedigend'-Kandidaten sei 'nicht ungewöhnlich'. Dass der Kandidat dann aber die Bestnote 'summa cum laude' erziele, sei möglich, aber jedenfalls 'nicht der Regelfall'."

otr
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