Guttenbergs Streichliste Hamburger Bundeswehr-Uni in Gefahr

Bundesverteidigungsminister Guttenberg muss sparen - die Schließung einer der beiden Bundeswehr-Unis gilt als eine Option. Hamburger Studentenvertreter bangen um ihre Helmut-Schmidt-Universität. Gibt es eine akademische Offiziersausbildung bald nur noch in München?

dpa

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Kein Ex-Politiker im Opaalter ist in Deutschland so beliebt wie Helmut Schmidt, Altkanzler und Mitherausgeber der "Zeit". Weil Schmidt einst Verteidigungsminister war und 1972 den Anstoß zur Gründung der Hamburger Bundeswehr-Universität gab, weil er obendrein bekennender Hanseat und Ex-Soldat ist, heißt die Hochschule heute nach ihm.

Schmidt erschien dem Hamburger Senat 2003 als besonders geeigneter Namenspatron für die Offiziersschmiede am östlichen Hamburger Stadtrand. Neben dem Glanz, den sein Name bietet, sollte der knorrige Sozialdemokrat auch als eine Art Schutzheiliger wirken - denn eine Helmut-Schmidt-Uni, die würde sicher niemals einer schließen.

Oder?

2010 ist Sparjahr in der Politik, alle Ministerien sollen ihre Budgets beschneiden. Treffen wird es auch den Haushalt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU); sein Etat von gut 31 Milliarden Euro soll spürbar schrumpfen. Darum kocht in Hamburg-Jenfeld eine alte Angst wieder hoch: Die Uni sei von der Schließung bedroht, befürchtet Stefan Quandt, Studentenvertreter an der norddeutschen Bundeswehr-Uni.

Durch die mögliche Schließung, schreibt Oberleutnant Quandt, setze das Verteidigungsministerium "das politische Vermächtnis Helmut Schmidts aufs Spiel". Der Studentenvertreter macht eine einfache Rechnung auf: Wenn die Bundeswehr, wie von Guttenberg vorgesehen, von derzeit gut 250.000 auf 150.000 Soldaten schrumpfen soll, brauche es künftig auch weniger Offiziere. Und eben diese Offiziere sind es, die an den beiden Uni-Standorten der Bundeswehr in Hamburg und München akademisch ausgebildet werden.

Auch die Wehrpflicht könnte fallen

Im Wettbewerb um Führungspersonal werde die Bundeswehr "deutlich an Attraktivität verlieren", warnte Quandt in einer Stellungnahme am Mittwoch. Gerade die Möglichkeit, an der Bundeswehr-Uni bis zum Master zu studieren, trage dazu bei, "dass sich junge Menschen für den Beruf des Offiziers entscheiden".

Hamburg ist mit 3000 Studenten kleiner als der Standort im Münchner Vorort Neubiberg mit rund 4000 Studenten, die im Dienst an der Waffe erprobt sind. Die Unis betonen gern, dass die Studenten in Zivil über den umzäunten Campus laufen und das Studium auch für zahlungskräftige Zivilisten offen steht. Das Gros der Studenten aber sind Zeitsoldaten, die sich auf 13 Jahre an die Bundeswehr binden, um dort studieren zu dürfen - lebensgefährliche Missionen in Afghanistan oder anderswo inklusive.

Ein Bundestagsabgeordneter, der nicht namentlich genannt werden will, bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass "einer der zwei Universitätsstandorte der Bundeswehr laut dem derzeitigen Prüfbericht des Bundesverteidigungsministeriums zur Disposition steht". Das Papier, das die Sparpotentiale bei der Bundeswehr auflistet, liegt derzeit noch im Ministerium und soll am Sonntag zusammen mit den Sparplänen aller anderen Ministerien im Kanzleramt diskutiert werden.

Selbst die Wehrpflicht, die in der CDU bislang nie ernsthaft zur Debatte stand, könnte dann zum 1. Januar 2011 ausgesetzt werden, um Geld zu sparen. Da scheint die Schließung einer der beiden Bundeswehr-Universitäten nicht unmöglich.

"Der Gürtel sitzt am Bauch, nicht am Kopf"

An der Universität der Bundeswehr in Hamburg will man von einer Gefahr für den Standort indes gar nichts wissen. "Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich das für eine Ente", sagte Pressesprecher Dietmar Strey SPIEGEL ONLINE. Es gehe um milliardenschwere Einsparpotentiale im Bundeshaushalt, daher glaube er nicht, dass in Berlin über einzelne Dienststellen gesprochen wird. Von einem Prüfpapier, in dem eine Bundeswehr-Universität zur Disposition stehe, habe er keine Kenntnis. Der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität war am Mittwochnachmittag für SPIEGEL ONLINE nicht zu sprechen.

An der Münchner Bundeswehr-Uni war für eine Stellungnahme am Mittwoch niemand zu erreichen. Tobias Grüell, Sprecher der Studentenvertretung an der Bundeswehr-Uni bei München, hat zwar die Pressemitteilung seines norddeutschen Kameraden Quandt erhalten. Darüber hinaus wisse er aber nichts von Sparplänen, die die Universitäten betreffen und werde das auch nicht kommentieren, sagte Grüell SPIEGEL ONLINE.

Den Studenten und Zeitsoldaten Stefan Quandt beruhigen solche Dementies nicht. Dass gespart werden müsse, könne er verstehen, sagt er, und nach der Finanzkrise müssten alle den Gürtel enger schnallen - aber bei den universitär gebildeten Soldaten dürfe man die Einsparungen nicht vollziehen. "Der Gürtel", sagt Quandt, "sitzt am Bauch und nicht am Kopf."

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Hovac 03.06.2010
1. was drann
KÖnnte schon sein, das der Bayer die Norddeutsche zumacht würde auch passen. Auch wenn die Münchener nicht in München sondern in einem Kaff leigt das als Schlafstadt die Fläche sofort mit Wohnungen überbauen würde. (Bevölkerungsentwicklung Neubiberg)
Monsieur Rainer 03.06.2010
2. Die Bundeswehr kann effizienter werden !
Herr zu Guttenberg hat recht! Diese Bundeswehr mit 350.000 Männer und Frauen hat Probleme, eine einsatzfähige voll ausgerüstete und excellent ausgebildete Kampfbrigade mit 1.200 Soldaten innerhalb von Stunden zu entsenden. Das ist ein Systemfehler. Ich mache als ehemaliger Zeitsoldat folgende Einsparvorschläge: Verkleinerung der Bundeswehrverwaltung von 123.000 Beamten Einstellung von sinnlosen Waffenprojekten wie Eurofighter Abschaffung der Wehrpflicht Berufsarmee mit 100.000 perfekt ausgerüsteten Soldaten Schliessung von Standorten Aufstellung einer Heimatbrigade für Katastrophenfälle usw. Das Festhalten an der Wehrpflicht ist ein Relikt aus den Erfahrungen des kalten Krieges. "Der Bürger in Uniform" von Graf Baudissin im Rahmen der "Inneren Führung" erfunden, war gut gedacht, ist jedoch nicht mehr zeitgemäss. Diese Bundeswehr wird niemals mehr vom Staat missbraucht werden können, es sei denn unsere Politiker lügen die Bevölkerung in massiver Weise an, wie dies derzeit in Afghanistan der Fall ist. Es geht nicht um Brunnen bohren, Schulen bauen oder Nationbuilding, sondern um die Sicherung der Handelswege, sprich Pipelines, als um die Versorgungssicherheit der Industrienationen mit lebensnotwendigen Rohstoffen wie Öl und Gas. Der Bundespräsident Horst Köhler hat dies klar ausgesprochen und dafür massiv Prügel bezogen. So etwas tut man nicht als Bundespräsident, wo kämen wir denn hin, wenn ein Politiker die Wahrheit sagen dürfte ?
carlosowas, 03.06.2010
3. Wozu?
Früher waren Militär und Kirchen wichtige Nebenmächte in Deutschland und anderen Staaten. Die Kirchen haben vor allem durch Skandale aller Art sich lächerlich gemacht und damit selbst entmachtet. Das Miltär ist immer noch mächtig, was man an seinem Etat sehen kann. Wozu haben Militär und Kirchen eigene Hochschulen? Nur um anzugeben?
nochStudent 03.06.2010
4. Ich find es super.
Auch wenn es mir für die Dozenten, Mitarbeiter und Studenten in hamburg leid tut aber eins muss man dem Herrn Guttenberg lassen - er ist der einzige Minister der seit Jahren mit echten Taten sparen will. Bei allen anderen, wird meiner Meinung nach, sparen immer nur mit Steuererhöhung gleich gesetzt (siehe z.B. jetzt wieder den Plan des Herrn Rößlers, der wieder mal der gesamten Mittelschicht in die Eier tritt).
cosmo72 03.06.2010
5. Bürger in Uniform ist Sicherheit!
Zitat von Monsieur RainerHerr zu Guttenberg hat recht! Diese Bundeswehr mit 350.000 Männer und Frauen hat Probleme, eine einsatzfähige voll ausgerüstete und excellent ausgebildete Kampfbrigade mit 1.200 Soldaten innerhalb von Stunden zu entsenden. Das ist ein Systemfehler. Ich mache als ehemaliger Zeitsoldat folgende Einsparvorschläge: Verkleinerung der Bundeswehrverwaltung von 123.000 Beamten Einstellung von sinnlosen Waffenprojekten wie Eurofighter Abschaffung der Wehrpflicht Berufsarmee mit 100.000 perfekt ausgerüsteten Soldaten Schliessung von Standorten Aufstellung einer Heimatbrigade für Katastrophenfälle usw. Das Festhalten an der Wehrpflicht ist ein Relikt aus den Erfahrungen des kalten Krieges. "Der Bürger in Uniform" von Graf Baudissin im Rahmen der "Inneren Führung" erfunden, war gut gedacht, ist jedoch nicht mehr zeitgemäss. Diese Bundeswehr wird niemals mehr vom Staat missbraucht werden können, es sei denn unsere Politiker lügen die Bevölkerung in massiver Weise an, wie dies derzeit in Afghanistan der Fall ist. Es geht nicht um Brunnen bohren, Schulen bauen oder Nationbuilding, sondern um die Sicherung der Handelswege, sprich Pipelines, als um die Versorgungssicherheit der Industrienationen mit lebensnotwendigen Rohstoffen wie Öl und Gas. Der Bundespräsident Horst Köhler hat dies klar ausgesprochen und dafür massiv Prügel bezogen. So etwas tut man nicht als Bundespräsident, wo kämen wir denn hin, wenn ein Politiker die Wahrheit sagen dürfte ?
NIX der Bürger in Uniform ist unsere fast letzte Chance, dass nicht hauptberufliche, zum guten Teil hirnverbrannte und ungebildete, soldatische Vollidioten im Inland gegen den Bürger eingesetzt werden! Und so wie die Dinge derzeit in Europa laufen, dürften sie dann auch dankbar sein, dass keine Unteroffiziere die es als Koch, Friseur und Mechaniker nicht im richtigen Leben schaffen - Zivilisten das Maul verbieten und erklären was sie dürfen oder nicht - der kleine Wehrpflichtige weiss wo er gestern noch war - in der Nähe von Omma, den Eltern und Freunden - eine Berufsarmee darf es nicht geben! Die Offiziere weiter doof zu machen, indem man die Uni verlagern/schließen will zeigt doch was die Transatlantiker mit Deutschland und seinen Bürgern vorhaben! mehr und kritiklose Vasallenkriege für die Globalisierung und Einsatz gegen die Bevölkerung!
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