Hamburger Verbindungen Verfassungschützer beobachten Schülerburschenschaft

Streng kontrolliert: Der Hamburger Verfassungsschutz beobachtet die Allianz zwischen Burschenschaft und rechtsextremer Szene aufmerksam, so steht es im aktuellen Bericht der Behörde. Darunter ist auch eine bekannte Schülerverbindung.
Website der "Chattia Friedberg": "Bezüge zum Rechtsextremismus"

Website der "Chattia Friedberg": "Bezüge zum Rechtsextremismus"

Burschenschaften und Burschenschafter bleiben weiterhin im Fokus staatlicher Sicherheitsbehörden: In dem von Innensenator Michael Neumann vorgestellten Hamburger Verfassungsschutzbericht 2012  lassen sich eindeutige Verbindungen zur rechten Szene wiederfinden.

Im aktuellen Bericht beschäftigt sich des Landesamt für Verfassungsschutz ab Seite 166 unter Punkt Nummer neun "Sonstige rechtsextreme Organisationen und Bestrebungen" mit den Spuren rechter Verbindungen. Dort heißt es, der Hamburger Verfassungsschutz habe die Allianzen zwischen Burschenschaften und rechtsextremer Szene "weiterhin aufmerksam im Blick".

Noch immer steht etwa die Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg unter Beobachtung. Sie rekrutiert ihre Mitglieder unter Schülern, die mindestens 16 Jahre alt sind. Neben den burschenschaftlichen Ritualen sei die Schülerverbindung eine Vereinigung, "die deutliche Bezüge zum Rechtsextremismus aufweist", so die Expertenmeinung aus der Hansestadt.

Enge Beziehungen zu Burschenschaften

Schon seit ihrer Gründung im Jahr 1989 würden Personen in der Chattia Friedberg mitwirken, die Beziehungen in die rechtsextremistische Szene unterhalten und für die NPD aktiv sind, heißt es in dem Bericht.

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Pennale Mensur: Hatz mich, ich bin ein Burschenschafter

Foto: SPIEGEL ONLINE

Erst im April war die Schülerverbindung mal wieder in die Schlagzeilen geraten, weil sie gemeinsam mit der Gymnasialen Burschenschaft Germania Kiel zu einer pennalen Mensur, einem reglementierten Fechtkampf, antraten. Schon länger warnen Politiker vor den archaischen Ritualen und völkischen Ideologien innerhalb von Schülerverbindungen und einer Radikalisierung junger Menschen.

Auch bei der "Gesellschaft für freie Publizistik e.V." und dem internationalen Netzwerk "Europäische Aktion" (EA) gibt es enge Beziehungen zu Burschenschaften: Die beiden Organisationen werden nämlich von zwei Burschenschaftern geleitet.

Der aus Franken stammende Burschenschafter und Publizist Martin Pfeiffer ist seit 2010 Vorsitzender der "Gesellschaft für freie Publizistik e.V.". Dabei handelt es sich "um die größte rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland" mit engen Kontakten zur NPD.

Dem Verein gehören laut Verfassungsschutz 500 Mitglieder an, darunter Verleger, Redakteure, Schriftsteller und Buchhändler der rechten Szene. Eines ihrer Hauptanliegen ist die Streichung des § 130 StGB (Volksverhetzung) und die angeblich verzerrte Geschichtsdarstellung des nationalsozialistischen "Dritten Reiches" zu korrigieren.

"Rassistisch und antisemitisch"

Der Vorsitzende des norddeutschen Ablegers des Netzwerks "Europäische Aktion" ist der bekannte Rechtsextremist Rigolf Hennig. Bei der "Europäischen Aktion" handelt es sich um ein internationales Netzwerk von Holocaustleugnern.

Die Agitation der "Europäischen Aktion" sei "rassistisch und antisemitisch und im Besonderen gegen die vermeintlichen Weltherrschaftsbestrebungen der angeblich von der 'Israel-Lobby' kontrollierten USA gerichtet", heißt es in dem Bericht.

Hennig ist neben seiner Mitgliedschaft in der NPD in der Greifswalder Burschenschaft Rugia aktiv, die im Dachverband der Deutschen Burschenschaft (DB) organisiert ist sowie in der bereits erwähnten Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg. Auch im Brandenburger Verfassungsschutzbericht 2012  wird Hennig mit seinem 1995 gegründeten Vereinigung "Freistaat Preußen" als Holocaustleugner erwähnt.

Aufmerksam verfolgten die Hamburger Sicherheitsbehörden 2012 die heftigen Richtungskämpfe innerhalb der Deutschen Burschenschaft. Der Dachverband setze sich aus einem breiten burschenschaftlichen Spektrum zusammen. Jedoch seien "nur bei einzelnen Bünden Berührungspunkte zum Rechtsextremismus nachweisbar", so der Bericht.

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Schüler-Burschenschaften - die jungen Gestrigen: Sie treten zu Säbelduellen an, sie preisen Ehre und Vaterland, sie sind die Hoffnung der überalterten Burschenschaften: In Schülerverbindungen lernen schon Minderjährige die archaischen Rituale und Ideologie der Szene kennen. Lesen Sie mehr...

fdi/otr
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