Student begeistert mit Abschlussrede "Wann können wir den ins Weiße Haus wählen?"

Seine Leidenschaft reißt einfach mit: Der Student Donovan Livingstone begeisterte mit seiner Abschlussrede in Harvard weltweit Millionen Menschen. Jetzt kann er sich vor Anfragen kaum noch retten.
Donovan Livingstone bei seiner Abschlussrede

Donovan Livingstone bei seiner Abschlussrede

Foto: Harvard Graduate School of Education

Es ist nur die Abschlussrede eines Studenten in Harvard. Aber eben nicht irgendeine - sondern ein echter Knaller. Innerhalb von nur fünf Tagen haben elf Millionen Menschen das Video angesehen.

Donovan Livingstone hat ein Gedicht als Abschlussrede geschrieben. Und die Art wie er es vorträgt - energisch, rhythmisch, an einen Rap erinnernd - ist völlig untypisch. Seine Begeisterung erscheint glaubhaft, ebenso die Leidenschaft für sein Thema: Wie kann Bildung die Welt gerechter machen?

Das war sein Herzensthema, als er den Master in Erziehungswissenschaft machte, und das wird es auch bleiben, wenn er demnächst seinen Doktorandenkurs an der University von North Carolina in Greensboro beginnt, wie er SPIEGEL ONLINE erklärt. Auch wenn er schon seit Jahren als Rapper auftritt und eigene Hip-Hop-Musik unter dem Künstlernamen D.LIV(E) aufnimmt : An seinem Plan hat sich nach diesem Überraschungserfolg nichts geändert. "Ich werde mich weiter für gerechte Bildungschancen einsetzen."

Was er damit meint, macht er gleich zu Beginn seiner Rede deutlich: Erziehung sei das beste Werkzeug, um allen Menschen gleiche Startbedingungen zu geben, zitiert er den Bildungsreformer Horace Mann. Doch als der das im Jahr 1848 sagte, drohte Schwarzen, die lesen oder schreiben wollten, in den USA die Todesstrafe.

"I belong among the stars"

In seinem an Wortspielen reichen Vortrag wird daraus weniger eine Anklage, sondern ein durch und durch optimistischer Weckruf: "Bildung ist der Schlaf, der dem amerikanischen Traum vorausgeht - wacht auf! Und erhebt eure Stimme!" Wie ein schwarzes Loch habe er jahrelang Wissen absorbiert, in der Schule, an der Uni. Jetzt sei die Zeit gekommen, diese Energie freizusetzen und zu erstrahlen: "I belong among the stars. And so do you."

Ins Deutsche übersetzt (hier finden Sie den Originalwortlaut ) mag sich das kitschig lesen. In Livingstones eigenem Vortrag klingt es vor allem mitreißend - entsprechend sind die Reaktionen der Zuhörer, die mit Standing Ovations antworten.

Vielleicht ist das Teil des Erfolgsgeheimnisses: Zwar thematisiert er den Bildungsrassismus, der Schwarzen seit Jahrhunderten in unterschiedlichster Form begegnet. Er findet dafür aber Worte, die mit ihrem Werben für gerechte Bildung niemanden ausschließen. Begeistert reagieren daher nicht allein seine Kommilitonen mit dunkler Hautfarbe, sondern alle Zuhörer, die man im Video sieht.

Trotzdem, mit diesem Erfolg hat er nicht gerechnet. "Ich bin überwältigt davon, wie viele Menschen ich plötzlich erreiche, und dass mein Vortrag so begeistert aufgenommen wird."

Harvard kündigt das Video an als "eine der kraftvollsten Studentenreden, die ihr je gehört habt" . Nun häufen sich die Vortragsanfragen in seinem Postfach, bis zum Studienbeginn in Greensboro im Herbst wolle er möglichst viele davon wahrnehmen, sagt er, weil er so die Menschen treffe, um die es ihm geht.

Die Reaktionen im Facebook-Forum sind überwiegend positiv: "Die Rede hat mich so mitgerissen - ich habe völlig vergessen, dass ich sie nur am Bildschirm sehe. Am Ende habe ich applaudiert." Und einer fragt: "Wie lange müssen wir noch warten, bis wir Livingstone ins Weiße Haus wählen können?"

Manchen Angeboten erteilt er jedoch direkt eine Absage: "Ich bin glücklich verheiratet", schreibt er auf seiner Facebook-Seite . "Und alle Nachrichten, die ihr mir hier schickt, liest auch meine Frau mit."

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