Kabinettsbeschluss Hebamme soll Studienfach werden

Wer als Hebamme arbeiten will, durchläuft bisher eine Ausbildung. Das soll sich ändern - und zwar schnell.
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Die Bundesregierung hat die Reform der Hebammen-Ausbildung auf den Weg gebracht. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die Einführung eines dualen Studiums für Geburtshelfer. Es soll sechs bis acht Semester dauern und die wissenschaftliche Theorie mit der Praxis verknüpfen. "Mit dieser Reform machen wir die Hebammenausbildung moderner und attraktiver", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Bislang erfolgt die Ausbildung an Hebammenschulen. Ausreichend dafür ist eine zehnjährige Schulbildung. Für das duale Studium sollen zwölf Jahre Schulausbildung erforderlich sein oder aber die abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf. Das Studium wird die Hebammen laut Spahn "auf die wachsenden Anforderungen in der Geburtshilfe" vorbereiten. Das Gesundheitsministerium hofft auf ein Inkrafttreten zum Jahreswechsel. Bereits im vergangenen Jahr hatte Spahn den Studiengang angekündigt.

Der Deutsche Hebammenverband fordert schon seit Langem, die Hebammenausbildung zu akademisieren, und begrüßte den Gesetzentwurf. "Wir freuen uns, dass sich die Bundesregierung so klar geäußert hat", sagte Yvonne Bovermann dem SPIEGEL. Bovermann ist Mitglied des Präsidiums des Deutschen Hebammenverbands.

Eine Akademisierung des Hebammenberufs habe Vorteile sowohl für die Hebammen als auch für die gebärenden Frauen. "Durch das Studium wird garantiert, dass Gebärende bestmöglich betreut werden", sagte Bovermann. "Außerdem wird die Anerkennung für den Beruf steigen."

Abschluss wird Voraussetzung für Berufsbezeichnung Hebamme

Das Studium soll dem Gesetzentwurf zufolge künftig mit einem Bachelor sowie einer staatlichen Prüfung enden. Der Abschluss wird Voraussetzung dafür, die Berufsbezeichnung Hebamme zu führen. Während der gesamten Ausbildungszeit sollen die angehenden Hebammen bezahlt werden.

Als Nächstes wird sich der Bundestag mit dem Entwurf befassen. Auch der Bundesrat muss zustimmen. Mit dem Gesetz wird auch eine EU-Richtlinie umgesetzt.

Seit einigen Jahren warnt der Hebammenverband vor einer Verschlechterung der Hebammenversorgung. Es mangele an Hebammen, auch Kreißsäle fehlten. Yvonne Bovermann vom Deutschen Hebammenverband hofft, dass sich diese Situation nun verbessert. "Hochschulen können anders als kleine Hebammenschulen große Kohorten von Studierenden aufnehmen." Auf lange Sicht könne so das Problem des Hebammenmangels gelöst werden.

lmd/dpa
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