Umfrage unter Rektoren An Privatunis ist die Stimmung blendend - bei den staatlichen eher gedämpft

Zu wenig gute Forscher, zu wenig Geld, zu wenig Freiheit: Darüber klagen viele Hochschulrektoren. Gleichzeitig sind sie zuversichtlich, was die Entwicklung ihrer eigenen Uni oder FH angeht. Dafür setzen sie verstärkt auf die Digitalisierung.

Im neuen Hochschulbarometer geht es um die Zufriedenheit der Hochschulleitungen - im Hinblick auf Personalsituation, Finanzierung und Ausstattung
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Im neuen Hochschulbarometer geht es um die Zufriedenheit der Hochschulleitungen - im Hinblick auf Personalsituation, Finanzierung und Ausstattung


Geht es um die Personalsituation, hält sich die Zufriedenheit an deutschen Hochschulen in Grenzen. 47,6 Prozent der Rektoren und Präsidenten an staatlichen Universitäten und Fachhochschulen schätzen dem aktuellen Hochschulbarometer zufolge die Personalsituation als "schlecht" oder "eher schlecht" ein.

Das ist der höchste Wert seit 2011, als der Stifterverband erstmals die Zufriedenheit der Rektoren abfragte. An privaten Hochschulen sieht es in Sachen Personal deutlich besser aus: Hier empfinden nur 19,6 Prozent der Leitungen die Situation als "schlecht" oder "eher schlecht".

Insgesamt sei die Stimmung unter Rektoren und Präsidenten "verhalten positiv", heißt es in der Studie. Die Befragten konnten angeben, wie zufrieden sie bei verschiedenen Themen sind. Ihre Angaben wurden dann auf eine Punkteskala von -100 bis +100 umgerechnet. Der Gesamtindex liegt mit 21,4 Punkten ähnlich hoch wie in den vergangenen fünf Jahren. Je nach Größe, Hochschultyp und Trägerschaft gibt es aber erhebliche Unterschiede.

Besonders zufrieden sind mit 45,1 Punkten die Leitungen von privaten Universitäten. Danach folgen mit 26,8 Punkten die staatlichen Fachhochschulen mit mehr als 10.000 Studierenden. Diese standen bei der vorherigen Befragung noch an der Spitze. Insgesamt sind die Rektoren und Präsidenten von großen Hochschulen zufriedener als von kleineren.

Private Hochschulen schnitten besser ab als staatliche. Das liegt vor allem daran, dass die Hochschulchefs die Rahmenbedingungen wie Ausstattung, Finanzierung und eben die Personalsituation deutlich positiver einschätzen als ihre Kollegen an staatlichen Einrichtungen. Aber auch an privaten Hochschulen sinkt die Zufriedenheit. 2011 lag sie an Universitäten und Fachhochschulen insgesamt noch bei 46,6 Punkten, inzwischen nur noch bei 25,2.

Mehr Professuren für Digital-Themen

Die Rahmenbedingungen bewerten die Rektoren und Präsidenten zwar kritisch, auch in den kommenden fünf Jahren, aber nicht alles ist schlecht beim Blick in die Zukunft. Die Wettbewerbsfähigkeit ihrer eigenen Hochschule in Forschung und Lehre schätzen die Hochschulchefs insgesamt in den nächsten fünf Jahren als sehr gut ein. Diese Diskrepanz werde vermutlich noch weiter steigen.

Mehr zur Studie
Wer hat die Befragung in Auftrag gegeben?
Das Hochschul-Barometer ist eine gemeinsame Initiative des Stifterverbands der Deutschen Wirtschaft und der Heinz-Nixdorf-Stiftung. Sie befragen Rektoren und Präsidenten von deutschen Hochschulen. Die Befragung wird seit 2011 jährlich durchgeführt.
Welche Daten wurden erhoben?
Für die aktuelle Befragung wurden von Dezember 2018 bis Januar 2019 alle deutsche Hochschulen angeschrieben, mit Ausnahme der Verwaltungshochschulen. Insgesamt waren es 394 Hochschulen, von 162 kam eine Antwort.
Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?
Die Ergebnisse sind nach Aussage der Autoren repräsentativ für die differenzierte deutsche Hochschullandschaft.

Bei einem Zukunftsfeld sind sich ebenfalls viele der Befragten einig: Rund jede zweite Hochschule will in Zukunft auf Forschungsschwerpunkte mit digitalen Themen setzen. Das zeigt sich auch an der Neubesetzung bei Professorenstellen. Nach Angaben der Rektoren waren 2018 drei von zehn neu eingestellten Professoren auf Digital-Themen wie Datenanalyse oder Digitalwirtschaft spezialisiert.

kfr/dpa



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