Hochschul-Ranking Sag mir, wo die Elite ist

Das war das Ziel: Als Elite-Unis wollten neun deutsche Hochschulen das Feld der internationalen Konkurrenz aufrollen. Das Ergebnis ist laut eines aktuellen Ranking aus England jedoch äußerst mau. Vor allem die Münchner Unis rutschen ab, am wackersten schlägt sich noch Heidelberg.
Uni Heidelberg: Deutschlands beste Hochschule, international abgehängt

Uni Heidelberg: Deutschlands beste Hochschule, international abgehängt

Foto: AP

Wer erinnert sich noch? Geplant war die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern als Adrenalinspritze für die deutsche Spitzenforschung: 1,9 Milliarden Euro, vergeben an einen Kreis ausgewählter und streng geprüfter Hochschulen, sollten den deutschen Unis helfen, zur Weltspitze der Forschungsuniversitäten aufzuschließen.

Ein aktuelles Ranking liefert jetzt ein bittere Bilanz im Jahr drei der verstärkten Forschungsförderung für die deutschen Universitäten: Erneut schaffte es keine deutsche Hochschule unter die Top 50 der besten Unis der Welt. Und schlimmer noch: Unter gerade einmal elf deutschen Unis in den Top 200 stürzten sechs von ihnen weiter ab - darunter drei, die sich seit über einem Jahr "Elite-Uni" nennen.

Die üblichen Verdächtigen aus England und den USA

Spitzenreiter im World University Ranking 2008 des Magazins "Times Higher Education Supplement" sind die üblichen Verdächtigen: auf den Plätzen eins bis fünf finden sich die US-Unis Harvard und Yale, gefolgt von den britischen Rivalen Cambridge und Oxford und den Aufsteigern vom California Institute of Technology.

Die Tragik am erneut miserablen Abschneiden der deutschen Hochschulen: Die Universitäten, die seit 2006 und 2007 "Elite-Unis" heißen, waren damals millionenschwer für ihre Zukunftskonzepte ausgezeichnet worden - also für ihre zukunftsweisende Planung vor allem in der Forschung, aber auch in der Lehre und dem universitären Gesamtkonzept.

Münchner Unis fallen tief

Ganz vorne dabei und Elite-Unis seit der ersten Runde 2006 waren die beiden Massenunis in der bayrischen Landeshauptstadt, die Technische Universität (TU) und Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Mit Rückenwind aus der Exzellenzinitiative schafften sie es im "Times"-Ranking des Vorjahres unter die 70 besten Hochschulen der Welt.

Und in der aktuellen Weltrangliste? Die TU verlor elf Plätze - und liegt mit Rang 78 jetzt 21 Stellen hinter dem deutschen Sieger Heidelberg. Die LMU rutschte noch dramatischer ab: Sie rauschte von Platz 65, und damit aus dem oberen Drittel der 200er-Liste, auf Rang 93. Nach unten ging es auch für eine weitere deutsche "Elite-Uni": Freiburg fiel mit drei Plätzen leicht auf den 147. Rang.

Von Ehrenrettung kann man beim Abschneiden der Aufsteiger auch nicht sprechen: Heidelberg (57.), FU Berlin (137.) und Göttingen (166.) zieren sich ebenfalls mit ihrem Elitetitel, verbesserten sich aber nur leicht um je zwei bis vier Plätze. Für die Uni Heidelberg ein Grund zum Jubeln. Die Universität befinde sich "auf einem hervorragenden Weg", heißt es in einem Schreiben der Hochschule am Neckar.

Beeindruckender ist der Satz, den die Universität Frankfurt nach vorne machte: Sie sprang vom Platz 209 im Vorjahr um 40 Stellen auf einen etwas weniger bedeutungslosen 169. Rang - und tauchte damit erstmals in der Endauswertung auf.

Blickt man auf die besten 20 im "Times"-Ranking, zeigt sich deutlich ein Problem der internationalen Hochschullisten: Wie auch im zweiten großen internationalen Ranking der chinesischen Jiao Tong Universität ("Shanghai Ranking") sind in der neuen Liste aus London fast ausschließlich englischsprachige Hochschulen auf den Spitzenrängen vertreten.

Hauptkriterium: Do you speak English?

Grund: Ein gewichtiger Anteil der Rangliste wird über den Stand in der Forschung vergeben. Ausschlaggebend ist hier, wie viele Artikel in internationalen Fachzeitschriften eine Hochschule im Verhältnis zur Zahl ihrer Mitarbeiter veröffentlicht hat. Wer Englisch kann, ist klar im Vorteil. Mit der Universität Tokio findet sich nur eine nicht-englischsprachige Uni unter den besten 20 des Times-Rankings.

Bewertet wurden die Unis neben der sogenannten Zitation, nach der Einschätzung von 6354 Wissenschaftler und 2339 Arbeitgebern, nach dem Betreuungsverhältnis wissenschaftlicher Mitarbeiter zu Studenten sowie nach der Internationalität. Die bemisst sich nach der Vielzahl an einer Hochschule vertretenen Nationen. Das sei ein Kriterium für die Attraktivität, begründen die Autoren der Studie, doch auch hier wundert es nicht, wenn englischsprachige Unis mit der wissenschaftlichen Gebrauchssprache Nummer eins führend sind.

Nun sind akademische Weltranglisten generell mit Vorsicht zu genießen. Aber hätte man von der Exzellenzinitiative nicht eine leichte Verbesserung erwarten können? Als im vergangenen Jahr die 1,9 Milliarden Euro verteilt und die bedachten Hochschulen in Champagnerlaune waren, kritisierten Bildungsexperten wie der Bamberger Soziologe Richard Münch, das Geld werde von der Bürokratie in den Unis aufgefressen. Die Beschenkten wehrten ab. Das Ziel sei es, Leuchttürme zu schaffen und bestimmte Standorte international sichtbar zu machen. Schlecht, wenn ein aus der Reputation gewonnenes Ranking ergibt, dass sich für deutsche Unis hier kaum etwas getan hat.

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