Hochschulausgaben Bildung im Sinkflug

Von einer deutschen Bildungsoffensive ist wenig zu spüren, im Gegenteil: Die Hochschulen haben im Jahr 2004 weniger Geld ausgegeben als im Vorjahr - trotz höherer Einnahmen.


Vorlesung (in Leipzig): Mediziner verschlingen die Hälfte der Mittel
DDP

Vorlesung (in Leipzig): Mediziner verschlingen die Hälfte der Mittel

Das neue Zahlenwerk des Statistischen Bundesamtes zu den Hochschulfinanzen ist nicht besonders frisch und eher unübersichtlich. Soviel lässt sich jedoch ablesen: Wegen gesunkener Studentenzahlen haben die öffentlichen und privaten Hochschulen in Deutschland im Jahr 2004 auch weniger ausgegeben. Wie die Statistiker heute mitteilte, gaben die Hochschulen insgesamt 30,5 Milliarden Euro aus. Das waren 0,5 Prozent weniger als 2003. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Studenten um rund drei Prozent.

Wie in den Jahren zuvor war auch 2004 (die Zahlen für 2005 liegen noch nicht vor) das Personal mit 18,6 Milliarden Euro der größte Posten. Für die Beschäftigten gaben die Hochschulen 60 Prozent aus, für Investitionen rund drei Milliarden Euro. Fast die Hälfte der Ausgaben entfielen auf die medizinischen Fachbereiche und Einrichtungen der Hochschulen.

Von allen Hochschulen kosteten die Universitäten 12,7 Milliarden Euro, ein Prozent weniger als im Jahr 2003. Weitgehend unverändert waren die Ausgaben der Fach- und Verwaltungsfachhochschulen: Sie sind mit rund drei Milliarden Ausgaben vergleichsweise billig. Die teuerste Fächergruppe an den Hochschulen waren Mathematik und Naturwissenschaften mit 3,4 Milliarden Euro, gefolgt von den Ingenieurwissenschaften mit 2,7 Milliarden Euro und den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 1,7 Milliarden Euro.

OECD-Statistik: Hochschulausgaben im internationalen Vergleich

OECD-Statistik: Hochschulausgaben im internationalen Vergleich

Bei leicht sinkenden Ausgaben erzielten die Hochschulen zugleich höhere Einnahmen, die im Jahr 2004 um rund sieben Prozent stiegen. Die Hochschulen warben unter anderem 3,5 Milliarden Euro an Drittmitteln bei privaten und öffentlichen Stellen ein, ein Prozent mehr als im Jahr davor. Wichtigste Drittmittelgeber der Hochschulen waren die Deutsche Forschungsgemeinschaft (eine Milliarde Euro), die gewerbliche Wirtschaft (937 Millionen Euro) sowie der Bund (718 Millionen Euro).

Nach Prognosen der Kultusministerkonferenz wird aber die Zahl der Studenten in den kommenden Jahren deutlich ansteigen und mit 2,7 Millionen im Jahr 2014 ihren Höhepunkt erreichen. Die anrollende Welle wird auch für die Hochschulen teuer: Sie werden wohl rund zwei Milliarden mehr pro Jahr berappen müssen.

jaf/AP/Reuters



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