Baumängel an Unis Steinschlag im Büro

Den Archäologen der Uni Erlangen-Nürnberg ist beinahe die Decke auf den Kopf gefallen: Putz verschüttete die Arbeitsplätze. Die Hochschulleitung nahm das zum Anlass, über zu wenig Geld und marode Bauten zu klagen. Allein ist sie damit nicht.

Lautstark rieselt der Putz: Geröll auf einem Schreibtisch an der Uni Erlangen-Nürnberg
DPA/ FAU

Lautstark rieselt der Putz: Geröll auf einem Schreibtisch an der Uni Erlangen-Nürnberg


Ein Archäologe hat zwar oft mit Steinen zu tun, aber eigentlich interessiert er sich weniger für die Steine an sich, sondern für den Menschen und dafür, was er aus Steinen hergestellt hat, Werkzeuge etwa oder Tempel. Die Klassischen Archäologen an der Uni Erlangen-Nürnberg machten jetzt die Erfahrung, wie es ist, nicht fremde, altertümliche Werkzeuge auszugraben, sondern die eigenen, aktuellen Arbeitsmittel: Ihre Schreibtischplätze wurden "verschüttet", so jedenfalls beklagt es der Uni-Kanzler Thomas Schöck.

Er ließ Bilder ins Netz stellen, auf denen Computerarbeitsplätze und Geröll zu sehen sind, das von der Decke herabstürzte - vier Quadratmeter Deckenputz.

Er will damit darauf aufmerksam machen, dass das Geld vorne und hinten nicht reicht. Noch nicht einmal für nötige Sanierungen - geschweige denn für einen Neubau, für den es offenbar auch Pläne gibt, aber eben kein Geld. Die Situation sei "nicht mehr länger tragbar". In einer Mitteilung ist von verrosteten Türen, undichten Dächern und gefährlichen Treppen die Rede.

Es sind neue Bilder, die da in Erlangen veröffentlicht werden, aber es ist ein altes Problem, das viele Unis kennen. Wie lässt sich der Hochschulbau vernünftig finanzieren? Erst vor wenigen Wochen hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) wieder gefordert, den Bund stärker zu beteiligen. Allerdings muss dafür das sogenannte Kooperationsverbot im Grundgesetz abgeschafft oder mindestens gelockert werden: Die Regelung verbietet dem Bund, auf Länderebene dauerhaft in die Bildung zu investieren. Das fordern ebenfalls andere Wissenschaftsorganisationen, doch vor der Bundestagswahl wird das wohl nichts mehr - SPD und Union bewegen sich hier kaum aufeinander zu.

In Erlangen hat die Uni derweil das gesamte Untergeschoss sperren lassen. Die Archäologen müssen den Steinen erst mal ausweichen.


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insgesamt 17 Beiträge
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salubrious-herb 10.07.2013
1. Nicht neu...
Bei uns regnet es auch seit Monaten durch das Dach der Mensa. Maßnahme dagegen bisher: einen Eimer aufstellen.
Hänschen Wurst 10.07.2013
2. So lange....
So lange man sich die Millionen in die eigene Tasche steckt und sich neben her noch schwachsinnige "Forschungsthemen" leistet, wird NIE Geld für notwendige Sanierungen übrig bleiben. Und ganz nebenher hätte es nichts gekostet, baufällige Räume/Gebäude zu sperren, anstatt Menschen zu gefährden. Wir wissen, wer (welches Großmaul) sich hier ein Eigentor geschossen hat.
-sapere-aude- 10.07.2013
3. ...
Es ist auch viel wichtiger, dass sich die hohen Experten auf Universitätsebene über Themen wie "Herr Professorin" unterhalten, anstatt über beispielsweise einstürzende Universitätsgebäude. Ich war lang genug an einer Universität und bin froh, diesem Zirkus "entkommen" zu sein. Es ist einfach nicht mehr vertretbar was an den Hochschulen in Deutschland passiert!
blabla55 10.07.2013
4. Marode
Unis,Schulen,Kindergärten und Jugendhäuser sind seit Jahren marode,diese Liste ließe sich beliebig fortführen.
glen13 10.07.2013
5.
Zitat von sysopDPADen Archäologen der Uni Nürnberg-Erlangen ist beinahe die Decke auf den Kopf gefallen: Putz verschüttete die Arbeitsplätze. Die Hochschulleitung nahm das zum Anlass, über zu wenig Geld und marode Bauten zu klagen. Allein ist sie damit nicht. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/uni-nuernberg-erlangen-klagt-ueber-baumaengel-a-910464.html
Das ist eben der Unterschied zwischen der ministerialen Werbeabteilung des "Wir müssen mehr in die Bildung investieren" und der Realität.
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