Strategiepapier der Regierung Liebe Forscher, kommt zurück

Viele deutsche Wissenschaftler gehen zum Forschen ins Ausland - und kehren nicht zurück. Die Bundesregierung will das ändern. Sie hat eine Strategie für mehr internationalen Austausch in der Wissenschaft verabschiedet.

Studenten vor einem Globus (Symbolbild)
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Studenten vor einem Globus (Symbolbild)


Die Bundesregierung will den Austausch des wissenschaftlichen Nachwuchses mit anderen Ländern fördern, um den Anschluss an die internationale Spitzenforschung nicht zu verlieren.

Das Kabinett hat am Mittwoch ein Strategiepapier verabschiedet, wonach sie die Zahl ausländischer Studenten an deutschen Hochschulen von 320.000 im Jahr 2015 auf 350.000 im Jahr 2020 steigern will.

Umgekehrt soll künftig jeder zweite deutsche Absolvent Auslandserfahrungen vorweisen können. Jeder dritte soll demnach mindestens drei Monate in ausländischen Hochschulen studiert haben. Derzeit war gut jeder dritte deutsche Absolvent mindestens einmal studienbezogen im Ausland.

"Wissenschaftliche Exzellenz lebt vom Austausch und vom Wettbewerb der weltweit Besten", heißt es in dem Papier "Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung". Bildungsministerin Johanna Wanka hatte schon früher die Bedeutung einer internationalen Vernetzung in Zeiten nationaler Abschottung und neuen Grenzziehungen betont.

Zu den Zielen der Regierung gehört auch der internationale Ausbau der beruflichen Bildung. Deutschland habe mit seinem dualen Ausbildungssystem von Betrieben und Berufsschulen einen Exportschlager zu bieten, heißt es im Ministerium.

Zur besseren Vernetzung von Forschung und Bildung tragen viele Projekte bei, oft auf europäischer Ebene. Als ein Beispiel nennt der 110-seitige Bericht den Röntgenlaser European X-Ray Free-Electron Laser, der in diesem Jahr in Hamburg in Betrieb gehen soll. Er soll Zeitlupenaufnahmen von chemischen Reaktionen ermöglichen, die dann Aufschlüsse über das Zusammenwirken von Atomen und Molekülen geben sollen.

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Studieren im Ausland: Das sind die mobilsten Studenten

Studien wiesen jedoch darauf hin, dass nur sechs von zehn deutschen Forschern, die im Ausland tätig waren, wieder nach Deutschland zurückkehren. Es sei eine Herausforderung, mehr gute Wissenschaftler in Deutschland zu halten oder hierherzulocken, schreibt das Bildungsministerium.

Wichtig sei auch, "Schwellen- und Entwicklungsländer verstärkt als Partner einzubinden". So werde das Ministerium dieses Jahr rund 41 Millionen Euro für den Aufbau nachhaltiger Forschungs- und Bildungskapazitäten im südlichen Afrika investieren.

Einen Schwerpunkt im Konzept nimmt auch Asien und besonders China ein. Bereits jetzt gebe es rund 1100 Hochschulkooperationen zwischen der Volksrepublik und Deutschland. Die Mittel des Bildungsministeriums für die Zusammenarbeit mit China hätten sich seit 2002 auf rund 20 Millionen Euro pro Jahr verdreifacht.

Mehr als 90 Prozent des globalen Wissens entstehen nach Angaben des Ministeriums außerhalb Deutschlands. "Für Deutschland ist es als Hightech-Standort zentral, in weltweite Wissensflüsse und Wertschöpfungsketten integriert zu sein."

Das Bildungsministerium habe daher seine Fördermittel für internationale Kooperationen von jährlich 567 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 802 Millionen Euro im Jahr 2015 gesteigert.

Die Regierung betont neben wirtschaftlichen Vorteilen auch die Verantwortung Deutschlands in der Welt: "Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Gesundheit und Ernährungssicherheit machen nicht an Ländergrenzen halt." Nur im Rahmen "gemeinsamer länderübergreifender Anstrengungen auf europäischer und internationaler Ebene" ließen sich diese Herausforderungen meistern.

lov/dpa/Reuters

insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
Msc 01.02.2017
1.
Das einzige Papier das Forscher zurückholen kann, ist das bunte rechteckige mit den Zahlen drauf. In Deutschland bezahlt man Peanuts und lässt Wissenschaftler ständig auflaufen (befristete Verträge en masse, häufig massiv unterbezahlt, Wissenschaftszeitvertragsgesetz...). Private Firmen nutzen das natürlich aus und drücken das Lohnniveau. Zudem werden Wissenschaftlern, die gerade von der Uni kommen nur extrem wenige Chancen geboten sich überhaupt zu beweisen. Bitte unter 30, Promotion und mind. 5 Jahre Berufserfahrung, okay? Es ist kein Wunder, dass man jetzt in Länder der Dritten Welt schaut um wissenschaftliches Personal zu finden. Die arbeiten für ein Appel und ein Ei und wollen auch nur ganz selten wieder zurück.
2flower 01.02.2017
2. Weiß den wirklich keiner...
wieso die Forscher nicht zurückkommen? Hat sich mal jemand umgeschaut auf deutsche Unis? Gibt es da Tausende unbesetzte Professuren? Ich glaube eher nicht. Wie z.B. am 26.2.2014 im Spiegel bemerkt, wollen viele gerne zurück! Aber es klappt einfach nicht, weil nicht genügend Stellen da sind. Alle deutsche Forscher im Ausland werden Ihnen das Gleiche sagen.
dasdondel 01.02.2017
3. Bezahlung
wirkt Wunder.
kleschne 01.02.2017
4. Naja
Viele Worte, wenig Info. 1. Es kommen 6 von 10 Forscher aus dem Ausland zurück. Der Titel sagt was anderes! 2. Wenn ein Land mit einem Bevölkerungsanteil von 1% an der Welt weniger als 10% des Weltwissens erforscht ... Nun dann ist diese Info nutzlos. Wer würde etwas anderes erwarten?
brunellot 01.02.2017
5. Top Forscher brauchen Top Rahmenbedingungen...
und da ist Deutschland, trotz aller Bemühungen, bei weitem noch nicht Spitze. Um das zu ändern müssten die universitären Strukturen massiv verbessert werden (Föderalismus ist da eine große Bremse) und es müssten attraktive Jobs mit einer langfristigen Perspektive geschaffen werden (ich denke da zum beispiel an die prekäre Situation vieler Nachwuchswissenschaftler) und, und und. Das alles kostet sehr viel Geld, welches wir, statt in die Zukunft (=Bildung und Forschung) zu investieren, lieber verwenden um Klientelpolitik zu machen (Rente mit 63 a la SPD, verringerte MWSt für Hoteliers a la FDP und nicht konsequentes Schließen von Steuerlöchern a la CDU/CSU). Schade eigentlich, denn das Potential wäre eigentlich da!
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