Vergleich Gebührenfreies Studium gibt's fast nur noch in Deutschland

Hochschulbildung wird weltweit immer stärker privatisiert - und immer teurer. Eine große Ausnahme in diesem Trend ist Deutschland.
Arbeit in der Stabi: Unis sind in Deutschland meist öffentlich finanziert.

Arbeit in der Stabi: Unis sind in Deutschland meist öffentlich finanziert.

Foto: Nicolas Armer/ picture alliance / dpa

Private Hochschulen und Universitäten mit teils saftigen Studiengebühren sind nach einer neuen Studie weltweit auf dem Vormarsch. "Deutschland ist das einzige Land, in dem die Politik noch immer an einer beitragsfreien öffentlichen Hochschulbildung für nahezu alle Studierenden festhält", heißt es in dem Vergleichsreport einer US-Wissenschaftlergruppe im Auftrag der Körber-Stiftung .

Hierzulande erhebe "nur eine verschwindend kleine Zahl privater Bildungsinstitute Gebühren". Der Privathochschulsektor dagegen boome "vor allem in den Ländern, in denen es nicht gelingt, die Nachfrage durch öffentliche Hochschulen und andere staatliche Bildungseinrichtungen zu decken", schreiben die Autoren der Studie. "Private Anbieter füllen die Lücken schnell. Die Qualität und der Nutzen ihrer Angebote variieren dabei stark." Viele private Einrichtungen arbeiten gewinnorientiert, was besonders kostspielige Studiengänge oft ausschließt.

Infolge dieser Entwicklung schwinde der staatliche Einfluss. "In den meisten Fällen haben sich die Regierungen von einer Politik, die auf die Steuerung der Immatrikulationen und der Bildungschancen ausgelegt war, wieder verabschiedet und Marktkräften und internationalen Trends nachgegeben", sagte Philip Altbach vom Boston College als Leiter der Studie.

So hätten Ägypten - immerhin ein Land, in dem 99 Prozent aller Studienplätze an staatlichen Unis sind - und auch Russland "die Trennlinie zwischen öffentlichem und privatem Bildungssektor verwischt, indem sie den öffentlichen Hochschulen gestatten, zusätzlich zu ihren subventionierten Studienplätzen auch Plätze für gebührenzahlende Studierende zu schaffen".

In vielen Ländern studiert die Hälfte eines Jahrgangs

Der Report "Antworten auf die Massifizierung" analysiert Trends der Hochschul- und Berufsbildungssysteme in 13 Ländern: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland, Ägypten, Ghana, Australien, China, Indien, Japan, Brasilien, Chile und USA.

Dem Report zufolge ist der Zugang zur Hochschulbildung meist nicht mehr Privileg einer sozialen Elite - vielmehr studierten "in vielen Ländern über die Hälfte eines Jahrgangs", auch in Deutschland. Durch die große Masse an Studenten entsteht Druck auf die bestehenden Hochschulsysteme - die "Massifizierung", von der im Titel des Berichts die Rede ist.

Am anderen Ende der Skala seien in Indien mehr als 35 Millionen Studierende immatrikuliert. Das ist etwa nur ein Viertel der 18- bis 24-Jährigen des Landes.

Eine aktuelle Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das zur Bertelsmann-Stiftung gehört, beschäftigt sich mit dem Sektor der privaten Hochschulen in Deutschland. Sie seien besonders erfolgreich in neuen Segmenten des Bildungsmarktes. Potenzielle "Kunden" von Privatunis sind laut CHE Studierende mit Kindern und mit bereits abgeschlossener Ausbildung oder auch berufsbegleitend Studierende.

mamk/dpa-afx
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