Hochwasserfrei Unis schicken Studenten nach Hause

Sandsäcke befüllen statt Seminare hören: Viele Universitäten und Hochschulen in den Hochwasser-Krisengebieten schließen in den kommenden Tagen ihre Pforten - und bitten ihre Studenten per Facebook und Twitter um Hilfe.

Hörsaalzentrum der TU Dresden (Archivbild): Helfen, anstatt zu studieren
DPA

Hörsaalzentrum der TU Dresden (Archivbild): Helfen, anstatt zu studieren


Anwesenheitspflichten, Hochschulwahlen, Klausuren - all das ist zurzeit egal. Zumindest in den akut vom Hochwasser bedrohten Gebieten. "Alle Studenten der TU Bergakademie Freiberg, die an ihrem Wohnort vom Hochwasser bedroht sind, bzw. die nahe Angehörige und Verwandte beim Hochwasserschutz unterstützen möchten, sind ab sofort bis Ende dieser Woche von den Lehrveranstaltungen an der TU Bergakademie Freiberg freigestellt", teilt die Technische Universität in Sachsen am Dienstag via Twitter und Hochschulwebsite mit. Die Hochschulleitung werde dafür sorgen, dass den Betroffenen keine Nachteile entstehen.

Auch andere Unis und Hochschulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern warnen und informieren über die sozialen Netzwerke.

Im niederbayerischen Deggendorf wird der Hochschulbetrieb bis einschließlich 7. Juni 2013 eingestellt. "Alle Lehrveranstaltungen entfallen ersatzlos. Das Personal kann auf Dienstzeit zuhause bleiben. Die Hochschulwahlen werden verschoben, ein Termin wird noch bekanntgegeben", teilt der Kanzler der Technischen Hochschule Deggendorf mit.

Die Hochschule Anhalt in Dessau stellt ihren Betrieb sogar bis Ende der Woche ein. "Aufgrund der unsicheren Hochwassersituation ist der Hochschulbetrieb am Standort Dessau zunächst von Mittwoch, 5. Juni 2013 bis Sonntag, 9. Juni 2013 vollständig eingestellt", teilt die Hochschule mit und ermahnt die Studenten, beim Kampf gegen das Wasser mitzuhelfen: "Grundsätzlich sind alle aufgerufen, die selbst nicht vom Hochwasser betroffen sind, sich aktiv an den Schutzmaßnahmen zu beteiligen sowohl in der Stadt Dessau als auch am Campus der Hochschule. Die Hochschulangestellten mögen sich bitte am Standort Dessau bereithalten."

Der Fachbereich Design in Dessau warnt unterdessen via Facebook vor Panikmache: "+++ MULDEBRÜCKE IN DESSAU WEITERHIN GESPERRT +++ Helfer an der alten Landebahn benötigt+++ Handschuhe und Schaufeln mitbringen +++ Viele Gerüchte im Umlauf +++ Bitte keine Panikmache +++"

Auch die Otto-von-Guericke-Universität in Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg sucht über Facebook freiwillige Helfer: "OVGU-Studies lassen Sachsen-Anhalt nicht untergehen! Uni-Rektor Prof. Strackeljan ruft Studierende und Mitarbeiter auf, beim Hochwasserschutz mit anzupacken und bittet Lehrende darum, Studierenden dadurch keinen Nachteil entstehen zu lassen." Und: "Wir suchen ab morgen (Mittwoch) Helfer zum Sandsack füllen. Wer kann?"

Gut, dass es Facebook gibt: Die Hochschule Magdeburg-Stendal kündigt die Räumung der Keller an - und verweist im Krisenfall auf die Kommunikation über das soziale Netzwerk: "Ab Mittwoch, 5. Juni, 14 Uhr fallen sämtliche Veranstaltungen am Hochschulstandort Magdeburg am Campus Herrenkrug aus […]. Für den Fall, dass der Betrieb der Hochschulwebsite seitens der IT-Infrastruktur nicht mehr gewährleistet werden kann, erfolgt die Krisenkommunikation ausschließlich über die Facebook-Seite der Hochschule. Ein Facebook-Account ist dafür nicht erforderlich!"

Auch die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Sachsen-Anhalt stellt ihren Lehrbetrieb bis Freitag ein. Wegen des Hochwassers seien einige Uni-Standorte kaum mehr zu erreichen. Rektor Udo Sträter rief die Studenten dazu auf, auch weiterhin beim Sichern der Deiche und Befüllen der Sandsäcke mit anzupacken.

Der Kunsthochschule Halle droht wegen des Hochwassers der Saale nach eigenen Angaben bereits ein Millionenschaden. Trotz des Einsatzes von rund 400 Helfern, die seit Montag unermüdlich rund um die Uhr Sandsäcke stapelten, sei Wasser in Gebäude des Design-Campus' gelaufen, teilte eine Sprecherin mit. Allein in der Hochschuldruckerei seien teure Maschinen und technische Ausstattungen durch das Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Kunsthochschule hat ihren Sitz nahe der Saale, die meterhoch über die Ufer getreten ist. Der Fluss hat mittlerweile eine Wasserhöhe von 7,69 Metern erreicht - normalerweise liegt diese bei knapp zwei Metern. In der Stadt gilt wegen des Hochwassers Katastrophenalarm.

In Sachsens Hauptstadt Dresden gibt die größte Universität des Bundeslandes Entwarnung: "Lehrveranstaltungen finden statt", heißt es auf der Homepage. Alle Mitglieder der TU seien in diesen Tagen jedoch aufgerufen, zu helfen, anstatt zu studieren. Die Universitätsleitung fordert: "Die Stadt braucht derzeit und in den kommenden Tagen alle Kräfte - da müssen wir alle zusammenstehen für Dresden."

lgr/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tom87 04.06.2013
1.
Zitat von sysopDPASandsäcke befüllen statt Seminare hören: Viele Universitäten und Hochschulen in den Hochwasser-Krisengebieten schließen in den kommenden Tagen ihre Pforten - und bitten ihre Studenten per Facebook und Twitter um Hilfe. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/hochwasser-uni-veranstaltungen-fallen-aus-a-903763.html
Tolle Aktion von unseren Unis! Und wehe mir kommt jetzt einer mit faulen Studenten. Die ganze Stadt war bei uns in Halle auf den Beinen (inkl. mir und aller meiner Kommilitonen) um den Gimritzer Damm und diverse andere Standorte zu sichern. Vorbildliches Verhalten der Bürger...ganz klasse! Da keimt Hoffnung auf das doch Solidarität und Zusammenhalt in unserer heutigen Gesellschaft existiert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.