Hölzerner Gebühren-Protest Scheite und Schelte für die Uni

Darf eine Uni mit Einnahmen aus Studiengebühren ihre Energiekosten decken? Auf keinen Fall, sagen Ulmer Studenten und überreichten der Hochschulleitung heute Holz zum Verheizen. Auch Professoren beteiligten sich an der Protestaktion - mit vollem Körpereinsatz.


Ulm - Bevor Studiengebühren "verheizt" werden, wollen die Studenten der Universität Ulm lieber selbst für die Energieversorgung ihrer Uni aufkommen. Zumindest symbolisch. Bei der Aktion "Holz für die Uni" protestierten heute rund 1200 Studenten gegen Überlegungen der Universitätsleitung, Mittel aus Studiengebühren nicht nur für Forschung und Lehre, sondern auch für Energiekosten zu verwenden.

Protestaktion "Holz für die Uni": Gegen Verheizen von Studiengebühren
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Protestaktion "Holz für die Uni": Gegen Verheizen von Studiengebühren

Vertreter der Hochschulleitung nahmen Scheite und Schelte entgegen und betonten, dass finanzielle Zwänge für die unglückliche Budget-Verwendung verantwortlich seien. Die bisherigen Zuwendungen vom Land reichten nicht aus, um die gegenüber 2006 um 1,3 Millionen Euro gestiegenen Energiekosten der Uni zu decken.

Die Kritik der Studenten richtet sich auch an die Landesregierung. Während laut Asta das Land für die Energiekosten von Fachhochschulen, Musikhochschulen und Berufsakademien aufkommt, gebe es für die Universitäten nur einen ungenügenden Zuschuss zu den Kosten.

Die Verwendung der künftigen Gebühren-Einnahmen sorgt in Baden-Württemberg und Bayern schon seit Wochen für Streit. Zunächst hatte die Universität Freiburg das Bezahlen von Heizkosten aus den studentischen Geldern für möglich erklärt, machte dann aber einen Rückzieher. An den Universitäten Ulm und Mannheim dachte man ebenfalls über solche Tricksereien nach, in Passau gar über die Sanierung der Tiefgarage.

Strampeln für die Stromspende

Dafür allerdings sind die Studiengebühren nicht gedacht - sie sollen ausschließlich der Verbesserung der Lehre dienen, betonten Wissenschaftsminister mehrerer Bundesländer immer wieder. Auch Baden-Württembergs Minister Peter Frankenberg (CDU) sprach sich gegen ein Verheizen der Einnahmen aus. Die Studentenvertreter vertrauen aber weder ihm noch ihren Hochschulen. Denn mit einer internen Umverteilung sei es auch möglich, die Gebühremn-Euros durch den Kamin zu pusten, befürchten sie.

"Es wäre beispielsweise möglich, bisherige Landesmittel für Lehrveranstaltungen zu streichen und die selben Lehrveranstaltungen dann aus Studiengebühren zu finanzieren. So könnte Geld für die Energiekosten aus Studiengebühren umgelenkt werden", heißt es in einer Mitteilung der Ulmer Studentenvertreter, die sich gegen einen "Verschiebebahnhof" wehren.

Die Hochschulleitung bestreitet solche Pläne. Uni-Präsident Karl Joachim Ebeling sagte schon letzte Woche der Ulmer "Südwest-Presse", dass die Pläne vom Tisch seien, Strom- und Heizkosten aus Gebühren zu finanzieren. Man hoffe jedoch auf eine Finanzspritze von Länderseite, um die gestiegenen Kosten bewältigen zu können.

Trotz solcher Beteuerungen beteiligten sich heute auch Professoren aktiv am Protest: Drei Professoren aus den Fakultäten Mathematik und Wirtschaftswissenschaften traten in einer symbolischen Freiluft-Vorlesung selbst in die Pedale von Fahrrad-Generatoren. Mit dieser "Stromspende" wollte sie für die notwendige Energie zu sorgen.

Subtiler war dagegen die Unterstützung von Seiten der Mensa-Mitarbeiter – als Hauptgericht standen heute Holzfällersteaks auf der Karte.

sto/dpa



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